Apple Powerbook als DVD-Player
Diesen Text habe ich für das DVD-Magazin im April 2000 geschrieben, nachdem ich mir ein neues Apple Powerbook (Typ "Pismo") zugelegt habe; ich habe den Text in einigen Punkten erweitert und um neue Erfahrungen ergänzt. Es handelt sich also nicht um ein Testgerät. Das ist mir schon vor einem Jahr zugesagt worden, aber nie gekommen; mein kleiner Trost ist, dass nicht einmal die Kollegen der Mac-Zeitschriften Testexemplare erhalten haben. Und noch etwas: Es ist ohne Zweifel ein guter Computer - aber kein guter DVD-Player.
| Das neue Pismo-Powerbook ist der zweite DVD-Player innerhalb von einem Monat, der einen Firewire-Ausgang hat - nach der Playstation 2. Leider ist er auch hier für DVD nutzlos.
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Mein neues Apple Powerbook (G3 Pismo, 400 MHz) DVD-ROM-Scheiben für PCs sind bisher noch Mangelware. Doch langsam verbreiten sich die DVD-Laufwerke in PCs, vor allem in Laptops. So liefert Apple seine neuen tragbaren Business-Rechner der "Pismo"-Serie nur noch mit DVD aus und zwar mit Drives der neuesten Panasonic-Generation, die auch DVD-RAM lesen kann. Das heißt, Medien, die zum Beispiel im RAM-Laufwerk eines Apple G4 geschrieben werden, lassen sich wiedergeben. Allerdings nicht zu früh freuen: Lesbar sind ausschließlich 2,6-GB-Discs, während die nächste Generation der RAM-Scheiben 4,7 GB haben wird. Laufwerke, die sie beschreiben, sind auf der Cebit vorgestellt worden, solche, die sie lesen können, werden erst Ende dieses Jahres kommen. Auch die künftigen DVD-Recorder von Panasonic, Hitachi und Toshiba werden mit den 4,7-GB-DVDs arbeiten.
Trotzdem: Kann ein solcher tragbarer Computer nicht gleich den DVD-Player ersetzen? Ein DVD-Portie mit Sieben-Zoll-Bildschirm kostet schließlich schon 3.500 Mark, das Powerbook mit 400-MHz-Prozessor kommt auf rund 6.000 Mark mitsamt 14-Zoll-Schirm, also dramatisch größerem Bild in XGA-Auflösung (1.024 x 768). Und es hat einiges, was ein normaler DVD-Player nicht hat: Es kann über die Monitor-Schnittstelle einem Projektor Progressive-Scan-Signale liefern. Und es ist der erste DVD-Spieler mit dem lang erwarteten Firewire-Ausgang (i-Link, IEEE-1394), der digitalen Schnittstelle der Zukunft. Ein Fernseher kann über einen normalen Videoausgang angeschlossen werden. Serienmäßig soll ein S-Videokabel beiliegen, doch es kommt schon mal vor, dass das nicht lieferbar ist. Dann muss man mit einem Cinch-Videokabel vorlieb nehmen.
Doch noch mehr fehlt, und zwar serienmäßig: Ein Digitalausgang für den Ton ist nicht vorgesehen, so dass weder Dolby Digital noch DTS mehrkanalig wiedergegeben werden können. Der Firewire wird zudem bei DVD-Wiedergabe ganz abgeschaltet, die Angst der Software-Branche vor Raubkopien verlangt das. Auch auf der Bildseite fällt ein großes Manko sofort auf: Der Software-Player von Apple unterstützt kein 16:9.
Und auch die Ausgabe über den Monitoranschluss macht das nicht besser: Mehr als 800 mal 600 Bildpunkte unterstützt der Apple-DVD-Player nicht, also ist auch hier Essig mit echtem 16:9 (nötig wären dazu bei PAL 1.024 mal 768 Pixel).
Auf dem eingebauten LCD-Schirm spielt das keine Rolle, denn hier werden genug Pixel genutzt; auch die Ansteuerung von XGA-Projektoren in voller Auflösung ist möglich, so dass hier keine Zeilen verloren gehen. Allerdings kann die Grafikkarte dann keine 16,7 Millionen Farben mehr verarbeiten, es sind nur noch 32 000 Farben möglich, also eine wesentliche Verschlechterung gegenüber dem Farbumfang einer DVD. Das TV-Signal über den Ausgang dagegen hat volle Farbigkeit, ist jedoch von sehr bescheidener Qualität zumindest über die dem Testgerät beiliegende Cinch-Verbindung.
Wird ein Projektor dagegen über den Monitor-Ausgang angesteuert, ist das Bild recht in Ordnung, solange es sich um einen Film handelt. Bei Videomaterial auf DVD, etwa "Touch my soul"in PAL oder einer Eisenbahnfahrt duch Japan in NTSC, wird das Bild fürchterlich: Schlimmes Zeilenreißen an bewegten Kanten verdirbt die Laune. Einen Progressive-Player kann man das Powerbook also nicht nennen, denn der müsste mit solchem Material klarkommen. Dazu bleibt die Wiedergabe immer wieder mal hängen, besonders, wenn der Film mit Untertiteln gesehen wird, aber nicht nur dann.
Mac-Experten empfehlen, damit das Ruckeln verschwindet, den Speicher zu erhöhen und den virtuellen Speicher auszuschalten. Dann bleibt der Player zwar etwas seltener hängen, ist aber immer noch nicht ganz verschwunden.
Der eingebaute Bildschirm ist knackig scharf, doch auch er hat ein Manko: Über die gesamte Fläche gelingt ihm kein Schwarz, sein Blickwinkel ist zu sehr eingeschränkt.
Im Laufe der Zeit entwickelt die Software noch ein gewisses Eigenleben: Die Hilfethemen sind mehr oder weniger unlesbar geworden, auf diversen Scheiben findet er die Menüs nicht mehr und die Fehlermeldungen werden immer mehr.
Das Fazit fällt ernüchternd aus. High-tech ist das nicht, denn jeder China-Player für 500 Mark bietet für DVD-Video mehr. Gut, dass DVD bei Apples neuen Powerbooks nichts mehr extra kostet.
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