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Ulrich v. Löhneysen, Journalist

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Diskussion

Ein Vorschlag zur Beendigung des Format-Streits:
Super-Audio-CD und DVD-Audio auf einer Disc

Den folgenden Text hat mir Stefan Schreiber aus Lissabon geschickt; ich veröffentliche ihn hier nahezu unverändert. Das hat zwei Gründe: Zum einen sah ich bisher eine Lösung des Formatstreits eher auf der Player-Ebene; die Argumente dagegen, die Stefan Schreiber nennt, klingen aber überzeugend. Zum anderen möchte ich – genau wie der Autor – eine Diskussion darüber anregen, wie die verfahrene Situation in Sachen hochauflösender Musikformate mit Mehrkanalton bereinigt werden kann. Die interessantesten Beiträge zu dieser Diskussion möchte ich in Audiovision veröffentlichen (voraussichtlich Ausgabe 3/2003). Melden Sie sich per E-mail. (löh, 8. 1. 2003)

Die Situation bei SACD gegen DVD-Audio
Hybrid-Player sind nicht die Lösung.
Eine hybride SACD/DVD ist besser
Zwei Segmente im Musikmarkt
Keine Angst vor Patenten

Wie allgemein bekannt, führt die Einführung zweier konkurrierender Standards für Audioaufnahmen höchster Qualität und Mehrkanalton, also von SACD und DVD-Audio, zu großen Problemen bei der Markteinführung beider Formate. Da sich auch DVD-Video zur Distribution von reinen Audioaufnahmen (sowie natürlich für Musikvideo) eignet, könnte man sogar von drei potentiellen CD-Nachfolgeformaten sprechen.
Stefan Schreiber: Musiker im Gulbenkian-Orchester in Lissabon, gebürtiger Regensburger und Spezialist füt Tonaufnahme und Wiedergabe.
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Die Situation


Auf die Eigenschaften der Formate Super-Audio-CD sowie DVD-Audio brauche ich hier sicherlich nicht einzugehen, Details finden sich zum Beispiel in Jim Taylors "DVD Demystified" (2. Aufl., McGrawHill, New York, 2001, Kap. 6). Es stellt sich die Frage, welches dieser beiden Formate besser ist.
Bei den wenigen bisherigen wirklich unabhängigen Tests mit bestmöglicher AD- und DA-Wandlung, zum Beispiel unter Verwendung von Wandlern der Firma dCS, die sowohl DSD und PCM bis 192 kHz unterstützen, werden beide Formate als sehr gut eingestuft. Es fällt jedoch eine Präferenz der Testpersonen für das Einbit-Format DSD auf, in einem Verhältnis von typischerweise 80:20 Prozent gegenüber PCM mit 96 KHz/24 Bit sowie 70:30 Prozent gegenüber PCM mit 176 kHz.
Während die SACD die Möglichkeit der Herstellung einer hybriden SACD/CD bietet, die auf normalen CD-Player wiedergegeben werden kann, werden Aufnahmen für DVD-Audio häufig als DVD-AudioV editiert, das heißt, sie enthalten Aufnahmen auch für normale DVD-Video-Spieler, häufig in Stereo (96 kHz PCM) oder in komprimierten Mehrkanalton-Formaten (Dolby Digital, DTS).

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Hybrid-Player sind nicht die Lösung

Zur Lösung des Formatkriegs zwischen SACD und DVD-Formaten wird häufig die Forderung nach genereller Einführung hybrider Abspielgeräte gestellt, die beide Formate unterstützen. So überzeugend dies klingt, lässt sich diese nach meiner Meinung nicht realisieren, was ich im folgenden kurz begründen werde.
Es ist sicherlich möglich, Player mit Chips auszustatten, die beide Formate unterstützen (etwa für die Kopierschutzverfahren, für die Verzeichnisverwaltung) sowie kombinierte Digital-Analog-Wandler herzustellen, die DSD- und PCM-Modulationen unterstützen. So gesehen, wären diese Abspielgeräte durchaus nicht wesentlich teurer als spezialisierte Ein-Format-Spieler. Man darf jedoch nicht übersehen, dass die Wandlung von DSD und PCM unterschiedliche analoge Pfade nach der Digital-Analog-Wandlung erfordert, die sehr hochwertige analoge Komponenten benötigen (zumindest für qualitativ gute Abspielgeräte). Diese analogen Komponenten machen Wiedergabegeräte teuer, andernfalls könnte man CD-Spieler für 50 Euro kaufen, die es natürlich auch gibt, aber ohne hohen Qualitätsanspruch.
Aussagen einiger chinesischer Hersteller, DVD-Spieler mit Unterstützung für SACD und DVD-Audio für wenig mehr als 100 Dollar anzubieten, muss man in diesem Licht sehen. Die digitale Unterstützung eines Formats heisst nicht, dass ein Abspielgerät dieser Art so etwas wie Qualität aufweist, und in der Tat sind die meisten DVD-Spieler keine besseren Musikreproduktoren als gute CD-Spieler, trotz höherer PCM-Auflösung. Dies liegt an teilweise schlechteren analogen Komponenten sowie der Tatsache, dass Video-Elektronik, die nicht abgeschaltet wird, die Audioverarbeitung dieser Geräte schlicht und einfach verrauscht, selbst wenn die Wandlung gut wäre.
Einen DVD-Spieler mit guter Audiowiedergabe zu konstruieren, erfordert beträchtliches Know-How und Erfahrung im Audiobereich (elektronische Abschirmung gewisser Komponenten, Jitterkontrolle und so weiter). Bisherige hybride SACD-DVD-Audio-Player sind normalerweise deutlich besser für eines dieser Audioformate (etwa durch Umwandlung von DSD in PCM bis 192 kHZ oder umgekehrt, was nicht verlustlos ist und im Grunde entweder PCM mit geringerer dynamischer Bandbreite oder DSD mit geringerer zeitlicher Auflösung ergibt).
Übrigens ist kein einziger existierender hybrider SACD-DVD-Audio-Spieler ein hervorragender CD-Spieler in Referenzklasse, was angesichts teilweise sehr hoher Preise für diese Geräte erstaunlich ist, denn PCM in 44.1kHz/16Bit lässt sich sowohl in PCM-96/192kHz sowie DSD umwandeln (englisch "upsampling").
Wie auch immer, der geringe bisherige Marktanteil derartiger hybrider Lösungen bei Abspielgeräten hat meiner Meinung nach handfeste Gründe. Da sowohl DVD-Audio- als auch SACD-Spieler normalerweise auch DVD-Video abspielen, sich also in einem sehr kompetitiven Markt befinden, ist kaum davon auszugehen, dass in Zukunft bessere DVD-Spieler beide Formate unterstützen werden, da sie dann schlicht und einfach zu teuer würden. Das heisst konkret, dass sich sehr wohl im teuren Marktsegment solche hybriden Spieler durchsetzen könnten, aber nicht im Massenmarkt DVD-Video, zumal in Zukunft sicherlich nicht jeder DVD-Spieler überhaupt eines der beiden Formate unterstützen wird.
Hybride Player: Jiangsu Hongtu und Pioneer sind die wichtigsten Lieferanten für Player, die beide Formate spielen. Doch die Abspielfähigkeit sagt noch nichts über die Qualität aus – die ist teuer.
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Eine hybride SACD/DVD ist besser

Als alternative Lösung zur Behebung eines Formatkriegs zwischen SACD und DVD-Audio schlage ich eine weiche Methode vor: die Einführung hybrider zweiseitiger Platten, die auf einer Seite mindestens eine SACD-Schicht enthalten, auf der zweiten Seite die identische Musik in den Formaten DVD-Video und/oder DVD-Audio. Diese Lösung funktioniert, da eine SACD-Halbseite mit mindestens einer Datenschicht mit einer DVD-Halbseite verklebt wird, was physikalisch eine Platte normaler Dicke ergibt (1,2 mm).
Es existieren mindestens zwei Hauptanwendungen für dieses Format. Erstens handelt es sich wohl um die einzige Möglichkeit, Musikvideo in den SACD-Standard zu integrieren, was mir für eine Vielzahl von Aufnahmen als essenziell erscheint, bei denen ich neben einer Mehrkanaltonaufnahme auch gern eine Videoversion dieser Musik hätte (Musikclips für Pop/Rock, Livekonzerte, Ballette, Opern, Musicals, Jazz und so weiter). Man sieht an den Beispielen, dass dies nicht gerade ein Nischenmarkt ist. Ich meine, dass für den Erfolg des Formats SACD diese Fähigkeit für Musikvideo unerlässlich sein wird, denn SACD unterstützt Video (bisher) höchst unvollkommen. Philips und Sony denken sicherlich darüber nach, den SACD-Standard dementsprechend zu erweitern, aber ein neuer Standard SACD-Video hätte neben dem etablierten DVD-Video keine Chance mehr.
Zweitens hat nun jede Plattenfirma (optional) die Möglichkeit, eine Aufnahme als hybride SACD/DVD-Audio für beide Standards auf einem Medium herauszugeben, was natürlich eine absolut zukunftssichere Platte ist, da mit Sicherheit mindestens eines der beiden angesprochenen Formate als High-end-Lösung überleben wird. Sowohl hybride SACD/DVD-Video- als auch SACD/DVD-Audio-Medien lassen sich problemlos als DVD-10s auf sämtlichen existierenden DVD-Produktionslinien herstellen. Lediglich eine der verwendeten Matrizen/Master muss als SACD-Matriz von speziellen LBRs (Laser Beam Recorder) vorgefertigt werden. Eine kombinierte SACD-DVD-AudioV-Platte, die Musik in allen drei Nachfolgeformaten der Compact Disc enthalten kann, muss normalerweise als DVD-14 hergestellt werden, ein etwas komplizierterer, aber häufig eingestetzter Produktionsprozess (Surface Transfer Process/Time Warner).
Eine hybride SACD/DVD-Audio als DVD-9 (gelesen von der gleichen Seite, eine Schicht als SACD-Schicht, eine weitere eine DVD-Schicht) würde nicht funktionieren, aus verschiedenen Gründen.
1. Nach den mir vorliegenden Unterlagen erwarten sowohl SACD- als auch DVD-Abspielgeräte einen Lead-In auf Layer 0. Bei der SACD kommt dazu, dass der Lead-In verschlüsselt ist ("SACD-Mark"), d. h. ein DVD-Spieler sieht einen lesbaren, aber sinnlosen ("scrambled") Lead-In. (Das ist bereits eine Art Kopierschutz, denn andernfalls könnte man mit jedem DVD-Laufwerk zumindest an die verschlüsselten SACD-Rohdaten herankommen. Das geht nicht mit handelsüblichen DVD-Laufwerken, denn eine SACD wird erst gar nicht initialisiert. Die Daten im Lead-In werden auf jedem Fall vom Laufwerk benötigt.)
2. Man darf nicht übersehen, dass die Abspieldauer auf DVD-9 um zehn Prozent geringer als auf einer DVD-10 ist. In diesem Fall müsste man sich mit Spieldauern unter 70 Minuten begnügen.
Dass es schwieriger ist, eine DVD-10 mit Label zu versehen, möchte ich nicht abstreiten. Es gibt aber bereits jetzt viele zweiseitige, sehr hochwertige DVD-A-Editionen (eine Seite Video, eine Seite DVD-Audio), also kann das für die angesprochene Zielgruppe nicht das entscheidende Problem darstellen. Z.B. bringt die Firma AIX alle ihre DVD-A-Ausgaben bereits jetzt zweiseitig, d. h. die haben auch dieses Problem. Eine hybride SACD/DVD-AV enthält normalerweise drei HD-Schichten und ist daher immer zweiseitig. Falls gewünscht, könnte man ein (abziehbares!) Label in der Plattenpackung mitliefern und der Kunde klebt es einfach auf die Seite, die er nicht benutzt. Drittens gibt es bereits Verfahren, eine zweiseitige optische Platte zu bedrucken (in diesem Fall mit Farben, die den roten Laser nicht oder wenig stören, meistens auf der Plattenoberfläche). Für eine hybriden SACD/DVD-Standard als DVD-9 müsste man mindestens einen, wenn nicht beide Formate (SACD/DVD-Audio) abändern. Heutige Spieler kämen damit aber nicht klar. Die aktuellen Standards SACD und DVD lassen sich so nicht vereinigen, und mein Vorschlag bezieht sich in der Tat auf die aktuellen, festgeschriebenen Formate.
Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass eine meiner vorgeschlagenen hybriden Platten ein universales Musikmedium darstellt, das SACD/CD/DVD-Video und DVD-Audio in einem Medium unterstützt. Sie erhalten diese Lösung, wenn Sie auf die Rückseite einer hybriden SACD/CD eine DVD-Halbseite verkleben (im Format DVD-AudioV, eine oder zwei Datenschichten). Dieses Medium, das kompatibel zu praktisch allen DVD- und CD-Spielern wäre. ist allerdings, genau wie die bereits kommerzielle DVD-plus, eine "fette Platte" mit einer Dicke von rund 1,7 mm, was über der erlaubten Dicke von maximal 1,5 mm liegt und daher zu Abspielproblemen führen kann. Es ist wahrscheinlich möglich, eine solche Platte in 1,5 mm Dicke herzustellen, allerdings wäre dies ziemlich aufwändig.
Hybride SACD/CD: Von einer Seite aus wird sowohl die CD- als auch die SACD-Schicht gelesen; für die Kombination SACD/DVD würde das nicht funktionieren. Hybride DVD/SACD: Je nachdem, welche Seite benutzt wird, ist die Disc entweder eine DVD oder eine SACD.
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Zwei Segment im Musikmarkt

Ich glaube, der Musikmarkt
sollte sich in Zukunft in zwei Marktsegmente trennen. Auf der einen Seite sollten Compact Discs eher billiger als bisher werden (was auch im Kampf gegen zunehmende Raubkopien sicherlich hilfreich wäre), während die teureren Aufnahmen in DVD- und SACD-Formaten höhere Qualität sowie zusätzliche Möglichkeiten bieten (Musikvideo, Mehrkanalton, Informationsmaterial über Komponisten, Musiker, Aufnahmen, Multimedia, Interaktivität). Mein Vorschlag bietet die Möglichkeit, DVD-Video, SACD- und DVD-Audio auf einem Medium zu vereinen (optional SACD und ein weiteres Format), daher ließe sich der Markt für CD-Nachfolger vereinigen. Ich glaube, dies hilft der Musikindustrie, obwohl natürlich kann jede Plattenfirma unabhängig darüber entscheidet, in welchen Formaten ihre Aufnahmen veröffentlicht werden sollen. Als wichtigste Eigenschaft für neue Formate, um im Massenmarkt die Compact Disc zu ersetzen (zumindest teilweise), sehe ich übrigens Musikvideo und erst in zweiter Linie Mehrkanalton. Wahrscheinlich dürfte sich dennoch langfristig herumsprechen, dass CDs kein perfektes Wiedergabemedium für Musik darstellen.
Meine hybride SACD/DVD
steht in Konkurrenz zu anderen hybriden Formaten, in erster Linie der hybriden SACD/CD und eventuell einer hybriden DVD-Audio/CD. Die beiden letztgenannten Formate haben den Nachteil, dass sie nur eine Schicht hoher Dichte zulassen, das heißt, normalerweise kann man nicht Mehrkanalton und Musikvideo auf diesen Medien integrieren. Mein Format erlaubt bis zu zwei Schichten auf jeder Seite und bietet darüber hinaus bereits als doppelseitige DVD-10 die Möglichkeit, eine SACD-Seite mit DVD-Video zu kombinieren. Die Abspieldauer bei einer zweischichtigen Lösung ist (speziell bei Mehrkanalton) viel länger als bei einer hybriden SACD/CD beziehungsweise DVD-Audio/CD. Da in Zukunft DVD-Abspielgeräte genauso generell anzutreffen sein werden wie heute CD-Spieler, ist eine hybride SACD/DVD trotz fehlender CD-Schicht mittel- oder langfristig ein Medium, dass sich in fast jedem Haushalt abspielen lassen wird. Ich glaube darüber hinaus, dass eine hybride SACD/DVD-Audio auch schon jetzt sich in vielen Fällen als das richtige Distributionsformat herausstellen wird, speziell dann, wenn von Aufnahmen gleichzeitig eine billigere CD-Version auf den Markt gebracht werden soll.

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Keine Angst vor Patenten

Meine Vorschläge für hybride Formen von SACD/DVDs liegen als Patentapplikation vor. Diese Applikation ist in 25 Seiten verfasst und behandelt weitere Aspekte, zum Beispiel wie Musik für eine hybride SACD/DVD-Audio aufgenommen werden sollte und in welchen Formaten. Es wird darauf hingewiesen, dass zweiseitige Platten heutzutage bei Verwendung neuer Polykarbonate oder Schutzschichten praktisch kratzfest hergestellt werden könnten, so dass auch hier kein Problem vorliegt (es existieren aber bereits viele zweiseitige DVD-Videos mit den konventionellen, anfälligeren Materialien). Ich weise auch darauf hin, dass ich in meiner Patent-Applikation weitere Formen meiner Erfindung unter Verwendung von Datenschichten für blaue Laser darstelle, die in Zukunft interessant werden könnten.
Da ich die Erfahrung gemacht habe, dass Firmen sich sofort scheintot stellen, sobald das Wort Patent fällt, weise ich darauf hin, dass ich als Erfinder natürlich Interesse an der Realisierung dieser Formate habe, die schließlich, sofern meine Analyse des Musikmarkts ungefähr zutrifft, der Industrie helfen und nicht schädigen sollen. Lizenzgebühren für Datenmedien betragen generell wenige Cent, und Lizenzgebühren an Philips und Sony verhindern beispielsweise nicht eine Massenproduktion von CD-Rs zu Billigstpreisen. Daher kann ich derartige Ängste nicht ganz verstehen.
Stefan Schreiber, Lissabon

Und, was meinen Sie nun? Bitte Meldung an mich (löh).

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