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Ulrich v. Löhneysen, Journalist

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Funkausstellung 2003: Nachbericht, erster Teil

Was alle haben

Mehr denn je wird die Unterhaltungselektronik von den Komponenten beherrscht, also von den verfügbaren Bauteilen. Das führt dazu, dass die einzelnen Produkte sich immer ähnlicher werden. Und dass immer mehr Hersteller das Gleiche können, egal ob große Konzerne oder kleine Hinterhofwerkstätten. Der erste Teil des Berichts von der Internationalen Funkausstellung 2003 befasst sich daher mit den Dingen, die man aktuell bei praktisch allen Anbietern findet. (5. 9. 2003)

DVD: Progressive Scan und mehr
Verbindung der AV-Anlage mit dem PC
Home Server, die Alleskönner
Flache Fernseher überall
480p-Projektoren, die Einsteigerklasse
DVB-T, das Fast-Überall-Fernsehen

Das Zitat:
"Die Gerätehersteller fragen aktuell nur nach drei Dingen bei LCD. Das sind Preis, Preis und Preis."

Bruce Berkoff, Marketing-Manager bei größten LCD-Hersteller LG.Philips-LCD in Korea.

Während der Funkausstellung wird man oft gefragt, was nun die wichtigsten Neuheiten sind. Sind es die Dinge, die man nun allenthalben sehen kann? Oder die Besonderheiten? In wenigen Jahren wird man sicher die IFA 2003 mit etlichen Produkten in Verbindung bringen, die sich auf breiter Front durchsetzen konnten.

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DVD: Progressive Scan, Fotos, Divx und Kompaktanlagen
Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die sind nicht der Rede wert. Im Prinzip ist PAL-progressive (auch als 576p bekannt) inzwischen fast der Standard, zumindest bei besseren DVD-Playern. Und bei billigeren Geräten kann man neben MP3 auch JPEG erwarten, um Fotos von der CD auf seinem Fernseher anzusehen. Auf dem Weg zum Standard ist Divx, denn die meisten Hersteller aus Taiwan und China haben die MPEG-4-Variante ins Angebot genommen (wenn auch nicht immer alle Divx-Versionen). Ansonsten heißt die Antwort der großen Hersteller auf den Preisverfall bei normalen Playern: Komplettanlagen. Man verkauft also nicht nur das Abspielgerät, sondern Decoder, Verstärker (digital, keine Frage) und Boxen (säulenförmig) gleich mit. Auch das hat nahezu jeder große Hersteller auf der IFA im Angebot. Wer ein wenig weiter ist – Philips oder Panasonic zum Beispiel -, kombiniert eine solche Komplettanlage gleich mit anderen Neuheiten, etwa DVD-Recorder oder Drahtlos-Verbindung zum PC.

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Verbindung der AV-Anlage mit dem PC
Auch das ist irgendwie normal. Diverse Geräte bekommen einen Netzwerkanschluss eingepflanzt (Ethernet-Buchse), ersatzweise einen Kartenslot (PC-Card oder einen beziehungsweise mehrere Kartenleser, genauso gut einen USB-Anschluss für einen Card-Reader). Neben den optischen Medien (selbstgebrannte CDs oder DVDs) entstehen so weitere Möglichkeiten, Inhalte vom PC ins Wohnzimmer zu transportieren. Das betrifft vor allem Musik in diversen Formaten, Fotos und teilweise auch Videos. Da scheiden sich aber die Geister. Die wenigsten Hersteller setzen nämlich auf drahtgebundene Lösungen, sondern auf Funk. Der Standard 802.11b aber ist für Video noch nicht so recht geeignet (außer bei Sharp, wo man spezielle Protokolle für die Übertragung entwickelt hat). Daher setzte zum Beispiel Philips bei seinen Wireless-Produkten mit Videoübertragung auf den neuen Standard 802.11g, also die verbesserte Variante im 2,4 GHz-Bereich; andere Anbieter wollen dagegen 802.11a verwenden, also das 5-GHz-Band nutzen. Die erstere Lösung ist relativ kompatibel mit anderen W-LAN-Produkten, die a-Version dagegen hat das Frequenzband mit weniger Störungen. Was in der Praxis besser ist, weiß daher noch niemand.
Der Home Server bei Thomson baut auf Firewire und 5-GHz-Technik auf. Neuer Markenname der Franzosen für Vernetzung ist "Oz".


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Home Server, die Alleskönner
Die verschärfte Variante der PC-AV-Verbindung nennt sich Home Server. Das ist im Prinzip auch ein Computer, aber einer, der nicht so aussieht. Dort sollen alle Informationen ankommen und auf die einzelnen Räume beziehungsweise Geräte verteilt werden. Daher stecken ein oder mehrere Tuner drin, Router für die Internet-Anbindung, Kartenleser und optische Laufwerke sowie natürlich eine möglichst große Festplatte. Der Server reicht die Inhalte – egal ob TV oder Video, Musik oder Fotos, Internet oder E-mail, weiter an die einzelnen Terminals. Das kann der Fernseher im Wohnzimmer sein, die Stereoanlage, der Computer im Arbeitszimmer – und die Kinder dürfen nur sehen, was vorher für sie freigeschaltet wurde. Die Übermittlung passiert über Ethernet, teilweise auch per Funk. Solche Modelle – natürlich im Prototypenstadium – haben diverse Firmen, von Panasonic über Samsung bis Thomson. Die schärfste Variante steht bei LG: Dort steckt der Home Server im Kühlschrank; damit kann er, was allen anderen noch fehlt, nämlich Kaffee kochen. Die einzige bereits funktionierende Lösung beschränkt sich auf Musik: das Yamaha MusicCast-System.
LG Electronics steckt den Home Server oben in den Kühlschrank; der Rest der Hausgeräte und die AV-Anlage werden über Powerline gesteuert, also mit Steckdosen-Signalen.

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Flache Fernseher überall
Kein Hersteller kann es sich heute mehr leisten, auf flache Fernseher zu verzichten. Also werden die Stände mit Bildschirmen gepflastert, obwohl "mehr darüber geredet als verkauft" wird, so Thomson-Deutschland-Chef Struwe. Aber die Verkäufe werden kommen, und zwar möglicherweise schneller als manchem Anbieter lieb ist. Inzwischen ist die Größenpalette komplett. Schon anhand der Abmessungen lässt sich oft ein Fernseher einem bestimmten Panel-Lieferanten zuordnen. Denn wie schon bei Bildröhren gilt auch bei LCDs: Fernseher bauen kann jeder, Panels nur wenige. Die wenigen sind bei Breitbildschirmen (16:9, 15:9, 16:10; jenseits von 21 Zoll werden keine 4:3-Schirme mehr gebaut):
22 Zoll: Toshiba-Matsushita, Samsung
23 Zoll: LG.Philips, Sharp
26 Zoll: Samsung
27 Zoll: Chi Mei
29 Zoll: Sanyo
30 Zoll: Sharp, LG.Philips, Chi Mei, AU Optronics
32 Zoll: Samsung
37 Zoll: Sharp
40 Zoll: Samsung, Sanyo
Demnächst soll es noch größere Schirme geben, die als Prototypen nicht zum ersten Mal zu sehen waren: 42 Zoll von LG.Philips und 46 Zoll von Samsung (beide zum Jahresende), 52 und 54 Zoll von den gleichen Rivalen werden erst in der zweiten Jahreshälfte 2004 in Produktion gehen.
Interessant auch die kommenden Zwischengrößen: LG.Philips wird 26 Zoll bauen, ebenso in absehbarer Zeit 32 Zoll, bisher nur von Samsung zu haben. Beide Größen passen offensichtlich gut auf die neue Fabrik der fünften Generation, die von den Koreanern mittlerweile in Betrieb genommen wurde. Dazu kommt bei LG.Philips noch ein 37-Zöller.
Bei Plasma ist der Standard 42 und 50 Zoll, der Rest spielt keine große Rolle. 32 Zoll wird noch von Fujitsu-Hitachi hergestellt, 37 Zoll auch von dieser Firma und von Panasonic. Allgemein gehen aber die meisten Gerätehersteller davon aus, dass unter einem Meter (40 Zoll) LCD dominieren wird.
Angesichts der relativ einheitlichen Technik verwundert, wie wenig sich die Hersteller beim Design einfallen lassen. Da ist man schon froh, wenn Schneider den Schirmen einen lächelnden Mund spendiert; der einzig spektakuläre Einfall ist das schwebende Panel, das Sony nicht nur bei Plasma, sondern auch bei LCD auf den Markt bringt.
Changhong aus China ist ein großer Hersteller, der natürlich auch mit 30-Zoll-LCDs in Europa Fuß fassen will. Vorteil: Solche Fernseher sind leichter zu verschiffen als Röhrengeräte. Und sie sind in der Produktion weniger kompliziert.

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480p-Projektoren, die Einsteigerklasse
Eine ganze Reihe neuer 16:9-Projektoren kommt in diesem Herbst auf den Markt, die vieles gemeinsam haben. Zum Beispiel die Auflösung von 854 mal 480 Pixel und den Preis von rund 1.500 Euro. Dazu zählt zum Beispiel der Astaire von Philips, der Toshiba ET-1, der Epson TW-10, der Hitachi PJ-TX10, der Sony VPL-HS3 und der Panasonic PT-AE200. Bei der meistens verwendeten 130-Watt-Lampe ergeben sich Werte um 700 Ansi-Lumen oder etwas mehr, wenn geringerer Kontrast in Kauf genommen wird. Bei den Panels handelt es sich in den meisten Fällen um die neueste Epson-Generation in der vierten Stufe des "Dream"-Prozesses (siehe auch das Epson-Spezial); Ausnahme ist Sony, der einzige Hersteller solcher Bauteile neben Epson. Weil das Hochtemperatur-LCD nur noch 0,55 Zoll (1,4 cm) groß ist, lässt es sich besonders preisgünstig herstellen. Die ersten 480-er Panels, etwa im Panasonic PT-AE100, waren noch 0,7 Zoll groß. Angesichts der Konkurrenz darf bezweifelt werden, ob sich die Preise bei 1.500 Euro halten werden. Dann Sanyo Deutschland will den PLV-Z1 mit 540 Zeilen weiterhin anbieten, für rund 1.400 Euro.
Epson verpackt die 480-Zeilen-Panels in etwas anderer Form; der TW10 soll rund 1.400 Euro kosten – wie die Konkurrenz auch.

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DVB-T, das Fast-Überall-Fernsehen
In irgend einer Form bietet auch jeder Hersteller die Möglichkeit an, das digitale terrestrische Fernsehen zu empfangen. Schließlich kann man in Berlin schon seit Anfang August nichts anderes mehr sehen als das "Überall-Fernsehen" – wenn man nicht Kabel oder Satellit nutzt. Nach wie vor sind Set-top-Boxen das Standard-Angebot, nur einige wenige Hersteller haben die Tuner schon in Fernseher integriert oder bieten Nachrüstung an. Lobend erwähnt werden soll der LCD-Fernseher mit DVB-T-Empfänger von Sharp (in abgewandelter Form bei Loewe), auch das 32-Zoll-Röhrengerät von Panasonic mit analogem und digitalem Tuner ist eine sinnvolle Lösung. Nur der erste Videorecorder mit DVB-T blieb uns auf der IFA verwehrt; Panasonic brachte den bereits fertigen DVD-Recorder mit Digitalempfänger nicht mit nach Berlin. Bemerkenswert ist vor allem, dass die kleine Firma Technisat die Großen der Branche vorführt und in Berlin nahezu 50 Prozent Marktanteil erobert hat.


Nächste Folge: Dinge, die nicht jeder hat. (5. 9. 2003)

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