| DER NEWS-SERVICE von
Ulrich v. Löhneysen, Journalist
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Astra-Boss: In einem Jahr deutsche HDTV-Sender (22. 10. 2003) HDMI und i-Link: Pioneer macht alles digital (17. 10. 2003) DVD+R9 und die Folgen: DVD-R9 und keine +RW (5. 10. 2003) Hat Samsung das nötig? Sony will in die LCD-Produktion (30. 9. 2003) JVC macht Kino: D-ILA im Breitbildformat (28. 9. 2003) HDTV auf Premiere: erste Tests schon im Oktober? (21. 9. 2003) Halber Schritt: das Plus beim HD2-DLP (5. 9. 2003) IFA-Report, Teil 1: Was jeder hat (Spezial, 5. 9. 2003) Smarte Sache: der erste HDTV-Receiver (22. 8. 2003) Bild-Röhrchen: Fernseher zum Leinwand-Preis? (Spezial, 3. 8. 2003) Dreichip-DLP: jetzt im Breitformat (12. 7. 2003) HDTV-Camcorder: Neues Leben auf DV (8. 7. 2003) DVD-Recorder: Dual-Layer kommt doch noch (23. 6. 2003) HDTV-Forum: Immerhin, man redet (23. 6. 2003) Sony Qualia: der SXRD-Projektor und mehr (10. 6. 2003) Projektoren-Premieren: 1.080 Zeilen und 999 Dollar (9. 6. 2003) HDTV live: elf Jahre später ... (6. 6. 2003) Sonys Digital-Bolide: Was ist eigentlich drin? (28. 5. 2003) Fast macht's richtig: TV-Server komplett digital (28. 5. 2003) DVD-Brenner: Auch Pioneer auf Plusminus-Pfaden (20. 5. 2003) Stattlich: Ein großer Plasmaschirm oder vier kleinere (16. 5. 2003) PAL ist zu gut: Progressive Scan nur auf Bewährung (16. 5. 2003) Alles so schön bunt hier: LED macht LCD TV-tauglich (2. 5. 2003) Astra-Boss: In einem Jahr deutsche HDTV-Sender. Am Vorabend der Medientage in München bat Astra-Chef Ferdinand Kayser zu einem Hintergrundgespräch. Thema: Neue Märkte wie Sat-Mode und HDTV. Unter Sat-Mode muss man sich einen einfachen Rückkanal für Sat-Receiver vorstellen, per Uplink. Das andere Thema muss wohl nicht mehr erklärt werden. Kayser erklärte offiziell: "Ab Herbst 2004 werden wir das Thema HDTV kommerzialisieren." Dass damit nicht gemeint ist, dass dann Euro1080 Geld für die HD-Ausstrahlung bezahlen muss, machte er auf Nachfrage deutlich. Astra will vielmehr im nächsten Herbst eine HDTV-Offensive starten, denn bis dahin hätte man "auch deutsche Sender in HDTV", so Kayser. Private wie öffentlich-rechtliche Sender genau wie Premiere seien interessiert, doch welcher genau als erster Anbieter aus Deutschland damit auf Satellit gehen werde, ließ er offen. Wahrscheinlich ist es auch noch nicht entschieden. Aber Astra (oder richtiger SES-Global, die Betreibergesellschaft) will den Sendern, die als erste damit starten, ziemlich weit entgegen kommen. In Sachen Geschäftsmodell, dem Knackpunkt für praktisch alle Sender (siehe auch Meldung vom 21. 9.), scheint man auch eine Lösung gefunden zu haben. "Revenue Sharing" heißt das bei den Betreibern von DSL-Diensten über Satellit, also Beteiligung von Astra an den Einnahmen. Damit halten sich die Mehrkosten für die Sender in Grenzen, denn vorerst wird man vor allem das ausstrahlen, was sowieso in HDTV vorliegt, meistens also Sport und Filme. Im Jahr 2006, so Kayser weiter, sollten die Deutschen dann in kollektiven HD-Rausch verfallen und massenweise neue Fernseher, Plasmaschirme und Projektoren kaufen, damit sie die Fußball-WM hochauflösend verfolgen können. In Sache HD-Receiver hatten die Astra-Leute eine Überraschung im Gepäck: Einen Receiver der Marke QNS, von den begleitenden Technikern in Japan vermutet. Tatsächlich ist QNS aber die Abkürzung für Quanta Network Systems, eine Tochterfirma von Quanta Computer in Taiwan. Diese Firma ist bislang in Europa noch nicht in Erscheinung getreten, schon gar nicht mit einem HD-tauglichen Sat-Receiver. Aber er funktionierte. Auch bei Panasonic scheint das erste Gerät fertig zu sein und soll demnächst den Sendern vorgestellt werden. Originellerweise trägt die Version QTR-2140 sogar noch das QNS-Logo. Ein späteres Modell namens QTR-2150 soll dagegen ganz anders aussehen. Sogar ein HDTV-fähiger Fernseher ist dort in der Pipeline. Ein weiterer Kandidat für eine Set-top-Box ist Zinwell aus Taiwan; dieser Hersteller hat in Australien bereits einen Receiver für terrrestrischen HD-Empfang auf dem Markt.
HDMI und i-Link: Pioneer macht alles digital. Seit es DVD-Spieler mit DVI-Ausgang gibt (siehe Meldung vom 24. 3. 2003), könnte man eigentlich zufrieden sein: Bild und Ton werden ohne analoge Wandlung von der Scheibe zu Bildschirm oder Verstärker geleitet. Doch DVI ist gar nicht die Lösung, die Zukunft gehört der HDMI-Buchse. Über die sollen, wie bei einer digitalen Scart-Verbindung, Bild und Ton samt Steuersignalen von der Quelle zur Weiterverarbeitung gelangen (siehe HDMI-Spezial). Und die Tonschnittstellen an bisherigen Playern hatten das Problem, nicht für DVD-Audio und SACD geeignet zu sein; dafür braucht man i-Link (siehe Meldung vom 5. 8. 2002). Jetzt endlich, mehr als sechs Jahre nach den ersten Geräten, hat ein DVD-Player Digitalschnittstellen für alle Signale. Der Pioneer DV-868AVi wird im November der erste Player auf dem deutschen Markt sein, der einen HDMI-Ausgang hat. Aktuell dürfte HDMI auch für CD-Ton und für DVD-Audio verwendet werden, doch das ist bei Pioneer nicht vorgesehen; die Firma setzt ganz auf Firewire, weil das eine bidirektionale Verbindung ist, die ein besseres Zusammenspiel zwischen den beteiligten Geräten ermöglicht. SACD über HDMI ist noch in Arbeit, doch da sowohl Sony als auch Philips zu den Systemführern auf beiden Seiten gehören, wird das nicht allzu lange mehr dauern. Noch eine Besonderheit am großen Pioneer: Er kann auch analoge Signale auf 720p oder 1080i hochrechnen (bei DVI und HDMI ist das Standard). Bisher waren diese Auflösungen vom DVD-Forum nicht zugelassen. Die ersten HDMI-Schirme kommen übrigens auch von Pioneer, Plasma-Fernseher mit 43 und 50 Zoll Diagonale. Per Adapter lassen sich die Player auch mit DVI-Eingängen verbinden, sofern diese HDCP-tauglich sind. Eine Übersicht über geplante Geräte mit HDMI findet sich bei www.hdmi.org.
DVD+R9 und die Folgen: DVD-R9 und keine +RW. Philips hat nun offiziell bekannt gegeben, was Leser dieser kleinen Seiten schon wussten: dass die Firma nämlich an einer Dual-Layer-Version der beschreibbaren DVD arbeitet (siehe Meldung vom 23. 6. 2003). Auch bei Pioneer muss man das schon gewusst haben, jedenfalls kam im Abstand von nicht einmal einem Tag aus Japan die Meldung, dass die Firma dem DVD-Forum eine Dual-Layer-DVD-R vorschlagen will. Technisch ist das nicht verwunderlich, denn beide Disc-Formate arbeiten mit den gleichen Materialien. Sowohl Philips als auch Pioneer versichern, dass die Scheiben mit einer Kapazität von rund 8,5 GB (daher auch DVD+R9) in den Reflexionseigenschaften (17 bis 19 Prozent) normalen Dual-Layer-Discs entsprechen und daher auf heutigen Laufwerken oder Playern abspielbar sein werden. Im Laufe des Jahres 2004 soll es Rohlinge und Produkte dafür geben. Mindestens so interessant sind freilich die Fragen, die beide Firmen nicht beantworten. Bedeutet die Ankündigung einer Dual-Layer-Technologie für die einmal beschreibbaren Scheiben, dass es bei RW nicht funktioniert? Fast möchte man es meinen, denn wenn es bald möglich wäre, hätte man auf die löschbaren Discs gewartet. Und warum kommt Pioneer direkt nach Philips damit? Das kann nur heißen, dass man die Entwicklung bereits fertig hatte, aber nicht der erste Hersteller sein wollte. Wenn das DVD+RW-Lager vorprescht, kann das DVD-Forum nichts dagegen einwenden auch wenn sich damit perfekte Kopien heutiger DVDs machen lassen. Die ersten DVD+R9-Brenner werden höchstwahrscheinlich in PC-Laufwerken zu finden sein; dort spielt die RW-Funktion keine so große Rolle. Bei DVD-Recordern ist es schwieriger. Da wäre die Dual-Layer-Disc zwar ideal, weil sich damit auch durch Werbepausen verlängerte Spielfilme in brauchbarer Qualität aufzeichnen lassen. Sinnvoll erscheint der Einsatz der R9 eigentlich nur in Geräten, die ihre Aufnahmen auf Harddisc zwischenspeichern. Einen solchen Videorecorder zeigte Thomson im August 2001. Im Frühjahr 2004 endlich in Serie?
Hat Samsung das nötig? Sony will in die LCD-Produktion. Seit die Ergebnisse des 1. Quartals 2003 so schlecht ausgefallen waren, wurde bei Sony die bisherige Display-Strategie über den Haufen geworfen. Man prüfe, hieß es damals, den Einstieg in die LCD-Fertigung. Vorher hatte man nur OLED und eventuell auch FED als Nachfolge-Technologien für die Bildröhre angesehen (siehe mein Spezial zum Thema Sony und die Bildschirme). Letzte Woche hat Sony erstmals zugegeben, dass man mit LCD-Herstellern über eine Beteiligung spricht. Die japanische Tageszeitung Nihon Keizai Shimbun will sogar wissen, dass ein Einsteig bei Samsungs LCD-Bereich bevorstehe beziehungsweise die Gründung eines Joint Ventures. Aus Sony-Sicht würde das durchaus Sinn ergeben. Denn man will sofort eine sichere Belieferung mit großen Stückzahlen und nicht erst in ein paar Jahren, wenn vielleicht doch Alternativ-Technologien funktionieren. Also scheiden die Hersteller in Taiwan weitgehend aus, denn dort laufen die Fabriken für die preisgünstige Herstellung großer LCDs erst langsam an; den Herstellern dort fehlt das Know-how dafür, das Sony aber auch nicht mitbringt. Der bisherige Hoflieferant LG.Philips-LCD hat gleich zwei Konzernmütter, die mit Sony in Konkurrenz stehen. Und Sharp in Japan erst recht. Was bleibt also außer Samsung? Bereits bei Plasmaschirmen hat sich Sony bei einem Hersteller eingekauft: mit rund 45 Millionen US-Dollar bei NEC. Aus Samsung-Sicht ist die Sache weniger eindeutig. Wer schon an der Spitze ist (bei der Herstellung) und auch beim Geräte-Verkauf dorthin will, sollte die Vorteile der eigenen Produktion vor allem für sich nutzen. Allerdings kämpft Samsung hier einen Mehrfronten-Kampf. Auf der einen Seite steht der koreanische Konkurrent LG.Philips, der mit massiven Investitionen die Nummer eins erobert hat (auch wenn Samsung im vierten Quartal wahrscheinlich wieder ganz oben rangiert); zum neuen Selbstverständnis von Samsung passt es nicht, hier die Nummer zwei zu sein. Auf der anderen Seite gilt es die Konkurrenz aus Taiwan klein zu halten, wo mindestens fünf Fabriken für Groß-LCDs entstehen oder schon laufen. Da nimmt man auch Überproduktion in Kauf, um den Neueinsteigern wie Hon Hai, Quanta und Hannstar die Lust am Geschäft zu verderben. Bis 2010 will Samsung daher rund 17 Milliarden Dollar in LCDs investieren. Da kommt ein Partner gerade recht, der Absatz und Finanzierung sicher stellen kann. Man hat Sony vielleicht nicht nötig, aber es beruhigt doch, wenn man so viel Geld in die Hand nehmen muss. Anders als LG ist es aber bei Samsung nicht dringend, weshalb, so ein Insider, "es für Sony nicht so billig werden wird wie damals für Philips". Und die Konkurrenz? Kommen Sony und Samsung zusammen, hat vor allem Panasonic erstmal schlechte Karten der Sony-Erzrivale hatte sich nämlich Samsung als Lieferanten ausgesucht, denn die eigene Fertigung im Toshiba-Matsushita-Verbund reicht nur bis 22 Zoll Größe. Die Hersteller aus Taiwan ihrerseits haben damit eine Chance verpasst, sich eine erste Adresse in der Branche zu sichern. Für sie bleiben mehr denn je die Billigmarken von Medion über Sampo bis Dell. Was nicht heißen muss, dass hier nicht ordentlich Marktanteile zu gewinnen wären.
HDTV auf Premiere: Erste Tests schon im Oktober? Man hört es mit gewissen Staunen: "Wir bekennen uns zu allem, was Fernsehen schöner macht", sagt Kathrin Gogl, Sprecherin des Pay-Senders Premiere, "und dazu gehört gewiss auch HDTV." Es ist also etwas in Bewegung gekommen in München. Für nächstes Jahr stehe das Thema auf der Agenda, da müsse man prüfen, ob sich daraus etwas machen lasse sprich: Ob es ein Geschäftsmodell gibt, das für genügend Geld in der Kasse sorgt. Premiere-Chef Georg Kofler hat sich schon immer offen für Innovationen gezeigt, wenn sie PR bringen und nicht mit Risiken verbunden sind, etwa zu seiner Zeit als Chef bei Pro7; da führte er Dolby Digital ein, als erster Sender in Europa überhaupt. Doch bevor man ans Rechnen geht, soll offensichtlich erst einmal die Technik ausprobiert werden. Schon im Oktober könnte es erste HDTV-Tests geben, wahrscheinlich bei einem Heimspiel des FC Bayern München im Olympiastadion. Die Firma Plazamedia, auch ein inzwischen florierendes Unternehmen aus den Resten der Kirch-Gruppe, ist nämlich bereits mit HD-Produktionsequipment ausgestattet. Mithelfen könnte zudem die Filmfirma Bavaria, denn auch in deren Interesse wäre es, wenn sich HDTV durchsetzt; das lastet vorhandene Geräte besser aus und schafft neue Nachfrage. Auf dem Gelände des Studios gibt es am 8. Oktober das "Open House", bei dem es ebenfalls um HDTV geht. Beobachter sprechen deshalb bereits von einer Art bayerischer HDTV-Initiative.
Halber Schritt: das Plus beim HD2-DLP. Für George Bush ist es bekanntlich sehr wichtig, dass man sich auf sein Wort 100-prozentig verlassen kann. Bei anderen Texanern gilt das auch: Texas Instruments hält, was die Firma versprochen hat. Allen Gerüchten zum Trotz kommt nun der so genannte Dimple Fix bei den DLP-Chips, also die Verbesserung von Kontrast und Helligkeit durch Schließen des Lochs über dem Spiegelfuß (siehe Meldung vom 14. 4. 2003). Drei Geräte sind bereits angekündigt, die davon unterschiedlichen Gebrauch machen: Der Sharp XV-Z12000 wird mit 5.000:1 Kontrast angegeben, was zahlengläubige Leute nervös machen wird. Der Marantz VP-12S3 kommt mit verbesserter Lampe und automatischer Kalibrierung per Vorsatzoptik. Der Infocus Screenplay 7205 verwendet erstmalig ein Siebensegment-Farbrad, das zusätzlich zu jeweils zwei Rot-, Grün- und Blau-Teilen noch ein Dunkelgrün-Filter besitzt. Wie schon bei vorherigen Verbesserungen, etwa der Umstellung auf zwölf Grad Kippwinkel beim Schritt von HD1 auf HD2 bleibt es also den Geräteherstellern überlassen, wie sie den Fortschritt nutzen. Mehr Licht, höherer Kontrast und bessere Farben oder ein Mix aus alledem. Der Quantensprung wird es aber nicht sein, wie schon der Name des Chips aussagt: HD2+ wird er offiziell genannt, gelegentlich auch HD2,5. Lieferbar werden die Geräte, sagen die Texaner, ab Januar sein. Größere Schritte wird man dann in der ersten Jahreshälfte 2004 machen. Dann kommen: Der 480p-Chip, mit dem endlich kleinere DLPs im Breitbild möglich werden; vorgesehen für 999-Dollar-Projektoren und für Rückprojektoren. Der HD3, dessen wichtigste Eigenschaft die kleineren Abmessungen sind (0,55 Zoll); das macht die Herstellung preiswerter. Der XHD, von dem man nur weiß, dass die Buchstaben für Extended High Definition stehen was das wohl für eine Auflösung sein wird?
Smarte Sache: der erste HDTV-Receiver. Manchmal passieren die Dinge schnell und unerwartet. Da fragt man sich, ob und wann irgendeine Firma sich aufraffen kann und Receiver für HDTV herstellen wird. Schließlich will Euro1080 (siehe Meldungen vom 27. 1. und 6. 6. 2003) am 1. Januar 2004 mit dem Regelbetrieb starten. Und dann flattert die E-mail ins Postfach: Smart bringt den Imperator einen HDTV-Empfänger. Und zwar einen, der es faustdick hinter der Frontblende hat. Denn er empfängt das hochauflösende Fernsehen nicht nur, er speichert es auch auf der Festplatte. Ganz wie ich es mir schon vor einiger Zeit gewünscht hatte (siehe Premiere-Szenario vom 13. 5. 2001). Dann steckt noch ein zweiter Tuner drin, einer für DVB-T. Damit ist man auf der sicheren Seite, wenn denn eines Tages die PAL-Übertragungen ganz abgeschaltet werden, wie Anfang des Monats in Berlin. Um das Bild auf einen Projektor oder ein anderes Großbild zu bringen, steht eine VGA-Buchse bereit. Und ein "digitaler Videoausgang", wobei es sich nur um DVI handeln kann. Das ist ja alles noch viel schöner als erhofft. Ein digitaler Audioausgang ist natürlich auch dabei, da könnte man am Sonntag sogar das Spiel Bayern gegen HSV life in 5.1-Ton hören (24. 8., 16.30 Uhr, unverschlüsselt und in Dolby Digital auf Premiere). Die erste Präsentation des Imperators findet auf der Funkausstellung statt, am Stand des Smart-Herstellers Wela Electronic in Halle 2.1. Da muss er freilich unbeschäftigt bleiben, denn Panasonic wird dort doch keine HDTV-Übertragungen organisieren (der gute Mann hat IFA und IBC verwechselt).
Bild-Röhrchen: Fernseher zum Leinwand-Preis? Wenn zurzeit von Flachbildschirmen die Rede ist, dann sind LCDs gemeint oder Plasma. Da wird man hellhörig, wenn man von Samsung hört, Field Emission Displays (FEDs) seien gar nicht mehr so weit entfernt. Und wenn Motorola verkündet, mit seiner FED-Technologie 60-Zoll-Bildschirme für 1.000 Dollar fertigen zu können. So viel kostet heute schon eine gute Leinwand, Projektor nicht mitgerechnet. Was FEDs sind, welche Firmen daran arbeiten, und warum sie jetzt plötzlich wieder aktuell sind, steht in meinen Spezial zum Thema FED. (3. 8. 2003) Dreichip-DLP: jetzt im Breitformat. Barco aus Belgien stellt als erster Hersteller DLP-Projektoren mit drei HD2-Chips vor, die Modelle CineVersum 110 und 120. Zweiter Anbieter wird Digital Projection mit dem Typ Mercury HD sein. Nach den Vorstellungen von DLP-Produzent Texas Instruments soll das die neue High-end-Kategorie werden, aus verschiedenen Gründen. Erstens: Es entfällt der Regenbogen-Effekt, das Farbblitzen, das bei Einchip-Projektoren wegen der zeitversetzen Farbauszüge nie ganz zu vermeiden ist. Zweitens haben die Chips dreimal soviel Zeit für die Darstellung von Helligkeitsstufen, was für die feinere Abstufung bei dunklen Tönen sehr wichtig ist. Deswegen sind im Digitalkino ausschließlich Dreichip-Geräte möglich. Drittens kann DLP dann im Helligkeitswettbewerb dann wieder mit LCD mithalten oder sehr guten Kontrast liefern, ohne gleich auf Röhrenniveau zu leuchten. Und viertens: Die Einchip-Projektoren mit dem HD2-Chip (1.280 mal 720 Pixel) werden immer günstiger, da muss ein neues Angebot ganz oben her. Mit wenigen Ausnahmen bewegen sich die Preise bei den Einchip-Projektoren mit dem 720-Zeilen-Chip in Richtung 8.000 Euro. Wenn im Herbst noch der Optoma H76 und der Samsung SP-H700 (optimiert von Joe Kane) kommen, wird der Druck noch zunehmen. 6.000 Euro für einen HD2-Projektor sind mittelfristig realistisch und 2.500 Euro für einen LCD-Projektor mit gleicher Zeilenzahl, etwa den Sanyo PLV-Z2. Für die Barcos wird man mit Einstiegspreisen in Richtung von 20.000 Euro rechnen müssen, zumindest für das Modell Cineversum 120, das nur zusammen mit dem "Master"-Videoprozessor funktioniert; Digital Projection wird ähnlich viel Geld verlangen, also nur etwas unterhalb des Panasonic PT-D7500, dem günstigsten 4:3-Dreichipper. Das Modell 110 von Barco wird wohl die Videoelektronik an Bord haben und damit etwas günstiger. Man darf annehmen, dass sie eine nominelle Lichtleistung von rund 2.000 Ansi-Lumen liefern, also etwa das Doppelte des vergleichbaren Einchip-Geräts. Spezifikationen sind noch nicht veröffentlicht. Ebenfalls neugestaltet ist das Modell Cineversum 80 (siehe 15. 4. 2002), das mit HD2-Chip höheren Kontrast und mit Wechseloptik mehr Flexibilität bietet. Dazu kommt eine einfacherer Projektor namens Cineversum 70, wahrscheinlich ein 80er ohne Zwang zum Master-Prozessor. Und ein Cineversum 60, ein weiterer Matterhorn-Beamer (siehe Meldung vom 24. 3. 2003), also mit 1.024 mal 576 Pixeln (nach den weitgehend baugleichen Toshiba MT-500, Infocus 5700 und Mitsubishi LVP-D1208, wozu noch der Runco CL-510LT und der Vidikron Vision 20ET kommen). Mittelfristig wird auch Dreichip-DLP nicht auf so exklusivem Preisniveau bleiben; Texas Instruments arbeitet mit Delta aus Taiwan an einer günstigeren Realisierung dieses Konstruktionsprinzips. Ob die High-end-Strategie von TI und den Projektor-Herstellern fürs Erste aufgeht, steht auf einem anderen Blatt. Denn mit dem Qualia-Projektor platziert Sony einen harten Konkurrenten in dieser Preisklasse, der immerhin volle HDTV-Auflösung hat (siehe auch Meldungen vom 9. und 10. 6. 2003). Pixelzähler werden sich natürlich davon stark beeindrucken lassen. Ob 1.920 Bildpunkte aber wirklich ein besseres Bild machen, steht auf einem anderen Blatt.
HDTV-Camcorder: Neues Leben auf DV. Während die Branche darüber diskutiert, ob die Camcorder zukünftig mit DVDs, mit Festplatten oder gar mit Speicherkarten arbeiten werden, bekommt die betagte DV-Kassette spektakuläre Aussichten. Vier Firmen, nämlich JVC, Sharp, Canon und Sony, haben gemeinsam eine Norm für HDTV-Camcorder festgelegt. Vorreiter war JVC mit dem Camcorder GR-HD1 (siehe Meldung vom 1. 10. 2002). Der HDV-Standard, so der vorläufige Name, geht allerdings über das hinaus, was JVC in diesem Modell realisiert hat. Neben der 720p-Norm ist auch die Aufzeichnung mit 1.080 Zeilen möglich, allerdings im Halbbildverfahren (1080i). Vorgesehen sind im Einzelnen:
Verwendet wird MPEG-2 im MP@H-14-Verfahren, also Main Profile im zweithöchsten Level, nämlich dem bis 1.440 Pixel pro Zeile. Wie bei Standard-Auflösung auf DV wird im Komponentenformat 4:2:0 komprimiert, also mit reduzierter Farbbandbreite. Da für 50 und 60 Hertz bei 720p die gleiche Datenrate geplant ist wie für 25 und 30 Hertz, ist anzunehmen, dass hier wie beim JVC-Camcorder nur mit einer Bildverdoppelung oder bestenfalls Interpolation ausgabeseitig gearbeitet werden soll; für schnellere Bewegungen ist dann auf jeden Fall das jeweilige 1080i-Format besser. Erfreulich auf jeden Fall, dass man von Anfang an auch an die 50-Hertz-Länder gedacht hat. Der Ton in Stereo funktioniert gemäß Layer-2 von MPEG-Audio bei 384 kbit/s. Wer nicht dabei ist: Von den großen Camcorder-Herstellern fehlen in der HDV-Gruppe Panasonic, Hitachi und Samsung. Man darf vermuten, dass die ersten beiden Firmen gemeinsam an Geräten auf Blu-ray-Basis arbeiten, vielleicht sind auch die Koreaner mit im Boot. Darüber hinaus will Panasonic demnächst einen Profi-Camcorder zeigen, der auf vier SD-Karten von jeweils 16 Gigabyte, also 64 GB, HDTV aufzeichnet.
DVD-Recorder: Dual-Layer kommt doch noch. Vor mehr als zwei Jahren war Villingen eine Reise wert. Damals zeigte Thomson, woran in seinem dortigen Labor auf dem ehemaligen Saba-Gelände, gearbeitet wird. Die interessantesten Exponate waren ein Blu-ray-Disc-Prototyp, der damals noch DVR-blue hieß, und ein Dual-Layer-DVD-Recorder im +RW-Verfahren. Beide Prototypen hatten insofern etwas miteinander zu tun, als die Thomson-Entwickler ihre Dual-Layer-Technologie auch im Blu-ray-Standard unterbringen wollten wenn nicht Panasonic kurzfristig in diesen Zug eingestiegen und seine eigene Dual-Layer-Technologie mitgebracht hätte (siehe Meldungen vom 19. 2. 2002 und vom 11. 3. 2001). Auf der Funkausstellung 2001 zeigte Thomson dann einen DVD-Recorder, der angeblich mit dem Dual-Layer-Brenner arbeitete und nebenbei auch noch eine Harddisc an Bord hatte. Das Gerät kam aber nie auf den Markt. Und Philips als +RW-Besitzer winkte ab. Doch nun scheint sich die Vernunft durchzusetzen. Denn ein DVD-Recorder, der auf zwei Schichten aufnehmen kann, ist extrem vernünftig. Man braucht nämlich ordentlich Datenrate, damit einigermaßen gute Bilder heraus kommen; speziell bei nicht so perfektem Ausgangsmaterial leistet der MPEG-Encoder Schwerstarbeit. Aber mehr als zwei Stunden sind dann nicht drin, denn DVD-Rohlinge bieten nicht mehr als 4,7 Gigabyte, wie man sie nicht dreht oder wendet (und wer will das schon). Ein Dual-Layer-Rohling dagegen kann bis zu 8,5 GB bereit stellen, etwa so viel, wie eine doppelschichtige DVD-ROM. Man kann also endlich auch einen Pro7-Spielfilm in guter Qualität aufnehmen, der samt Werbepausen fast drei Stunden dauert, und danach die Spots als zu überspringende Stellen markieren. Das Problem bei Dual-Layer+RW ist vor allem die Kompatibilität. Philips will unbedingt, dass alle Discs mit dem Pluszeichen auf möglichst allen aktuellen Playern laufen. Das ist keine große Schwierigkeit bei DVD+R, denn hier lassen sich die organischen Materialien den zwei unterschiedlichen Reflexionsgraden anpassen (bei Dual-Layer-Scheiben ist die eine Schicht halbtransparent und reflektiert nur einen geringen Teil des Lichts, die andere Schicht reflektiert fast alles). Die DVD+RW dagegen arbeitet mit Phase-Change-Material, das ähnlich stark reflektiert wie die halbtransparente Schicht einer DVD-ROM/DVD-Video. Es ist vorläufig noch das Geheimnis der Villinger Forscher, wie sie damit zwei unterschiedliche Reflexionseigenschaften hinbekommen wollen. Aber es soll funktionieren, in etwa so gut wie bei der Einschicht+RW. Auf der nächsten Funkausstellung wollen Philips und Thomson den neuen Standard vorstellen.
HDTV-Forum: Immerhin, man redet. Nach langem Schweigen ist es schon ein Fortschritt, dass in Deutschland mal wieder über HDTV gesprochen wird. So wie beim Medienforum NRW und der angegliederten Mediavision Cologne (Kölner Messe, 23. bis 25. 6. 2003). Und gelegentlich hört man auch interessante Stellungnahmen, so etwa von Albrecht Ziemer, Produktionsdirektor und Technikchef des ZDF: Es bestünde "Handlungsbedarf bei den Programmveranstaltern" in Sachen hochauflösendes Fernsehen, konstatierte er. Noch vor einigen Monaten vertrat er die Ansicht, HDTV passe nicht in die Landschaft. Eine Chance sieht er allerdings frühestens zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Da die englischen Sender vehement auf 16:9-Material drängten, sollte man bei dieser Gelegenheit gleich in hoher Auflösung produzieren; technisch sei das ZDF dafür gerüstet. Dass man nicht so lange warten muss, versprach ein Panasonic-Vertreter bei der gleichen Gelegenheit: Die Firma werde auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) Ende August auf ihrem Messestand HDTV live über Satellit zeigen, aufgenommen mit Broadcast-Equipment aus dem eigenen Hause und empfangen mit einer neuen Set-top-Box, die HD-fähig ist. Sony Qualia: der SXRD-Projektor und mehr. Schon wieder, wie bei der Blu-ray-Disc legt es Sony drauf an, mich Lügen zu strafen. In Japan wurde heute eine neue Produktserie mit dem Namen Qualia vorgestellt; die entsprechende Webseite heißt www.sony.co.jp/qualia. Dazu gehört auch der Projektor, über den seit der Vorstellung der SXRD-Technologie, der Sony-Variante des LCoS-Prinzips, viel spekuliert wurde. Dieses Gerät soll in Japan schon am 1. August zu kaufen sein, also noch vor dem Sanyo PLV-HD10 (siehe Meldung von gestern); damit wäre er das erste Modell mit voller HDTV-Auflösung bei einem digitalen Projektor (wenn man Röhren als analog einstufen will). Der Qualia Q004-R1 soll rund 3.000:1 Kontrast bieten, dank erstmaliger Verwendung einer Xenon-Lampe ein videogerechtes Farbspektrum aufweisen und 40 Kilogramm wiegen. Mit 2.400.000 Yen, etwas weniger als 18.000 Euro, liegt er im Rahmen der Erwartungen. Zur Qualia-Reihe gehören außerdem eine SACD-Boxen-Kombi, ein Röhrenfernseher und eine Digital-Fotokamera. Sony Deutschland quält sich noch ein wenig mit dem Namen und den Produkten es wird in Köln noch über die Einführung diskutiert. Bemerkenswert ist freilich zweierlei: Sony hat zurückgefunden zur Produktqualität; ein Sony-Gerät muss technisch, nicht nur vom Design her etwas Besonderes bieten. Und: Die Strategie, sich über außergewöhnliche Produkte ("Wow!") zu profilieren, hatte zuletzt nur Samsung konsequent verfolgt und umgesetzt.
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