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Ulrich v. Löhneysen, Journalist

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Videocodierung von Atvisican (9. 3. 2004)

Linien statt Pixel: PAL-Qualität über die Telefonleitung

Uwe Prochnow: Der Vorstandvorsitzende der Atvisican Aktiengesellschaft demonstriert, wie seine Videocodierung funktioniert. Unten links auf dem Blatt der Kopf mit dem abgeschnittenen Haar (siehe Text).
Eine neuartige Form der Videocodierung hat die Essener Firma Atvisican entwickelt. Die Entwicklung von Firmenchef Uwe Prochnow löst die Pixelstruktur des Bildes auf und berechnet statt dessen Linien und Kurven, statt vieler Bilder pro Sekunde nur Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit. Damit lässt sich ein TV-Bild so weit komprimieren, dass es über eine normale ISDN-Telefonleitung von 64 kbit/s geschickt werden kann – ohne Ton allerdings. Das, was auf der anderen Seite ankommt, ist freilich nur eine Annäherung ans Original-Bild, wenn auch eine erstaunlich scharfe; schließlich sind Kurven immer scharf. Aber der Hintergrund kann dann schon mal durch einen simplen Farbverlauf ersetzt werden. Dem Vordergrund, den der Codec an seinen scharfen Konturen erkennt, widmet das System dagegen die ganze Aufmerksamkeit, zumindest den größeren Strukturen. Ein einzelnes Haar dagegen, dessen Berechnung möglicherweise genauso viel Leistung erfordert wie der gesamte Umriss eines Kopfes, wird abgeschnitten, wenn nur wenig Datenrate zur Verfügung steht.

Die Codierung taugt aber nicht nur für möglichst niedrige Datenraten, sondern auch für beste Bildqualität. Damit kann man Bilder perfekt skalieren und sogar Bildwiederholraten anpassen. Diesem Zweck dient sie im Allcanview ACV-1SE, einer Art Home Server der Luxusklasse. Uwe Prochnow tritt mit diesem Gerät gern den Beweis an, dass hier keine Pixel verrechnet werden: Mit einem Lupenwerkzeug lässt sich jedes Detail in einem Bild vergrößern – und es kommen keine Bildpunkte zum Vorschein, egal wie hoch man den Faktor wählt. Ob die Technik wirklich bei Hochskalierung zum Beispiel einer DVD auf einem 720-Zeilen-Display eine dramatische Verbesserung bringt, müsste man noch im Detail untersuchen. Höchste Weihen hat der Atvisican-Codec jedenfalls schon erhalten: Der MDR in Leipzig will sein komplettes Archiv, inklusive von HDTV-Aufnahmen, auf diese Weise digitalisieren.

Allcanview ACV-1SE: Der Luxus-Homeserver kann sogar HDTV empfangen und auf Festplatte abspeichern. Mit rund 9.000 Euro je nach Ausstattung ist er aber auch nicht gerade billig.
Jetzt fehlt noch ein passender Audio-Codec – mit zwölf Kbit/s für Stereo zum Beispiel..

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