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Ulrich v. Löhneysen, Journalist
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Welche Lösungen es gibt Woher beide Systeme kommen
Die Blu-ray-Disc entstand aus dem Projekt DVR-blue, das Sony und Philips in den 90-er Jahren gegründet hatten. Damals ging man noch davon aus, dass DVD-Recorder nur mit blauem Laser machbar seien. Damit kann man aufgrund der kürzeren Wellenlänge (405 Nanometer statt 635 nm) wesentlich feinere Informationsspuren anlegen. Philips stiegt zwischenzeitlich aus, um DVD+RW zu machen, dann kamen in dieser Reihenfolge Pioneer, Thomson, Panasonic, Hitachi und die Koreaner dazu. Knackpunkt der Blu-ray-Entwicklung war von Anfang an die Abtasttiefe von 0,1 Millimeter. Denn wenn man die Informationsschicht näher an die Oberfläche heranbringt, kann man den Laserstrahl stärker fokussieren und damit die Informationen enger packen. Das erhöht die Speicherkapazität wesentlich. Bei der CD muss der Laser durch 1,2 mm hindurch, bei der DVD immerhin noch durch 0,6 mm. Je näher man aber der Oberfläche kommt, umso empfindlicher reagiert die Scheibe auf Kratzer und Schmutz. Also sah Sony, wie vorher schon Panasonic bei der DVD-RAM, eine Schutzhülle vor, die sich erst im Recorder öffnet. Auch Toshiba hatte eine solche Scheibe entwickelt, die aufgrund einer speziellen Schreib- und Lesestrategie (PRML) sogar noch mehr Speicherplatz hatte als der Sony-Vorschlag. Bis zu 30 GB hätte man wohl erreichen können, während die Blu-ray Disc später mit 23, 25 und 27 GB pro Layer spezifiziert wurde je nach Art der verwendeten Disc. Die Geburtstunde der HD-DVD schlug im DVD-Forum. Dort waren es vor allem die Filmstudios, aber auch Firmen aus der PC-Branche, die das Blu-ray-Konzept ablehnten. Den Studios waren die Discs aufgrund der Hülle zu teuer; außerdem ist sie so groß, dass platzsparende Slim-Laufwerke für Notebooks kaum noch möglich gewesen wären. Also verzichtete Toshiba auf die 0,1 mm Abtasttiefe und probierte, was mit 0,6 mm wie bei der DVD machbar wäre. Man kam auf 20 GB für eine Schicht, also gar nicht so weit weg von Blu-ray. Nur bei den vorbespielten Versionen schränkte man sich noch etwas weiter ein: Hier sind 15 GB das Maximum, was aber nur daran liegt, dass eine höhere Dichte nicht mehr mit dem für DVD etablierten Mastering-Prozess möglich ist. Mittels Dual-Layer kommt man aber auch hier auf 30 GB, was eigentlich für jeden HDTV-Spielfilm plus Extras ausreichen sollte. Mit Toshiba und Warner standen dann vor allem jene Firmen hinter dem HD-DVD-Konzept, die schon die DVD entscheidend geprägt hatten gegen den Widerstand von Sony und Philips, die damals auch bei der DVD an den 1,2 mm Abtasttiefe der CD festhalten wollten. Was sie gemeinsam haben Gemeinsam ist Blu-ray Disc und HD-DVD die Scheibengröße: Wie schon die CD ist sie 1,2 mm dick und 12 cm groß. Alles andere hätte auch gravierende Probleme gegeben. Schließlich müssen die Geräte auch alle anderen Discs abspielen können. Identisch auch der verwendete Laser, der genau genommen nicht blau, sondern blau-violett ist die Wellenlänge ist mit 405 nm nochmal etwas kürzer als reines Blau. Von beiden Systemen existieren diverse Versionen, von ROM- über einmal beschreibbarer R- bis löschbarer RW-Variante; gleiches gilt für die Option, zwei Layer pro Seite unterzubringen. Der entschiedender Punkt, warum Toshiba glaubte auf Disc-Kapazität verzichten zu können, heißt AVC. Diese Advanced Video Codec, auch bekannt als MPEG-4 Part 10 oder H.264, bündelt die aktuellen Erkenntnisse in Sachen Videocodierung und ist damit deutlich effektiver als MPEG-2, wie es für HDTV-Übertragungen in USA, Japan oder Korea verwendet wird. Damit, genau wie mit Windows Media Video, das in der neuesten Version als VC-1 bezeichnet wird, kann man mit Datenraten von acht bis zwölf Megabit pro Sekunde (Mbit/s) arbeiten; MPEG-2 kommt meistens mit 18 Mbit/s zum TV-Einsatz. Alle drei Codecs müssen von den HD-DVD-Playern wiedergegeben werden. Bei der Aufnahme dagegen kann der Hersteller eine Auswahl treffen. Toshiba zum Beispiel wird nur H.264 benutzen. Auf der anderen Seite waren die Blu-ray-Verfechter anfangs der Meinung, dass man neue Codecs überflüssig seien, weil man ja genug Platz hätte. Die Filmstudios, mit denen man das Format besprach, sahen das aber anders und bestanden auf der gleichen Auswahl an Codierungen wie bei HD-DVD. Audio-seitig stimmen beide Seiten überein, dass sowohl Dolby Digital wie auch DTS für die Player verpflichtend sind; es reicht also anders als bei DVD eine reine DTS-Spur. Gemeinsam ist den streitenden Parteien auch das AACS-System, das die Zugriffsrechte und den Kopierschutz regelt; immerhin entsteht das Advanced Access Content System in Gemeinschaftarbeit, unter anderem von Toshiba und Sony, aber auch IT- und Film-Firmen. Mit einen 128-Bit-Schlüssel soll der Kopierschutz kaum zu knacken sein, und wenn doch, ist AACS vorbereitet: Jeder einzelne Code eines Gerätetyps lässt sich widerrufen, so dass neuere Filme auf einmal gehackten Geräten nicht mehr laufen. Das mag ein Aufreger für manche Bedenkenträger sein, Tatsache ist aber, dass es das auch schon bei Microsofts DRM gibt und in fast drei Jahren kein einziges Mal benutzt werden musste. zurück zur Startseite (Neues) |