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Hintergrund
Cinemaxx ohne THX: "Wir fühlen uns missbraucht"
Es gibt immer wieder mal Gespräche, die so richtig Spass machen weil der Gesprächspartner wirklich etwas zu sagen hat und es auf den Punkt bringt. So war es zum Beispiel mit Oliver Pasch, dem Technik-Chef bei Cinemaxx, den ich gefragt habe, warum seine Kinokette bei THX aussteigt. Das Interview ist in audiovision 12/2001 erschienen, wird aber hier für die Ewigkeit dokumentiert. (27. 11. 2001)
1. Die Kritik an THX und seiner Geschäftspraxis.
2. Die Digitalisierung kommt auch bei Cinemaxx.
3. Die DLP-Technik reicht noch nicht aus.
Mit einem Paukenschlag kündigt die Cinemaxx AG den Vertrag mit Lucasfilm über die THX-Abnahme von Kinosälen. Ich sprach mit Oliver Pasch, den Leiter Projektion und Technik.

Oliver Pasch: Der Leiter Projektion und Technik
bei der Cinemaxx AG, hier mit einer DTS-Scheibe.
? Herr Pasch, warum steigt Cinemaxx bei THX aus?
Pasch: Weil Kosten und Nutzen nicht mehr zusammen passen. Der Löwenanteil unserer Kinos erreichen den THX-Standard, auch die kleineren Säle, die nicht lizensiert sind. In Zeiten flächendeckenden Digitaltons ist für den Kinobesucher kein Unterschied mehr erkennbar. Der Wert des Markenzeichens THX hat sehr gelitten, wir fühlen uns missbraucht. Der Support für einen Kinobetreiber seitens THX ist gleich Null.
? Wieso das?
Pasch: THX soll doch dafür stehen, Filme so zu sehen, wie sie von den Machern geschaffen worden sind. Da war ein gewisser Standard schon sinnvoll. Aber heute wird das THX-Zeichen auf alle möglichen Produkte geklebt. Das suggeriert doch, dass man auch auf einem Büro-Computer dieses Filmerlebnis haben kann. Das kann bei uns keiner akzeptieren. Da wollen wir nicht als Referenz dienen und auch noch Geld dafür zahlen.
? Warum dann der plötzliche Bruch?
Pasch: Das ist keineswegs eine kurzfristige Entwicklung. Nicht nur wir als einer der großen Lizenznehmer in Europa, sondern alle Kinobetreiber reden schon seit vielen Jahren mit Lucasfilm, dass wir diese Verwässerung nicht gut heißen. Spätestens seit es THX auch für VHS-Kassetten gibt, konnten wir das nicht mehr nachvollziehen. Da schaut sich jemand "Braveheart" auf VHS an, sieht den THX-Trailer und glaubt dann, das ist es jetzt.
? Gibt es auch den Grund, dass Cinemaxx sparen muss?
Pasch: Nein, wir planen, die freiwerdenden Mittel direkt wieder in die Verbesserung unserer Kinosäle auf Basis heutiger Technologien zu investieren. Nicht zuletzt auch im Hinblick auf digitale Projektion.
? Wann wird damit bei Ihnen begonnen?
Pasch: Noch nicht sofort. Die unmittelbaren Verbesserungen, die wir planen, betreffen unter anderem den 6.1-Ton. Hier haben wir Nachholbedarf, da erst drei Kinos damit ausgerüstet sind.
? Warum hat das so lange gedauert?
Pasch: Die erste Vorführungen von 6.1-Soundtracks, die meistens mit "Star Wars Episode 1" stattfanden, haben uns nicht überzeugt. Aber die neueren Produktionen in diesem System holen viel aus dieser Technik heraus, so dass der Zuschauer wirklich etwas davon hat. Übrigens: Auch ein richtig helles, scharfes Bild ist schon etwas, was nicht überall zu sehen ist. Aber die Bildqualität interessiert komischerweise die Wenigsten, manchmal habe ich den Eindruck, die Leute sitzen mit dem Rücken zur Leinwand, um möglichst konzentriert drei Surroundkanäle erleben zu können
? Wäre nicht das digitale Kino ein sinnvolles Betätigungsfeld für Lucasfilm, um hier Qualitätsstandards zu setzen? Mit "Planet der Affen" hat man angefangen.
Pasch: Das müssten eher Organisationen wie die SMPTE, der Verband der Film- und Fernsehtechniker, machen. Auch andere neutrale Verbände arbeiten daran.
? Wann beginnt bei Cinemaxx die Digitalisierung?
Pasch: Hier sind noch einige Probleme zu lösen, speziell was Realfilme angeht; bisher sind in Deutschland mit deutschem Ton ausschließlich Animationen gezeigt worden. Und die Preise, die jetzt im Raum stehen, sind illusorisch. Kein Kinobetreiber wird eine halbe Million Mark für einen Projektor zahlen.
? Sehen Sie Texas Instruments da auf dem richtigen Weg oder hoffen Sie eher auf die Allianz von Kodak und JVC?
Pasch: Mit dem, was wir auf DLP-Basis kennen, werden 24 Meter Bildbreite, wie wir sie in manchen Sälen brauchen, nicht möglich sein. Da sind JVC und Kodak mit den höher auflösenden D-ILAs auf dem besseren Weg. Dann hat nämlich der Zuschauer etwas davon, wenn er zum Beispiel auch in der ersten Reihe ein scharfes Bild sieht. Digitales Kino muss besser sein als 35 Millimeter, und zwar auch für den technisch Nicht-Interessierten.

Satz mit X: Cinemaxx war einer der größten Vertragspartner von
Lucasfilm in Europa.
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