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Hintergrund
Zehn Fragen zu DivX 5
(und natürlich die Antworten darauf
)
DivX wurde berühmt als Werkzeug für illegale DVD-Kopien und Videopiraterie im Internet. Mit der Version 5 des Videocodecs will der Anbieter raus aus der Schmuddelecke und gleichzeitig MPEG-4 als Standard unterstützen. www.loehneysen.de erklärt, was man mit DivX theoretisch machen kann und was die neue Version in der Praxis taugt. (8. 3. 2003)
Die erste Frage: Wozu braucht man Codecs wie DivX überhaupt?
Die zweite Frage: Was hat denn das alles mit DVDs zu tun?
Die dritte Frage: Ist DivX nicht illegal?
Die vierte Frage: Wozu taugt denn DivX außerdem noch?
Die fünfte Frage: Was hat denn DivX mit MPEG 4 zu tun?
Die sechste Frage: Was kostet DivX 5?
Die siebte Frage: Was taugt denn DivX 5 jetzt wirklich?
Die achte Frage: Kann ich denn jetzt ernsthaft daran denken, DVDs oder meine Videocassetten per DivX 5 zu archivieren?
Die neunte Frage: Kann ich denn mit DivX 5 echte MPEG-4-Videos produzieren?
Die zehnte Frage: Trotz aller Komplikationen bin ich neugierig. Wo bekomme ich DivX 5 her?
Und als Extra: So funktioniert die Codierung in zwei Durchläufen
Eine Neuheit auf www.loehneysen.de: Ein Kollege, in diesem Fall Karl-Gerhard Haas (E-mail), schreibt exklusiv. Und zwar deswegen, weil er sich die letzten Nächte mit DivX 5 um die Ohren geschlagen hat und nun seine Erkenntnisse schnellstmöglich bekannt machen will. Was hiermit geschieht.

Nicht gerade bescheiden: Der Werbe-Supermann
von DivX Webseite spricht für ein ausgeprägtes
Selbstbewußtsein
Die erste Frage: Wozu braucht man Codecs wie DivX überhaupt?
Mit Codec (Kurzform von Coder/Decoder) meint man ganz allgemein Vorschriften und Normen, um etwa Bilder und Töne zu übertragen. Praktisches Beispiel: DVD-Video nutzt MPEG-2 als Video-Codec und (meist) Dolby Digital (AC-3) als Audio-Codec. Will man eine DVD herstellen, müssen die dafür eingesetzten Programme und Gerätschaften Coder für MPEG-2 und AC-3 mitbringen; der DVD-Player muss die entsprechenden Decoder an Bord haben.
Im Computer klinken sich Codecs als kleine Programme ins Betriebsystem ein, auf die andere Programme zugreifen können. Vergleichbar ist die Installation eines Codecs mit der eines Druckertreibers: Dem Druckertreiber selbst kann man keine Texte oder Bilder eingeben aber alle installierten Programme können über den Treiber ausdrucken.
Die zweite Frage: Was hat denn das alles mit DVDs zu tun?
Ganz einfach: Videofans trachten, seit es DVDs gibt, danach, die Filme in bestmöglicher Qualität zu kopieren. Da DVD-Brenner und -Recorder erst seit ein paar Monaten erhältlich sind, kamen bisher nur CDs in Frage meist als Video-CD (VCD), Super-Video-CD (SVCD) oder CD-ROM. Will man DVDs auf ein anderes Medium übertragen, braucht man die Codecs dafür für VCD etwa MPEG-1, für SVCD MPEG-2.
Aber: Die Qualität von VCD ist sehr bescheiden, die Laufzeit wie bei Audio-CDs auf 80 Minuten beschränkt. SVCD offeriert ordentliches Bild, mit weniger als 40 Minuten Laufzeit pro Disc geht unter drei CDs pro Film aber nichts.
Hier kommt DivX ins Spiel. DivX benutzt MPEG-4-Varianten (Details folgen), die Laufbilder wesentlich effizienter eindampfen können als MPEG-1 oder MPEG-2. Mit DivX komprimiert passt ein Spielfilm in akzeptabler Qualität auf eine CD und auch in sehr guter auf nur zwei. Einziger Haken: DVD-Player können mit den Scheiben (noch) nichts anfangen nur auf Computern lassen sich die Filme anschauen. Und: Standardmäßig ist weder unter den Windows- noch unter Apple-Betriebssystemen ein DivX-Codec installiert wer mit Freunden einen Filmabend veranstalten will, muss zur Sicherheit die Diskette oder CD-ROM mit dem Codec dabeihaben und ihn bei Bedarf installieren.
Die dritte Frage: Ist DivX nicht illegal?
Nicht mehr. Die ursprünglich übers Internet verbreitete Version 3.11 war ein geknacktes Windows Media, also ein Codec von Microsoft. Seit der Version 4 nutzen die DivX-Initiatoren ihren eigenen Codec. Wer mit DivX Raubkopien erstellt, macht sich natürlich trotzdem strafbar. Kopien für den privaten, also eigenen Gebrauch gehören nicht zu Raubkopien, das ist erlaubt.
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Die vierte Frage: Wozu taugt denn DivX außerdem noch?
Videofilmer können mit DivX ihre Filme Platz sparend archivieren, Freaks basteln sich aus potenten PCs sogar schon Langlauf-Festplattenvideorecorder. Übers Internet lassen sich Videoclips mit DivX genau so übermitteln ("Streaming") wie mit Apples Quicktime, dem Real Player oder Windows Media.
Die fünfte Frage: Was hat denn DivX mit MPEG 4 zu tun?
DivX (und auch der Microsoft-Codec, aus dem es mal entstanden ist) nutzt die MPEG-4-Grundlagen für die Codierung und Decodierung. Dennoch kocht DivX in den gleichnamigen Videodateien ein eigenes Süppchen. Daher bietet der aktuelle Codec 5.0 an, zusätzlich zu einer DivX-Datei eine MPEG-4-Datei zu erstellen oder DivX in MPEG-4 umzuwandeln. Nur diese Videos versprechen also wirklich MPEG-4-Konformität.
Die sechste Frage: Was kostet DivX 5?
DivX 5 wird in drei Varianten angeboten. Den Basis-Codec samt einem Abspielprogramm gibts umsonst (siehe zehnte Frage), die "Pro"-Variante mit mehr Einstellmöglichkeiten und angeblich noch einmal um 20 Prozent besserer Kompression kostet 30 US-Dollar. Wer die sparen will, kann sich auch eine werbefinanzierte Version des Pro-Codecs antun den Unmutsäußerungen in diversen Internetforen ist zu entnehmen, dass dies kein wirkliches Vergnügen ist.
Die siebte Frage: Was taugt denn DivX 5 jetzt wirklich?
www.loehneysen.de beschränkte sich bei den Tests auf die freie Variante. Dabei zeigte sich: DivX 5 ist ein sehr effizienter Codec. Ein exzellent auf DVD gemastertes Musikvideo mit sehr vielen Kameraschwenks und bewegten Objekten im Bild, dessen Datenrate auf DVD zwischen fünf und neun Megabit pro Sekunde variierte, ließ sich mit DivX 5 in voller PAL-Auflösung auf zwei Megabit pro Sekunde eindampfen in ansehnlicher Qualität. Allerdings waren Blockartefakte noch sichtbar. Geht man auf 2,5 Megabit herauf, sind sie fast völlig weg.
Aber auch mit noch niedrigeren Datenraten sieht das Ergebnis nicht schlecht aus. Für Film, der mit seinen 24 Bildern pro Sekunden ja anspruchsloser ist als Video mit 50 (bei NTSC-Quellen 60) Bewegungsschritten, dürften ein bis 1,5 Megabit/Sekunde genügen. Noch mehr Daten lassen sich sparen, indem man die schwarzen Balken von Kinofilmen einfach nicht mitcodiert.
Die Qualität von DivX 5 kann also durchaus überzeugen. Voraussetzung für bestes Bild ist allerdings, dass man in zwei Durchgängen codiert. Mehr dazu im Extra (unten) wers schon mit DivX 4.12 durchexerziert hat, kann sich die Lektüre schenken.
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Die achte Frage: Kann ich denn jetzt ernsthaft daran denken, DVDs oder meine Videocassetten per DivX 5 zu archivieren?
Gemach für großen Jubel ist es zu früh. So ist das von DivX angebotene Abspielprogramm, das ungefragt mit dem Codec installiert wird, ist zwar schick anzusehen, aber noch äußerst wackelig der Hersteller selbst kennzeichnet es ehrlicherweise als "Alpha", also Vor-Vorserie. Allerdings spielt auch der kostenlose BS-Player DivX-5-Clips ab. Mit beiden Abspielprogrammen gab es aber auf einem nagelneuen Testrechner mit Windows XP während der Wiedergabe von DivX-5-Material häufig massive Abstürze (ebenso übrigens mit dem Media Player von Windows, der zusätzlich traditionell Probleme mit der Synchronität von Bild und Ton hat) nur noch Ausschalten des Rechners half.

Außen hui, innen pfui: Die Breitwandoptik des neuen DivX-Players 2
macht zwar optisch was her. Im Betrieb stürzt er aber häufig ab.
Die neunte Frage: Kann ich denn mit DivX 5 echte MPEG-4-Videos produzieren?
Ehrliche Antwort: www.loehneysen.de muss passen Mittel zur Konformitätsprüfung von MPEG-Material haben wir nicht. Aber wir arbeiten daran, diesen Punkt zu klären. Für die Praxis ist zur Zeit aber eine andere Erkenntnis viel wichtiger: Das, was DivX 5 als MPEG-4-Dateien ausgibt, hat keinen Ton. Der Grund dürfte sein: Offiziell ist AAC (Advanced Audio Coding) für die Tonspur von MPEG-4-Videos gedacht und AAC ist bei DivX 5 nicht dabei, denn Dolby hat noch keinen Software-Encoder dafür freigegeben. Wirklich gebrauchen kann man dieses Feature also nicht.
Die zehnte Frage: Trotz aller Komplikationen bin ich neugierig. Wo bekomme ich DivX 5 her?
Hier:
http://www.divx.com/divx/index.php
Aktuell gibts DivX 5 nur für Windows, die Mac- und Linux-Versionen sollen aber demnächst folgen.
Den BS Player gibts unter:
http://beta.bsplayer.org/
Karl-Gerhard Haas
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Doppelt hält besser so nutzen sie die Codierung in zwei Durchläufen
DivX 5 codiert Video auf Wunsch besonders effizient. Voraussetzung: Der Coder analysiert das Video zunächst, schreibt die dabei gewonnen Erkenntnisse über Bewegungen und Bildinhalte in eine Log-Datei und wertet sie bei einem zweiten Durchgang für die Erstellung des DivX-Clips aus. Während schlaue Programme dieses Procedere ohne Zutun des Nutzers erledigen, ist DivX ein kleiner Umstandskrämer. So gehts:
Sie rufen über Ihr Video- oder DVD-Bearbeitungsprogramm den DivX-5-Codec auf. Wählen Sie unter "Codec-Bitrate-Variable Bitrate Mode" "2-pass, first pass" aus. Wählen Sie eine für die gewünschte Bildqualität und -größe passende Bitrate aus für Spielfilme in voller PAL-Auflösung sollten sie um 1.500 Kilobit/Sekunde oder noch etwas mehr nutzen. Geben Sie unter "Two-pass encoding log files" ein Laufwerk mit ausreichend freiem Platz an. Falls Sie aktiviert ist, deaktivieren Sie die Option: "Write DivX MP4 file".
Jetzt klicken Sie auf OK, worauf sich das Codec-Fenster wieder schließt. Falls Sie in Ihrem Video- oder DVD-Bearbeitungsprogramm den Ton deaktivieren können, tun Sies der ist beim ersten Durchgang überflüssig und kostet nur Zeit und Plattenplatz. Jetzt gehen sie auf "speichern". Geben Sie irgendeinen Namen für diese Datei an, etwa: "Probelauf". Jetzt lassen Sie DivX seine Arbeit erledigen. Wenn es fertig ist, gehen Sie wieder in den Codec, wählen unter "Codec-Bitrate-Variable Bitrate Mode" "2-pass, second pass" aus, bestätigen wieder mit OK. In Ihrem Video- oder DVD-Bearbeitungsprogramm schalten Sie jetzt den Ton ein und wählen das gewünschte Format dafür. Dann gehen Sie wieder auf "Speichern" diesmal geben Sie den tatsächlichen Titel Ihres Werks an, etwa: "Mein Urlaubsfilm" (nicht "Terminator 2"). Wenn DivX durch ist, können Sie die Log- und Bin-Dateien und die Probelaufdatei löschen.
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Qualität in zwei Durchgängen: : Diese Einstellungen müssen Sie für optimale Bildqualität wählen. (Für vergrößerte Ansicht auf das Bild klicken.) |
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Kurz das Wichtigste: viel Platz auf der Festplatte, gute Nerven und keine Termine am nächsten Morgen.
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