Elektronisches Kino
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Hintergrund
DLP-Projektoren:
Die Hoch-Kontraster kommen
Warum ist Kontrast so wichtig im Kino zu Hause? Ganz einfach: Ein Film besteht, neben dem Ton, aus Licht. Und wo der Regisseur kein Licht haben wollte, darf auch keines sein. Versuchen Sie einmal, "Blade Runner" mit dem Projektor auzusehen, wenn der Raum nur halb verdunkelt ist. Dann wissen Sie warum. (21. 9. 2002)
Die Entwicklung: von 220:1 zu 2.500:1
Die Geräte:
Digital Projection Blacklite 4000
NEC HT-1000
Ein Ausblick
Und ein Fazit
Zwischen den Projektor-Techologien LCD und DLP herrscht ein gesunder Wettbewerb: Kaum hat Sony Kontrastwerte von 1.000:1 (im VPL-VW12HT) angekündigt, da legt DLP wieder eine Schippe drauf und verdoppelt den Kontrast.
Die Entwicklung: Zuerst denkt man an einen Druckfehler. Werte für den Kontrast von 1.800:1 wie bei den neuen DLP-Projektoren SB21 und XB31 von Hewlett-Packard gehen weit über das hinaus, was bisher realisierbar war und dann ein solcher Kontrast in einem Business-Gerät? Eine Nachfrage beim DLP-Hersteller Texas Instruments bestätigt: Jawohl, die neuen Beamer sind wirklich wesentlich besser als bisher selbst die besten DLPs fürs Kino zu Hause, etwa von Sharp, Marantz oder SIM2. Der Hersteller hätte nur konsequent umgesetzt, was TI an Kontrastverbesserung vorgeschlagen habe. Und wie zum Beweis flattert eine Mitteilung von NEC ins Haus: Der neue HT-1000, der erste spezielle Home-Cinema-Projektor des Marktführers, biete gar 2.500:1.

HP XB31: Als erster Projektor mit den
Kontrast-Verbesserungen in der Optik.
Die Erklärung liefert ein Papier der TI-Entwickler Scott Dewald, D. J. Segler und Steven M. Penn. Die Autoren beschreiben darin die stufenweise Verbesserung des Kontrasts von 220:1 bei den ersten Geräten von 1996 bis heute. Ein Wert von 1.000:1 sei Standard bei den Projektoren mit Dark-Metal-Chips, bei denen der dritte metallische Layer in der Produktion mit einem anorganischen Material beschichtet wird (daher DM3).
Eine Verbesserung darüber hinaus müsste andere Wege gehen: in der Optik. Die Autoren haben daher untersucht, wie sich die Absorption von Streulicht im optischen System so realisieren lässt, dass möglichst wenig Leistung verloren geht. Sie fanden heraus, dass durch die Form der Mikrospiegel und ihre generelle Rauheit eine asymmetrische Streulichtmenge im oberen rechten Teil der optischen Pupille zu finden ist. Sie schlagen daher eine Art von Katzenauge vor, einer Blende, die das Streulicht abschottet. Die müsste leicht dezentral im Strahlengang platziert werden, um optimale Wirkung zu erzielen. Und zwar am besten zweifach, vor und hinter dem Spiegel.

Die Form des Katzenauges: Gelb die
optimale Öffnung auf der Beleuchtungs-
Seite, grün auf der Projektions-Seite.
Messungen an verschiedenen Geräten und Prototypen zeigten, dass damit drastische Kontrastverbesserungen möglich sind allerdings teilweise auf Kosten der Helligkeit. Das betrifft im wesentlichen die konventionellen DLP-Chips mit zehn Grad Kippwinkel. Bei zwölf Grad dagegen ist die Wirkung der Blende sehr hoch, ohne allzu viel Licht zu verlieren.
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Die Geräte: Als wahrscheinlich erster Hersteller von DLP-Optiken hat Minolta dieses Prinzip umgesetzt. Ein erster Versuch findet sich bereits im Marantz VP-12S1, bei dem es anfänglich bekanntermaßen Konfusion um den verwendeten Chip gab. Dank Katzenauge ist er im Kontrast anderen Projektoren mit gleichem DLP-Bauelement überlegen, in der Lichtleistung aber bleibt er beispielsweise hinter dem SIM2 HT300 zurück. Schätzen wir mal, dass der VP-10S1 dann ernst macht mit echter Hochkontrast-Optik (oder wird er VP-12S2 heißen?).
Digital Projection: Ebenfalls mit Bauteilen von Minolta arbeitet Digital Projection im neuen Modell Blacklite 4000 (gelegentlich auch als Blacklight bezeichnet). Dieses Gerät für ganz exklusive, großformatige Privatkinos konnte ich kürzlich bei der Europapremiere bewundern. Er wird vom Hersteller mit 3.000 Ansi-Lumen angegeben, der Kontrast soll bei 1.000:1 bis 1.200:1 liegen. Bei zehn Grad Kippwinkel, mit dem die Spiegel auf den drei SXGA-Chips des Blacklite arbeiten, verliert man natürlich wesentlich mehr Licht: Der ansonsten baugleiche Highlite wird mit 4.000 Ansi-Lumen beziffert. Doch in diesen Regionen lässt sich der Helligkeitsverlust leichter verschmerzen, als bei 150-Watt-UHP-Lampen. Der Blacklite bezieht sein Licht aus einer 1,25-kW-Leuchte, da herrscht Überfluss. Da es sich um eine Xenon-Lampe handelt, hat der Lichtstrom schon mal die Farbtemperatur wie im Kino man muss nicht Mengen von Leistung vernichten, um die Balance nur halbwegs sauber hinzukriegen. Selbst wenn bei einer Auflösung von 1.280 mal 1.024 Pixeln mit der Standard-Optik ein Breitbildfilm nur rund 700 Zeilen hat: Das Bild haut vom Hocker. Da werden sich die Besitzer von Neunzoll-Röhren arg überlegen, ob sie nicht jetzt umsteigen. Zumindest bei Bildbreiten von drei Metern und mehr kommt gegen die schiere Lichtmenge so schnell keiner an.

Digital Projection: Der Dreichip-Projektor Blacklite
(hier präsentiert von DP-Techniker Alan Usher im Kino
von Wolfgang Mayer, München) kostet rund 60.000 Euro,
noch ohne Mehrwertsteuer und Optik.
NEC HT-1000: Nachdem der Blacklite von Digital Projection direkt auf dem XT 5000 von NEC aufbaut, ist es kein Wunder, dass auch NEC das Katzenauge einsetzt. Beide Firmen arbeiten eng zusammen, so hat etwa NEC die Lizenz für DLP-Cinema von Digital Projection übernommen (siehe Meldung vom 11. 3. 2000). HT-1000 heißt das Wunderding, das mit einem Kontrastwert von 2.500:1 aufwartet. Der erste Heimkino-Beamer von NEC mit DLP-Technik schafft das dank des XGA-Chips mit zwölf Grad Kippwinkel. Die Lichtleistung des Projektors soll bei rund 1.000 Ansi-Lumen liegen, allerdings nicht bei dem genannten Kontrast: Die NEC-Ingenieure haben das Katzenauge nämlich verstellbar gemacht, so dass der Benutzer wählen kann, ob er mehr Licht oder mehr Kontrast will. 2.500:1 bedeuten dann zwischen 600 und 700 Ansi-Lumen, die 1.000 Lumen werden mit einem Kontrast von etwa 1.800:1 erreicht. Wer zum Beispiel etwas Umgebungslicht in seinem Home Cinema hat, wählt mehr Licht, während man in total verdunkelten Räumen vom perfekten Kontrast profitiert.

NEC HT-1000: Dank einer verstellbaren Blende lässt sich der XGA-
Projektor auf Helligkeit oder Kontrast optimieren. Die Maximalwerte
liegen bei 2.500:1 und 1.000 Lumen.
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Ausblick: Die Katzenaugen-Optik wird in allen DLP-Geräten Standard werden, die ansprucksvolles Home Cinema realisieren sollen. Und im Kino wird man sie ebenfalls bald in voller Pracht sehen, spätestens dann, wenn die SXGA-Chips auf zwölf Grad Kippwinkel umgestellt sind. Auch in Rückprojektoren wird man die Technologie finden, so zum Beispiel in einem italienischen Rückprojektor, der auf der Cedia steht. Dank dieser Verbesserung kann man möglicherweise auf die teure Dark-Metal-Beschichtung verzichten.
Fazit: Und was lernen wir daraus? Drei Dinge sind mir aufgefallen:
1. Es wird nicht mehr allzu lange dauern, dann hat sich die Aufregung über die Kontrastwerte gelegt; auch LCDs werden, entgegen lange geltender Meinung, Werte erreichen können, die unter Praxisbedingungen schlicht und einfach ausreichend sind.
2. Statt dessen wird dann die Farbe stärker als heute beachtet werden; denn wer den Unterschied zwischen einer Xenon-Lampe wie im Blacklite und einer normalen UHP-Lampe gesehen hat, weiß wo es hingehen muss.
3. Wenn Sony in zwei Jahren mit GLV kommt (siehe mein Spezial), wird 3.000:1 also keine Sensation mehr sein; aber die Farbqualität der Laserquellen schon wenns denn etwas wird.
Und ein eigener Projektionsraum, wie ihn der Blacklite 4000 wegen des Lärms und der Hitze braucht, ist bei einem GLV-Laserbeamer auch nicht mehr notwendig. (21. 9. 2002)
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