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DVD+RW: "Ein DVD-Player mit Record-Knopf"

Ein Gespräch mit Philips-Manager Eric Tijssen über die Besonderheiten des DVD+RW-Recorders DVDR 1000, den Philips im September 2001 auf den Markt bringen will.

Fast im Alleingang will Philips ein System für die DVD-Aufzeichnung auf dem Markt durchsetzen: DVD+RW. Es kann, anders als die Konkurrenzformate DVD-RW und DVD-RAM, 100-prozentig kompatible Discs brennen, die auf jedem heutigen Player abspielbar sein sollen. Der erste Prototyp funktioniert, was Philips im Dezember 2000 in Hamburg demonstrierte. Bei dieser Gelegenheit sprach ich mit Eric Tijssen, dem für die DVD+RW-Planung verantwortlichen Manager in der Philips-Zentrale. Das Interview erscheint in audiovision 2/2001.

Inhalt:

Das Interview: Das DVD+RW-Prinzip und die Konkurrenz
Zur Sache: Der Philips DVDR 1000 und was er kann
Bilder: Das Innenleben des Philips DVDR 1000



Eric Tjijssen (in der Hamburger Philips-Zentrale): "Als man den
Standard für die beschreibbare DVD definierte, hielt man eine
Kompatibilität mit DVD-Video für unmöglich".


Das Interview: "Wir begrüßen jede Initiative in Richtung Kompatibilität"

? Warum muss Philips denn unbedingt ein eigenes System für die DVD-Aufzeichnung bringen, wo es doch schon zwei andere gibt?
Tijssen: Wir bringen ja gar kein neues System, sondern wir erweitern den DVD-Player einfach um den Record-Knopf. Wir bleiben in den System, das sich weltweit durchgesetzt hat, nämlich DVD-Video. Die Discs, die unser Recorder schreibt, entsprechen exakt den Parametern und Vorgaben für DVD-Video und laufen deshalb in jedem heutigen Player. Unsere Umfragen unter Käufern haben gezeigt, dass die Möglichkeit aufzunehmen der wichtigste Wunsch überhaupt ist.
? Warum wurden dann im DVD-Forum überhaupt andere Standards festgelegt? Geht es da vor allem um Patente und Lizenzgebühren?
Tijssen: Auch. Da ist viel Geld im Spiel und das spielt natürlich eine Rolle. Aber entscheidend war in der Definitionsphase vor fünf Jahren, dass niemand geglaubt hat, man könne tatsächlich kompatible löschbare DVDs entwickeln. Das galt als unmöglich, und deswegen wurden andere Standards gesetzt. Wir haben aber bewiesen, dass es funktioniert. Und wir zeigen es immer wieder, auch wenn es manche Leute immer noch nicht glauben wollen.
? Was ist denn der entscheidende Unterschied in der +RW-Technologie?
Tijssen: Das Problem bei löschbaren DVDs sind die so genannten Link-Blöcke zwischen vorher gebrannten Sektoren und neu dazu gekommenen Sektoren. Bei anderen Systemen geht hier viel an Daten verloren – bis zu zwei Kilobyte. An dieser Stelle kommt ein DVD-Video-Player ins Stottern und bleibt stehen. Wir haben das Lossless-Linking entwickelt, mit dem die Lücke zwischen den Sektoren auf rund fünf Bit verringert werden kann. Das macht in keinem Gerät Schwierigkeiten.
? Warum ist das +RW-System dann nicht vom DVD-Forum lizensiert?
Tijssen: Es ist ja kein neues System. Wir halten uns exakt an die physikalischen Spezifikationen der DVD und an die logische Struktur der DVD-Video. Der einzige kleine Unterschied ist, dass die +RW-Disc zwar eine einschichtige Scheibe ist, aber die Reflektivität des halbtransparenten Layers einer zweischichtigen Scheibe hat.
? Das vom Forum verabschiedete Video Recording Format erlaubt einige Funktionen mehr als DVD-Video, etwa die Programmierung auf einer Disc, so dass mit Einlegen einer bestimmten DVD gleich eine tägliche Sendung vorprogrammiert ist. Auf solche Funktionen müssen Sie doch verzichten.
Tijssen: Es gibt in der Tat einige interessante Ansätze in diesem Format, aber eben um den Preis, dass die Discs nicht mehr rückwärts kompatibel sind. Aber als Option für unsere Recorder könnte ich mir das vorstellen.
? Sony, Pioneer und andere haben in Japan eine Initiative für die Kompatibilität von RW-Medien gestartet. Warum ist Philips nicht beigetreten?
Tijssen: Das begrüßen wir ausdrücklich, denn auch für uns ist die Kompatibilität der entscheidende Punkt. Aber noch ist der Pioneer-Standard DVD-RW nicht voll rückwärts kompatibel. Es laufen Gespräche, ob und wie wir zusammen kommen.
? Was passiert nach der 500. Aufnahme? Wird die Disc da nicht total fragmentiert sein, also der Recorder zwischen einzelnen Sektoren hin- und herspringen müssen?
Tijssen: Nein. Sie müssen sich die Aufzeichnung linear wie auf einem Videoband vorstellen. Bei der Wiedergabe kann er von einer Stelle zur anderen springen, bei der Aufnahme nicht. Also gibt es auch keine Fragmentierung.
? Kritiker glauben aber, dass das +RW-Format für PC-Anwendungen ungeeignet sei, weil durch die Spiralform der Spur diese Fragmentierung unvermeidlich ist.
Tijssen: Dann müsste ja auch die CD-RW für PCs ungeeignet sein, denn die hat die gleiche Spiralstruktur. Und da haben wir noch keine Beschwerden gehört.
? Wie lösen sie das heikle Thema Kopierschutz?
Tijssen: Erstens nimmt der DVDR 1000 über die Digitalschnittstelle im Firewire-Standard nur Signale von einem DV-Camcorder an; die wandelt er in MPEG-Daten, so dass sie auf einem DVD-Player abgespielt werden können. Aber diese Schnittstelle ist kein Ausgang und sie akzeptiert auch keine anderen Signale, weil es hierfür noch keine Standards gibt. Wenn diese kommen, werden wir sie natürlich einsetzen. Über die analogen Eingänge kann kein kopiergeschütztes Material aufgenommen werden, das Gerät erkennt den Macrovisions-Impuls und verweigert die Aufnahme. Das gilt für alle Signalarten, von Composite über Y/C bis RGB.
? Lassen sich mit dem Gerät auch CDs brennen?
Tijssen: Nein, das hätte den Aufwand nochmal wesentlich erhöht. Der DVDR 1000 ist als Videorecorder konzipiert. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass wir in zukünftige Gerätegenerationen auch diese Funktion integrieren.
? Wann kann man denn mit den DVD-Recordern rechnen und was werden sie kosten?
Tijssen: Wir planen jetzt erste Muster für den Produktionsanlauf im Juni; größere Stückzahlen sind aber erst nach der Funkausstellung im August zu erwarten. Der Preis liegt nach heutiger Rechnung zwischen 2.000 und 3.000 Euro.
? Noch kosten DVD-Rohlinge überall mindestens so viel wie bespielte DVDs. Wird sich das ändern?
Tijssen: Ja, das ist vor allem eine Frage der Stückzahlen. Wir sehen keinen Grund, warum eine DVD+RW bei gleicher Nachfrage wesentlich teurer sein sollte als eine CD-RW heute.

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Der DVDR 1000 von Philips: Äußerlich siehr er den Modellen SACD 1000 und
DVD 1010 ähnlich, aber er hat einen Record-Knopf.


Zur Sache: Was der DVDR 1000 von Philips kann.

Der Philips DVDR 1000 ist ein vollwertiger Videorecorder mit TV-Tuner, VPS, Nextview und Showview. Er kann auch externe Quellen aufnehmen: Aufnahmen vom DV-Camcorder in digitaler Qualität über die Firewire-Schnittstelle (i-Link, IEEE-1394), von anderen Quellen über die analogen Eingänge; erstmalig steht sogar ein RGB-Input bereit (in NTSC-Version YUV), der beste Qualität garantieren sollte. Alle einkommenden Signale werden in MPEG-2-Video und Dolby Digital (Stereo) gewandelt und in der logischen Struktur einer DVD-Video auf das +RW-Medium geschrieben. Dabei kann auch das europäische Gerät NTSC-Signale aufnehmen. Nicht vorgesehen sind die speziellen DVD-Video-Funktionen wie Mehrkanalton, ausblendbare Untertitel oder Multi Angle; die selbst aufgenommene DVD+RW enthält auch keinen Regionalcode. Bei der Wiedergabe auf einem normalen DVD-Video-Abspieler beginnt die DVD+RW mit einem Menü aus den Startbildern der Aufzeichnungen und einer kurzen Textinformation.
Die Spielzeit lässt sich in vier Stufen einstellen: eine, zwei, drei oder vier Stunden, mit Datenraten von 9,72 bis 2,54 Mbit/s (Maximalwerte, da variable Datenrate). Die Qualität ist ein Einstunden-Modus sehr gut, wenn direkt digital von einem Camcorder überspielt wurde. Im Zweistunden-Betrieb wird ”fast DVD-Qualität” erreicht, wobei das sehr stark von der Quelle abhängt; der Vierstunden-Modus ist ”besser als VHS” – hier wird die Auflösung pro Zeile von 720 auf 360 Bildpunkte verringert. Damit Rauschen und mangelhafter Bildstand nicht zu MPEG-Artefakten führen, besitzt der DVDR 1000 eine integrierte Rauschunterdrückung und eine Sync-Korrektur (TBC), die vor der Aufnahme das Signal beruhigen. Auch Bearbeiten der Aufnahmen ist möglich, allerdings nur in geringem Umfang: So kann festgelegt werden, dass bestimmte Stellen oder Szenen zu überspringen sind, also etwa Werbeinseln in einem Spielfilm oder zur Kürzung von Camcorder-Aufnahmen. Das Schneiden wie bei Videofilmen notwendig, also inklusive der Umstellung von Szenen, ist nicht vorgesehen. Das Überspringen gewissen Stellen wird nicht nur vom Recorder selbst, sondern auch von anderen DVD-Playern korrekt ausgeführt.
Als Player
gehört der DVDR 1000 in die Oberklasse: Zehnbit-Videokonverter, 24 Bit und 96 kHz Audio, Wiedergabe von CD-R/W und S-VCD, solides Chassis im Stil der Modelle DVD 1010 und SACD 1000 (8,5 Kilogramm). Preis irgendwo zwischen 4.000 und 6.000 Mark. Lieferbar ab September 2001.

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Bilder: Das Innenleben des DVDR 1000 von Philips.

  Das Innenleben: Wenn Sie sich gut auskennen, brauchen Sie nur noch die Chips bestellen, und schon können Sie auch einen DVD-Recorder bauen.

  Nochmal zum Mitschreiben: Omega-DVD von ST Microlectronics, Philips SAA 6750H und ASA 030 sowie Toshiba TMP 93C071F, den Rest müssen Sie selber rausfinden.

  Die Software: Und dann sollten Sie noch ein paar Jahre Zeit haben, die Software zu programmieren, die den Benutzer führt. Ein Menü mit den Startbildern der einzelnen Aufnahmen ist nicht nur auf dem DVDR 1000 selbst, sondern auf allen andere DVD-Playern zu sehen, wenn eine +RW-Disc abgespielt wird.

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