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Ulrich v. Löhneysen, Journalist

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Hintergrund

Digitalschnittstelle HDMI –
und das Ende eines Traums

Es war einmal eine geniale Idee, und die lautete: Ein einziges Kabel soll im digitalen Zeitalter alle analogen Verbindungen ersetzen und alle Funktionen möglich machen. Darüber habe ich zum erstem Mal vor Jahren geschrieben, es muss so 1996/97 gewesen sein. Die Rede ist von Firewire und Havi. (11. 5. 2002)

Firewire und HDMI: Was ist was?
Per HDMI zum Monitor: Was diese Norm auszeichnet.
Der Kopierschutz: Viele ungelöste Probleme
Das Havi-Projekt: Wo noch Chancen sind

Große Ideen haben oft etwas Tragisches. So gab es auch mal die Vision, nur eine Disc für alle Medien zu haben – heute blickt keiner mehr durch, welche Scheibe in welchem Laufwerk abspielbar ist. Und die Vision von dem einen Digitalkabel wird nur dazu führen, dass der Salat hinter den Geräten noch unübersichtlicher wird.

Firewire-Stecker: Schlicht und einfach
nicht geeignet für DVD-Player – das ist das
harte Urteil aus der Industrie.


Firewire und HDMI: Was ist was? Das Drama um die Idee vom Digitalkabel begann schon mit dem Namen. Zuerst waren es drei, seit 5. Mai nur noch zwei: Firewire oder i-Link, denn die 1394-Trade-Association hat beschlossen, auf diese Nummer ganz zu verzichten – "IEEE 1394" war der offizielle Name, "Firewire" hatte sich Apple geschützt, wo man wesentliche Teile des Standards entwickelt hatte, während Sony den Namen "i-Link" zusammen mit DV-Camcordern einführte. Gelegentlich wurde die Buchse sogar als DV-Anschluss bezeichnet. Über diese Schnittstelle könnte man tatsächlich alles machen, doch das ist ihr zum Verhängnis geworden. Alle Arten von Signalen, die sich darüber übertragen ließen, sollten spezielle Protokolle bekommen, so dass diverse, über Firewire verbundene Geräte ein intelligentes Netzwerk bilden. Erarbeitet wurden diese Protokolle im Havi-Konsortium (Home Audio Video Interoperability), das praktisch alle wichtigen Hersteller der Unterhaltungselektronik umfasst. Die gleichen Hersteller, mit Ausnahme von Grundig und Sharp, haben kürzlich die Einigung auf einen neuen Standard bekannt gegeben, den sie High-definition Multimedia Interface nennen, HDMI. Das ist eigentlich nur ein neuer Name für ein bekanntes Kind, das bisher DVI2 oder PanelLink hieß, also die DVI-Schnittstelle mit Audio-Part und Kopierschutz HDCP (siehe dazu auch den CES-Report 2001). Bei Set-top-Boxen für digitales Fernsehen kommt ein weiteres Kürzel ins Spiel, nämlich EIA/CEA-861b, während EIA/CEA-861a die DVI-Version mit Kopierschutz, aber ohne Ton war.

HDMI-Stecker (links): Deutlich kleiner als der DVI-Anschluss,
dazu kleiner und günstiger herzustellen; mit Adapterkabel
lassen sich beide Normen miteinander verbinden.


HMDI dürfte in absehbarer Zeit der Standard schlechthin werden, der digitale Quellen und Bildschirme verbindet. Das betrifft vor allem DVD-Player, für die, wie man aus Industriekreisen hört, Firewire nicht geeignet sei – das mag überraschen, denn mittlerweile hat sogar das DVD-Forum Richtlinien für die Integration von Firewire in DVD-Player vorgelegt (Version 0.9 als PDF). Schuld an der harschen Ablehnung ist vor allem die Kopierschutzfrage (die in den Forums-Richtlinien ganz ausgeklammert wird), aber auch technische Probleme. Zum Beispiel hat man keinen zuverlässigen Weg gefunden zu verhindern, das die zahlreichen PCs, die heute schon mit Firewire ausgestattet sind, gehackt und als Kopiermaschinen benutzt werden. Als kaum machbar hat sich auch die Übertragung komprimierter MPEG-Videodaten zum Bildschirm herausgestellt; denn der Bildschirm müsste etwa für schnellen Vor- und Rücklauf Funktionen ausführen, die eigentlich Aufgabe des Players sind. Der ursprünglich geplante unkomprimierte Datenversand scheitert bei Firewire aber an der Bandbreite von 400 Mbit/s, die nur für Standard-Video ausreicht – zu wenig im Zeitalter von Progressive Scan und hochauflösendem Fernsehen. HDMI dagegen schafft 3,96 Gigabit pro Sekunde allein für die Bilddaten, was selbst mit einem unkomprimierten HDTV-Signal im 1.080p-Format nicht ausgelastet wäre. Zudem ist HDMI eine unidirektionale Verbindung, die Daten werden also nur vom Abspielgerät zum Monitor übertragen; Firewire ist dagegen immer bidirektional, die Daten könnten also in einem Gerät, das sich betrügerischer Weise als Monitor ausgibt, gespeichert und von dort weiter verbreitet werden. Wie bei Firewire auch ist bei HDMI das Daisy-Chain-Prinzip vorgesehen, also der Gänsemarsch von Quellen: Sie brauchen dafür jeweils einen Ein- und einen Ausgang, so dass die Signale durchgeschleift werden können. Ein AV-Receiver, wie zum Beispiel beim TAG McLarenAudio AV192R, vorgesehen, greift sich dann die Audiosignale von DVD-Player ab und reicht das Bildsignal ans Display weiter.

TAG McLaren AV32R: Prototyp zukünftiger HDMI-Geräte mit
Eingang und Ausgang.für Digitalsignale, so dass Signale
durchgeschleift werden können

Mit heutigen DVI-Eingängen werden HDMI-Quellen wohl nicht kompatibel sein. Den Plan von Parasound-Entwickler Haavard Guttormsen, die Kennungen vorhandener Projektoren in einen DVD-Player einzuspeichern (siehe Meldung vom 16. 6. 2001), bezeichnen andere Entwickler als "klaren Bruch der Lizenzbestimmungen". Die leidige Kopierschutzfrage ist bei HDMI nicht so tragisch, auch wenn eine letzte Einigung darüber noch aussteht. Bei dieser Schnittstelle besteht keine Notwendigkeit, Kopien zu managen und zu kontrollieren. Daher muss man sich vor allem über die analogen Ausgänge verständigen: Die sollen nämlich an Geräten mit HDMI-Ausgang herunterskalierbar sein, was vor allem Set-top-Boxen für HDTV-Empfang betrifft: Wenn der Rechteinhaber, also der Sender oder das Studio es verlangen und ein entsprechendes Kontrollsignal aussenden, muss die Box die Auflösung von HDTV auf Standard-TV, also in USA 480 Zeilen, reduzieren. Das soll verhindern, dass eines Tages doch Recorder auf den Markt kommen, die analoge HDTV-Signale digitalisieren. Wie weit das Copyright-Management in die Geräte eingreift, macht ein Urteil deutlich, das unlängst in USA gegen SonicBlue, den Hersteller der Replay-TV-Harddisc-Recorder erging: Die Studios verlangen vom Hersteller, dass im Gerät alle Aufnahme- und Kopiervorgänge gespeichert und auf Verlangen zugänglich gemacht werden. Der US-Herstellerverband CEA bezeichnet dies als Einführung des "Großen Bruders", der die Privatsphäre ausspionieren soll (siehe Stellungnahme). Lawrence J. Blanford, Chef von Philips in Nordamerika, warnte unlängst vor einen Ausschuss des Congresses, dass es die Pläne der Studios möglich machten, Aufnahmegeräte vom Sender aus lahmzulegen.

Was nun aus Havi wird, ist schwer abzusehen. Die einzige Hoffnung ist aktuell die, dass die Teilnehmer des Forums inzwischen nicht mehr sagen, dass erst in zwei Jahren Geräte zu haben sein würden – heute sagt man "nächstes Jahr". Das hei0t immerhin, dass einige Probleme gelöst sind, die Arbeit geht voran. Firewire wird es auf jeden Fall in immer mehr Hardware auch in der Unterhaltungselektronik geben, ob und wie die Havi-Protokolle tatsächlich genutzt werden werden, ist noch nicht absehbar. Die Funktionen und Anwendungen werden aber mit Sicherheit nicht so universell sein wie einstmals geplant. Gute Chancen hat der Standard immer noch für die Verbindung von Set-top-Boxen zu Recordern, so weit überhaupt die Aufnahme erlaubt sein wird; ebenfalls sehr wahrscheinlich ist Firewire in HiFi- und Audio-Anwendungen, so zum Beispiel als Verbindung von SACD-Playern zu AV-Receivern Und aus der Copyright-freien Welt der Videofilmer ist Firewire sowieso nicht mehr wegzudenken. Dafür braucht es aber Havi nicht.

Das Logo des Havi-Projekts: Viele Sitzungen,
unzählige Mann-Jahre von Ingenieuren und
Programmieren, doch wenig Ergebnisse
und noch kein einziges Produkt.

Unsere Noch-nicht-verschrotten-Liste wird immer länger: Cinch-Kabel, Scart-Kabel, Macrovisions-Decoder gehören mit drauf. (11. 5. 2002)

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