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D-ILA für große, scharfe Bilder

Spiegelnde Mini-Displays aus dem Hause JVC eignen sich für Kino, Heimkino, Präsentationen oder sogar PC-Monitore.

Auf der Photokina im September 2000 konnte ich mit zwei Herren reden, die für die Entwicklung der ILA- und D-ILA-Projektoren bei JVC (früher Hughes-JVC) verantwortlich sind, William P. Bleha vom JVC Digital Image Technology Center in Kalifornien und Keiichiro Doi in Japan. ILAs sind spiegelnde LCDs, die in der ursprünglichen Form kompliziert von einer Bildröhre angesteuert wurden, in der D-ILA-Version aber eine Art LCoS sind, also Flüssigkristalle auf einem Chip, der die Helligkeit sehr viel einfach regulieren kann als die Röhre. Doi und Bleha kopierten mir ihre "Roadmap", also den Plan, wann welche D-ILA-Panels mit welcher Auflösung und in welcher Größe produziert werden sollen. Auf dem JVC-Stand gab es auch einige Panel-Prototypen mit höherer Auflösung (Bild unten) zu sehen - Auflösungstufen, die noch kaum ein anderer Bildschirm erreicht hat. D-ILA soll deshalb nicht nur für Projektoren, sondern auch für Rückprojektoren, PC-Monitore und mehr eingesetzt werden. Das Interview erscheint in leicht gekürzter Version in audiovision 11/2000.

Inhalt:
Die "Roadmap": 4.000 mal 3.000 Pixel in zwei Jahren
Das Interview: Was die Erfinder sagen
Zur Person: William P. Bleha und Keiichiro Doi


Die "Roadmap": Eine Straßenkarte :ist es eigentlich nicht, aber Roadmap nennt man in Konsstruktion und Produktion die Zeitpläne, wann welche Produkte fertig sein sollen. Dabei ist zu beachten, dass es sich hierbei eigentlich um interne Dokumente handelt, nicht um Zeitpläne, wann fertige Produkte in den Handel kommen. So ist zu notieren, dass etwa der Chip für den Rückpro D'Aliah (2) Ende letzten Jahres in Serie gehen sollte; so lange läuft auch schon die Vorproduktion. Geräte kommen aber erst im Herbst 2000 in den Handel. Es kann also durchaus sein, dass sich auch bei anderen Produkten ähnliche oder sogar noch größere Verzögerungen ergeben.



Zu den einzelnen D-ILA-Chips
(1) Das Panel, das in heutigen D-ILA-Projektoren wie dem DLA-G10 oder G15 verwendet wird
(2) Panel mit dreifacher Auflösung in der Horizontalen (1.280 mal drei); es wird als ein Panel für alle drei Farben eingesetzt, und zwar mit holografischer Lichtseparation. Verwendet im D'Aliah-Rückprojektor , der erstmalig auf der IFA 1999 (siehe Bericht) zu sehen war
(3) Dieses Panel wird erstmalig im DLA-G3010 benutzt; es baut wesentlich kleiner als der bisherige SXGA-Chip (1)
(4) Das erste 16:9-Panel, gedacht vor allem für HDTV-Projektoren in den USA
(5) Hochauflösendes HDTV-Panel als oberste Stufe der TV-Entwicklungen
(6) Panel für digitales Kino im QUXGA-Format
(7) Miniatur-Panel für XGA-Projektoren im Kleinformat
(8) Panel für Datenprojektor oder Workstation-Rückprojektoren.
Zum Vergleich: DLP arbeitet heute mit Pixelgrößen von 17 oder 14 Micrometern, die Panel sind zwischen 0,7 Zoll und 1,1 Zoll groß.

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Doi, Bleha, Löhneysen (von rechts): "D-ILA ist eine Goldmine".
Dank an Michael Wiechmann für das Foto

Das Interview: Gespräch auf der Photokina mit den ILA/D-ILA-Erfindern William P. Bleha (Mitte) und Keiichiro Doi (rechts).
? Sie zeigen auf der Photokina diverse Chips mit extrem hoher Auflösung, aber keine Geräte. Wann können wir damit rechnen?
Doi:
Vom SXGA-Chip stehen erste Muster schon nächsten Monat zur Verfügung, so dass die Geräteentwicklung dann abgeschlossen werden kann. Ab Januar beginnt die Produktion und dann wird es bald Geräte geben. Bei dem QXGA-Panel wird es etwa vier bis fünf Monate länger dauern.
? Welche Pixelzahlen streben Sie denn an?
Doi: Der Chip mit 3.840 mal 2.048 Pixeln, den wie hier zeigen, ist noch nicht die letzte Stufe; wir sehen im Augenblick QUXGA als Endpunkt der Entwicklung, also 4.096 mal 3.072 Pixel.
? Wofür soll man denn so hohe Auflösung brauchen, und noch dazu im 4:3-Format?
Bleha: Für elektronisches Kino. Nicht nur wir, auch viele Verantwortliche in Hollywood meinen, dass es nicht reicht, wie heute DLP die Qualität des 35-mm-Films einigermaßen zu erreichen. Digitales Kino muss besser sein, und zwar auch in der Auflösung. Und bei dieser Pixelzahl werden wir ziemlich genau die Fläche von 35-mm-Film erreichen, womit sich der Chip sehr gut in Kinoprojektoren einsetzen lässt.
? Ist der Zug für Sie nicht schon abgefahren? JVC war bei den ersten digitalen Kinos dabei, dann aber hat Texas Instruments mit DLP alle weiteren Projektionen allein bestritten.
Doi:
Nein, es bleiben schon noch Partner für uns, die nicht die schlechtesten sind; wir werden beim digitalen Kino mit Kodak zusammen arbeiten.
? Und Sie glauben, so schnell die Fertigung derart hochauflösender Panel in den Griff zu bekommen, obwohl alle anderen schon mit weniger Probleme haben?
Doi:
Auf jeden Fall. Wir bauen schon jetzt die Panel mit 3.840 mal 1.080 Bildpunkten für die Rückprojektion. Damit zeigen wir, dass sich diese Pixelzahl sehr wohl beherrschen lässt.
? In welchen Produkten werden wir D-ILA-Panel sehen?
Doi: Zuerst natürlich in besonders leistungsstarken Projektoren, aber auch in Rückprojektoren, wie dem D’Aliah, der in den USA schon verkauft wird. Aber auch hochauflösende PC-Monitore sind vorgesehen, ebenso portable Projektoren.
? Ist auch ein 16:9-Panel geplant?
Doi: Natürlich. Der Rückprojektor in den USA arbeitet schon damit, aber auch von den kommenden Panels werden einige das Bildformat 16:9 haben.
? Wird man D-ILA auch in Geräten finden, die nicht von JVC sind?
Doi: Wir haben zurzeit Anfragen von rund 20 Firmen, die unsere Panel einsetzen wollen. Deswegen haben wir entschieden, die Technologie weiterzugeben.Schon im nächsten Monat werden wir bekannt geben, an wen wir als ersten anderen Hersteller D-ILA-Panel liefern.
? Sind dabei auch Hersteller, die bisher mit DLP arbeiten?
Doi, Bleha: (gleichzeitig) Kein Kommentar.
? Was ist eigentlich aus dem Team von Huges geworden, das die ILA-Technik entwickelt hat?
Bleha:
Ich bin der Letzte der Mohikaner (lacht). Nein. Wir sind in Kalifornien noch etwa 30 Leute und arbeiten intensiv an zukünftigen Projekten, vor allem für das elektronsiche Kino. Zudem machen wir Wartung und Service für die rund 1.000 ILA-Projektoren, die weltweit installiert sind.
? Fürchten Sie nicht die Konkurrenz der winzigen System-on-Chip-LCDs?
Doi: Ein Test, der nicht von uns, sondern von einem unabhängigen Institut durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass die Schwachstelle dieser so genannten LCoS-Panels der geringe Kontrast ist. Schon DLP erreicht mehr als das Dreifache, und D-ILA ist nochmal doppelt so gut wie DLP. Das konnte man mit Laser als Lichtquelle nachweisen.
? Werden Sie Texas Instruments bei den Produktionskosten unterbieten, so dass D-ILA-Geräte billiger sein können als DLP-Projektoren?
Doi: Wir kennen natürlich die wahren Kosten bei DLP nicht, denn die kann nur der Hersteller selbst wirklich überblicken. Aber wir wissen, dass DLP durch seine digitale Ansteuerung der einzelnen Pixel sehr hohe Rechenleistung benötigt. D-ILA ist durch seine analoge Signalverarbeitung im Display zumindest in diesem Punkt wesentlich günstiger.
? Macht es Sie nicht nachdenklich, dass andere, wie etwa Pioneer oder IBM, diese Technologie aufgegeben haben?
Bleha: Ganz und gar nicht. Obwohl wir die Motive nicht kennen, die zur diesen Entscheidungen geführt haben, an der Technik allein lag es bestimmt nicht.
Doi: Bei uns funktioniert es, und für JVC ist jetzt schon klar: D-ILA ist wie eine Goldmine.

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D-ILA-Chip mit 3.840 mal 2.048 Pixel: Ein Prototpy, der nicht in der Roadmap vorkommt; er geht wohl so nicht in Serie.

Zur Person: William P. Bleha und Keiichiro Doi.
Sie waren die stärksten und schärfsten Projektoren der 90er Jahre: die ILA-Maschinen von Hughes-JVC. Mit Lichtleistungen von bis zu 12.000 Ansi-Lumen und Auflösungen bis 1.600 mal 1.200 konnte niemand mithalten. ILA steht für Image Light Amplification, also Bild-Lichtverstärker. Diese Technologie entstand bei der Raumfahrt-Tocher von General Motors, bei Hughes, unter der Leitung von William P. Bleha. Im Joint Venture mit JVC wurden dann die Projektoren gebaut, deren Technik unglaublich kompliziert war: Durch eine Bildröhre auf der Rückseite eines LCDs, die mit Fotozellen bestückt war, wurde das Flüssigkristall gesteuert. 1998 gelang es dann einem japanischen Team unter der Führung von Keiichiro Doi, diese Bildröhre als Steuerelement durch eine relativ einfache digitale Schaltung zu ersetzen, deswegen D-ILA genannt. An ähnlichen Technologien arbeiteten zur gleichen Zeit auch Pioneer (DRI genannt, auch NEC war beteiligt) und IBM (DLV, eingesetzt von Electrohome). Beide Firmen haben sich aber aus dieser Entwicklung zurück gezogen. JVC dagegen scheint alle Probleme in den Griff bekommen zu haben; von derzeit 10.000 Einheiten pro Monat soll die Fertigung Ende des Jahres auf 30.000 hochgefahren

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