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Ulrich v. Löhneysen, Journalist

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Hintergrund

Häufig gestellte Fragen zu HDTV
(und Antworten darauf)

"HDTV wird kommen", sagt Hans-Georg Junginger, Forschungschef von Sony Europa. Wenn Sie wissen wollen, wann warum und wie, dann lesen Sie die folgenden Fragen und die Antworten dazu. Wenn dann noch Fragen offen sind, bitte Meldung. (24. 10. 2002)

Es sind jetzt genau zehn Jahre, dass meine damaligen Kollegen in der Redaktion der Zeitschrift Video, allen voran Hans-Peter Gurr und Karl-Gerhard Haas, im Foyer des Motorpresse-Verlagshauses in Stuttgart die ersten HDTV-Vorführungen organisiert haben. Und zwar von der Fußball-Europameisterschaft und von den Olympischen Spielen in Barcelona. Wer das damals gesehen hatte, hätte nie vermutet, dass wir zehn Jahre später immer noch am Anfang stehen.

Wie ist HDTV eigentlich definiert?
Was bedeuten die Abkürzungen wie 720p und 1080i?
Wann kommt HDTV nach Deutschland?
Welche Norm wird HDTV in Europa haben?
Werden alle TV-Sender auf HDTV umstellen?
Worauf muss ich beim Gerätekauf achten?
Kann ich HDTV mit meinem Fernseher sehen?
Nützt mir HDTV auf meinem Projektor etwas?
Welcher Ton ist bei HDTV dabei?
Wann kommt die HDTV-DVD?
Kann man HDTV über US-Satelliten hier sehen?
Funktioniert HDTV auch über den PC?
Wird es Standards mit noch höherer Auflösung geben?

Wie ist HDTV eigentlich definiert?
Eigentlich gar nicht. Man rechnet aber nach gängiger Definition die beiden Formate 720p und 1080i zu HDTV, während Normen mit niedrigerer Auflösung als Standard Definition bezeichnet werden, selbst wenn sie an die Bildröhre die gleichen Anforderungen stellen, etwa 480p oder 576p. Fest steht auch, dass zu HDTV Breitbild gehört, bisher ausschließlich im 16:9-Maßstab.

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Was bedeuten die Abkürzungen wie 720p und 1080i?
Bei diesen Kürzeln bezeichnet die Zahl die Anzahl der Bildzeilen, der Buchstabe P steht für Progressive Scan, also fortlaufende Abtastung; i bedeutet Interlaced Video, also Halbbilder oder Zwischenzeilen-Verfahren. 720p steht also für Einzelbilder mit 720 Zeilen, die jeweils komplett übertragen werden, 1080i besteht aus zwei unterschiedlichen Halbbildern mit jeweils 540 Zeilen. Diese 540 Zeilen kann man natürlich zu Vollbildern kombinieren, etwa für die Darstellung auf einem Plasmaschirm oder Digitalprojektor, für sehr hochwertige Röhrenprojektoren ebenfalls. 1080i ist also die Norm mit der höchsten örtlichen Auflösung, während 720p eine höhere zeitliche Auflösung bietet, und daher für Sport zum Beispiel besser geeignet ist. Allerdings gilt das nur für die Standards in der US-Norm, wo 720p immer 60 Bilder pro Sekunde hat. Daneben gibt es 720p auch mit 30 oder 24 Bildern pro Sekunde. 1080p wird nirgends ausgestrahlt, aber in manchen Studios oder der Filmnachbearbeitung verwendet. Allerdings hat die Norm dann meistens keine 60 Bilder pro Sekunde, sondern 24 oder 30, also der Bildwechselfrequenz des Kinofilms. Um es von den TV-Standards abzuheben, wird 1080p meistens als 24p bezeichnet, also die Zeilenzahl durch die Hertzzahl ersetzt; Gleiches gilt für 25p oder 30p. Bilder mit noch höherer Auflösung nennt man zum Beispiel 2K oder 4K, womit die Zeilenzahl in Tausend (K) gemeint ist. Bildwechselfrequenz und Bildbreite richten sich nach dem Ausgangsmaterial, das in diesem Fall immer aus Film besteht. Die gelegentlich auftauchenden Buchstaben sf stehen für Segmented Frame, ein Verfahren, das mit Progressive Scan in zwei getrennten Halbbildern arbeitet – eine problemlos funktionierende Notlösung für Progressive auf dafür nicht ausgelegten Systemen.

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Wann kommt HDTV nach Deutschland?
Jetzt. Seit in den USA Filme in HD-Qualität verkauft werden, ist die Tür auf: HDTV kann nun nach Deutschland und Europa kommen. Noch sind die Stückzahlen gering und das Software-Angebot ausschließlich englisch. Doch das war auch bei den Anfängen von Dolby Digital so. Und dadurch hat sich das System letztendlich gegen MPEG-Mehrkanalton durchgesetzt, obwohl fast die gesamte Industrie andere Pläne hatte. Wann freilich die ersten deutschsprachigen Sender mit HDTV-Ausstrahlung beginnen, ist bisher unklar – noch nicht einmal, dass sie es überhaupt tun werden, ist bisher sicher. Damit sich das für einen Anbieter rentiert, müssten zumindest eine ausreichende Anzahl von HD-tauglichen Bildschirmen oder Projektoren in deutschen Haushalten vorhanden sein.

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Welche Norm wird HDTV in Europa haben?
Eigentlich weiß das heute noch niemand. Ein Sonderweg, wie er in Japan mit Muse beschritten wurde und in Europa mit HD-Mac geplant war, kommt aber nicht mehr in Frage. Standardisiert ist bisher eine HD-Ausstrahlung innerhalb des DVB-Standards, so dass die Infrastruktur dafür kein Problem wäre. Der in DVB verwendete MPEG-2-Datenstrom kann allerdings unterschiedliche Werte aufweisen, etwa 1.080 Zeilen wie in USA oder 1.035 Zeilen wie in Japan. Wahrscheinlich ist aber, dass abweichend von den bisher existierenden Systemen beim Euro-HDTV auch 50 Hertz möglich sein werden. Angesichts der weltweit sich entwickelnden HDTV-Produktion wird man aber für Europa Multistandard-Decoder einsetzen, die mit 50 und 60 Hertz klar kommen. Ähnlich ist es schon bei DVD: Euro-Player können PAL und NTSC verarbeiten, japanische und amerikanische Geräte dagegen nicht.
Ein wesentlicher Unterschied von Europa zu USA wird auf jeden Fall die Notwendigkeit sein, HDTV separat auszustrahlen. In der amerikanischen ATSC-Norm besteht für alle Geräte die Pflicht, HDTV empfangen zu können; die Sender brauchen also nur einen Datenstrom auszustrahlen. In Europa sind dagegen für Standard- und High-definition zwei Datenströme erforderlich. Das spart Daten bei Ausstrahlung in nur einer Norm, beansprucht aber mehr Platz bei paralleler Übertragung.

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Werden alle TV-Sender auf HDTV umstellen?
Nein. Vor vielleicht 15 Jahren, als man über HDTV zum ersten Mal öffentlich diskutierte, sah man das hochauflösende Fernsehen als Nachfolger heutiger TV-Normen. Mit den technischen Fortschritten im Studio und auf der Empfängerseite, mit der fortschreitenden Digitalisierung aber weiß man, dass für Bildschirme normaler Größe die "Standard Definition"-Norm ausreicht. Es wird also weder der tägliche Nachmittags-Talk noch das Lokalfernsehen auf HDTV umgestellt werden, sondern nur einzelne Programme. Das dürften Spielfilme sein, Sport und einzelne Show- und Musikprogramme - mehr nicht.

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Worauf muss ich beim Gerätekauf achten?
Die US-HDTV-Norm, und nur die ist in absehbarer Zeit relevant, wird mit zwei Kürzeln bezeichnet: 720p und 1080i. Ein Projektor, Plasmaschirm, Fernseher oder Rückprojektor sollte also unter den Videonormen diese beiden Standards aufweisen. Dafür notwendig sind meistens YUV-Eingänge. Dann ist das Gerät in der Lage, HDTV-Bilder zu zeigen. Damit die Qualität auch wirklich optimal zu sehen ist, sollte das Display bei einem 16:9-Bild mindestens 720 Zeilen zählen. Dies ist gewährleistet bei den 16:9-DLP-Projektoren, bei den besseren LCD-Breitbild-Projektoren, bei Plasma-Schirmen mit 768 Zeilen. Röhrenprojektoren können HDTV darstellen, wenn sie eine Eingangsfrequenz von 32 kHz beherrschen.

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Kann ich HDTV mit meinem Fernseher sehen?
Höchstwahrscheinlich nicht. In Europa verkaufte Fernseher haben in der Regel nur Basisband-Eingänge, also für Videosignale mit rund 15 kHz Ablenkfrequenz. Zwar können die Bildröhren von 100-Hertz-Geräten die HDTV-Frequenz von 32 kHz verarbeiten, nicht aber die vorgeschaltete Elektronik. Daher sind nur Scart-, S-Video und Video-Eingänge vorhanden. Über diese lässt sich HDTV nicht anschließen. Einige wenige Fernseher haben einen VGA-Eingang, der 32-kHz-Signale akzeptiert; HDTV wird aber als YUV-Signal übertragen, so dass ein entsprechender Wandler notwendig wird (die meisten YUV-RGB-Wandler können aber nur Standard-TV, also 15 kHz). Einige wenige neue Fernseher haben YUV-Eingänge, die Progressive-Scan-Bilder aufnehmen; in den meisten Fällen sollte hier HDTV zugespielt werden können. Wird HDTV dagegen auf 15-kHz-Ebene (Scart, Hosiden, Cinch) herunter skaliert, sind die Qualitätsvorteile weitgehend verspielt.

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Nützt mir HDTV auf meinem Projektor etwas?
Wenn er das Signal akzeptiert: ja. Denn bei einem Projektor geht man normalerweise in Bildgrößen, bei denen man praktisch jeden Pixel einzeln erkennen kann. Dann fällt auf, dass bei normalen Signalen die Farbe nicht mit der Schärfe des Schwarzweiß-Bildes übereinstimmt - die Farbdeckung ist auch bei RGB- oder YUV-Signalen nicht perfekt. Bei HDTV ist auch das Farbsignal schärfer als die Darstellung auf dem meisten Projektoren, so dass ein ganz anderer, wesentlich präziserer Bildeindruck entsteht. Das gilt selbst dann, wenn der Projektor bei 16:9 nur mit 480 Zeilen arbeitet.

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Welcher Ton ist bei HDTV dabei?
Bei US-HDTV ist Dolby Digital der Standard. Allerdings ist nicht immer garantiert, dass wirklich auch eine 5.1-Abmischung enthalten ist. Bei den bisher veröffentlichten D-VHS-Bändern ist das der Fall, nicht aber bei Mitschnitten vom Fernsehen. Denn dort ist zwar Dolby ebenfalls vorgeschrieben, kann aber auch nur in Stereo genutzt werden. In diesem Fall müsste ein ProLogic-Decoder zur Wiedergabe in Surround eingesetzt werden. In Australien ist ebenfalls Dolby Digital bei HDTV vorgesehen, genauso in Korea; in Japan kommt eine Mehrkanalvariante von AAC zum Einsatz (Advanced Audio Coding). Diese Norm wird von etlichen hochwertigen AV-Receivern verstanden, was aber von den Herstellern in Europa nicht angegeben wird.

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Wann kommt die HDTV-DVD?
Das DVD-Forum hat Anfang 2002 beschlossen, für HDTV-Filme auf DVDs eine Lösung auf Basis des roten Lasers anzustreben (4,7 GB Speicher pro Layer/Seite). Das könnte die Einführung dieser Scheibe erleichtern, weil damit beim Herstellen und Abspielen der Discs die heute verwendete Technik zum Einsatz käme. Damit das aber funktionieren kann, ist massive Datenreduktion notwendig, die noch nie in der Praxis vorgeführt wurde: HDTV mit weniger als acht Megabit pro Sekunde (8 Mbit/s). Derzeit verwenden US-Ausstrahlungen noch mehr als das Doppelte an Datenrate, D-VHS mit noch mehr, nämlich 28 Mbit/s. Wie die für DVD notwendige Datenreduktion erreicht werden kann, ist noch ungewiss, entweder mit MPEG-2 oder MPEG-4. Dieser Weg hat sicher seine Berechtigung für die Zukunft, ist aber heute noch nicht realistisch. Bei der Blu-ray Disc, die für HDTV-Aufzeichnung vorgesehen ist, steht die Festlegung eines Formats für vorbespielte Aufnahmen noch aus; ob es jemals kommt, ist unsicher. Daher ist mit HD-DVDs nicht vor 2004 zu rechnen. Neue Player werden für die HD-DVD mit rotem Laser auf jeden Fall notwendig sein; Ausnahme könnten PC-Laufwerke sein, bei denen wahrscheinlich eine neue Decoder-Lösung ausreicht.

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Kann man HDTV über US-Satelliten hier sehen?
Nein. Selbst wenn man Sichtverbindung hat, bündelt jeder Satellit seine Sendeleistung so stark auf der Zielgebiet, dass in Europa selbst mit den größten Schüsseln kein Empfang möglich ist. Es hilft also nichts, sich einen Decoder für DirecTV zu besorgen, er kann hier nichts decodieren. Das Gleiche gilt für die japanischen und koreanischen HDTV-Sender.

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Funktioniert HDTV auch über den PC?
Nur teilweise. Amerikanische Prognosen, wonach der Computer die Plattform schlechthin für HDTV werden könnte, haben sich nicht bewahrheitet. Nach unbestätigten Berichten aus USA können manche Sendungen, die auf D-VHS aufgenommen wurden, per Firewire auf den PC überspielt werden. Bei den D-Theater-Filmen, also den vorbespielten Tapes, ist das ausgeschlossen. ATSC-Tunerkarten nützen nur für den terrestrischen Empfang von HDTV in USA etwas. Wenn die HD-DVD kommt, könnten PC-Laufwerke wichtiger für HDTV werden, weil die von ihren Datenraten her auch diese Scheiben verarbeiten können. Entsprechend leistungsfähige Rechner vorausgesetzt, sollte dann sogar eine Software-Decodierung möglich sein. Eine zweite Quelle für HDTV auf dem PC ist der Internet-Download: Apples Quicktime unterstützt heute schon Auflösungen im HD-Bereich, noch wichtiger könnte Windows Media werden, das ab Version 9 auch bis zu 720 Zeilen übertragen kann, auch Real Networks hat einen entsprechenden Codec im Angebot. Ob und wo allerdings Spielfilme in einem dieser Formate angeboten werden, lässt sich heute noch nicht sagen.

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Wird es Standards mit noch höherer Auflösung geben?
Die gibt es schon, etwa 2K oder 4K, siehe zweite Frage. Wofür sie aber eingesetzt werden, ist offen – wenn man einmal von der Film-Nachbearbeitung absieht. Das japanische Fernsehen experimentiert schon seit mehr als zehn Jahren mit noch besseren Bildern, etwa doppelter Zeilenzahl, Progressive Scan oder doppelter Bildwechselfrequenz. JVC hat Anfang 2002 ein Quad-HDTV vorgestellt, das mit jeweils doppelter Auflösung arbeitet, mit 3.840 mal 2.160 Pixeln. Die D-ILA-Projektoren der gleichen Firma sollten ähnliche Detailmengen liefern (siehe D-ILA-Story); auch Sony will GLV auf 6.000 oder 8.000 Zeilen ausbauen (siehe Sony-Bildschirme).

Nochmal zehn Jahre? Bei Sendern, die heute noch nichts von Dolby Digital und 16:9-Ausstrahlung gehört haben, wird es gewiss so lange dauern. Doch auf die wird man verzichten können. (24. 10. 2002)

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