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Ulrich v. Löhneysen, Journalist
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China wird DVD-Land
Die Hersteller und ihre Geräte Ich sage nur: China, China, China", sprach Kurt-Georg Kiesinger, Kurzzeitbundeskanzler (1967 - 1969). Dieser Satz ist heute aktueller denn je, weniger wegen der Deutschen Einheit, die Kiesinger dank der Chinesen erhoffte, sondern weil sich China heute in dreifacher Form anschickt, den DVD-Markt zu erobern: Aus der Volksrepublik, der seit einem Jahr dazugehörenden Sonderverwaltungszone Hongkong und aus Taiwan schwappt in Kürze eine DVD-Welle über den Rest der Welt. Erste Vorboten sind bereits zu besichtigen: - Im Quelle-Katalog taucht ein Universum-DVD-Player für 599 Mark auf, - in der Zeitschrift "audiovision" wird ein Player namens "Home Mighty" getestet, was erkennbar ein Tarnname ist, denn das Gerät ist codefrei, wie es ein Hersteller selbst gar nicht verkaufen darf - und das für nicht einmal 900 Mark inclusive Dolby-Digital-Decoder, - der Elektronik-Versand Pearl bietet einen "Noriko"-DVD-Spieler für nur 750 Mark an, auf Wunsch sogar zum gleichen Preis in "Schweiz-Version" ohne Regionalcode, - die Münchner Firma Media-Gallery kündigt an, Esonic-Geräte verkaufen zu wollen, und zwar ebenfalls einen Dolby-Digital-Player für 900 Mark und einen tragbaren Player mit LCD-Schirm für 2000 Mark. Daß das nicht das ganze Angebot von DVD-Geräten sein wird, die nicht von den etablierten Herstellern stammen, davon kann man ausgehen. Denn zwar haben die ursprünglichen Mitglieder des DVD-Konsortiums, von Philips über Pioneer, Panasonic und Sony bis Toshiba, die Rechte am Standard und der Technologie, doch die kann jeder erwerben. Und zum anderen sind vor allem die Japaner schwungvoll dabei, die Produktion aufs Festland auszuverlagern. Und nicht nur die Japaner: Auch Philips hat gerade angekündigt, daß der Sitz der Sparte PC-Peripherals nach Taiwan verlagert wird. Bei CD-Laufwerken, Computer-Bildröhren und ähnlichen Produkten beansprucht die chinesische Inselrepublik bereits heute den Spitzenplatz weltweit. Wobei die Unternehmen aus Taiwan ebenfalls keine Scheu haben, Fertigungsstätten in der Volksrepublik hochzuziehen - meist zusammen mit lokalen Partnern, die dann das Inland beliefern. Der zweite Grund für die rasche Verbreitung der DVD in den Produktionshallen Chinas ist die Popularität der Video-CD, eines Vorläufersystems der DVD, das in Europa und Amerika nie richtig Fuß fassen konnte - allein in China stehen davon bereits 20 Millionen Player in den Haushalten. Die internationalen Konzerne, die Filmstudios und auch die chinesische Regierung drängen nun die Hersteller zur Umstellung auf DVD. Denn die Video-CD (auch als Super-VCD mit besserer Bildqualität) ist ein Dorado für Raubkopierer, weshalb die amerikanische Regierung Milliardenverluste ihrer Filmindustrie errechnet hat. Die wesentlich besser gesicherte DVD könnte dieses Problem erheblich verringern. Den chinesischen Produzenten kommt auch zugute, daß mittlerweile die Schlüsselkomponenten der DVD in ausreichender Menge verfügbar sind. Spezialisten wie C-Cube oder LSI Logic haben ihre Produktion von MPEG-2-Decodern wesentlich hochgefahren, und die Chips kommen zum nicht geringen Teil sowieso aus Taiwan. Auch haben die koreanischen Konzerne wie Samsung, LG Electronics und andere mit der Produktion von Bauteilen begonnen, um selbst von Japan-Importen unabhängig zu werden. In Taiwan haben sogar das regierungseigene Optoelectronics & Systems Laboratories die Schlüsselkomponenten für DVD entwickelt und ihre Ergebnisse anschließend an die nationalen Firmen weitergegeben. Die Firmen, die nun auf dem Weltmarkt aktiv werden, sind von unterschiedlichstem Kaliber: Da gibt es lokale Platzhirsche wie Malata aus China oder Sampo aus Taiwan. Die Firma Malata fertigt in der Sonderwirtschaftszone von Shengzhen, wo schon seit vielen Jahren Kapitalismus geübt wurde, mit rund 7000 Mitarbeitern AV-Produkte aller Art, aber auch Zahnbürsten. Lockenwickler und ähnliches. Konka zum Beispiel gehört bereits zu den Top 500 der Industrieunternehmen in China und wagt sogar den Schritt mit Digitalfernsehern auf den US-Markt. Sampo aus Taiwan hat es immerhin schon zu eigenen Plasma-Fernsehern gebracht, wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit dem lokalen PC-Spezialisten Acer und Fujitsu aus Japan. Neu auf der Szene, aber schon ein Schwergewicht ist Esonic; dahinter steht die Hoch- und Tiefbaufirma Taiwan Pacific Construction, die rund 3 Milliarden Mark im Jahr umsetzt. Die erst 1997 gegründete Tochter soll sich vor allem auf DVD spezialisieren und zieht zur Zeit eine Fertigungsstätte für jährlich eine Million Player in Shanghai hoch. Von anderem Kaliber sind Verkaufsbüros und Agenturen, die teils unabhängig, teils als Tochterfirmen oder sogar Finanziers arbeiten und meist in Hongkong sitzen. Von dort aus steuern sie die Auftragsproduktion in den diveren Fabriken in China. Besonders auffällig ist in dieser Gruppe die Firma Kithan, die angibt, ein Gerät namens DV-515 liefern zu können. Und das Bild, das diesen Player ziegt, läßt einen Pioneer-Schriftzug erahnen. Daneben, so die Firmeninformation, sei man auch für diverse andere japanische Firmen aktiv: Sony, Panasonic und JVC. Bei einer Belegschaft von nicht einmal zehn Personen ist klar, daß Kithan diese Player nicht selbst baut, sondern nur Produktionskapazitäten irgendwo im chinesischen Hinterland vermittelt. Nun hilft es aber wenig, sich selbst die Adressen oder Fax-Nummern dieser Hersteller zu besorgen. Einen Zwölfmeter-Container oder mindestens 1000 Stück muß man schon abnehmen, um dann in den Genuß von Fabrikabgabepreisen von 150 bis 200 Dollar zu kommen. Dann hat man aber noch keinen Zoll und keine Fracht bezahlt. Und dafür haben praktisch alle aktuellen China-Player noch keinen DTS-Ausgang (Ausnahme: die neuen Esonic). PAL können die Geräte fast immer, denn das ist auch die TV-Norm in China. Deshalb kann zum Beispiel der Home Mighty über USA nach Europa kommen, und auf diesem Umweg verliert er seinen Regionalcode. Und auch wer nun angesichts dieser Angebote ins Import-Geschäft einsteigen will, kann böse Überraschungen erleben. Der Esonic DV-3106 zum Beispiel wurde im Münchner AV-Top-Labor mehrfach unter die Lupe genommen, doch der Befund lautete jedesmal: "nicht verkaufbar". Inzwischen sollen die Mängel behoben sein. Doch ob das für den Erfolg genügt, steht noch in Zweifel. Bisher sind die Billigangebote nirgends der große Schlager. Angesichts der Anfangsprobleme des DVD-Systems vertrauen viele Käufer eher den Markennamen, die von Anfang an mit der Entwicklung verbunden sind. Auch wenn das - wie viele Erfahrungen aus der Praxis zeigen - noch keine Garantie für immer störungsfreien Betrieb ist. Wenn die DVD sich jedoch weiter etabliert, die Startschwierigkeiten zwischen Hard- und Software ausgemerzt sind, wird sich durchsetzen, was Hitachi-Produktmanager Roland Fritsch vorhersagt: "Taiwan wird DVD-Land" - Taiwan und bald auch ganz China. Hersteller und ihre Geräte Danitec, Taiwan hat sich auf ein Modell in hohen Stückzahlen spezialisiert, den D-1000, der in sechs Farbvarianten angeboten wird; daneben gibts den P-100, einen tragbaren Player mit 14-cm-Schirm. Denca, Hongkong gehört zur Ngai-Lik-Gruppe und wurde ausschließlich für die Herstellung von DVD-Playern gegründet. Modell: DVD-100E. Esonic Technology Corp., Taiwan hat bereits fünf DVD-Geräte im Angebot, nämlich die Typen D-23 und D-24, DV-3106S und DV-3306, von denen der 3106 ursprünglich über Vollbild-Ausgang verfügen sollte; daneben gibt's den Moviewalker, einen tragbaren Player mit integriertem LCD-Schirm (14,7 cm Diagonale). Esonic-Player werden in Deutschland über Media-Gallery, München, angeboten. Fortex Industrial, Hongkong vertreibt den FT-4312 mit und ohne Mitsing-Ausstattung (Karaoke). Fujian Furi Industrial Trade, China bietet einen Luxusplayer an, den DV-2000A für PAL/NTSC, der neben Karaoke-Funktion auch DD-Decoder und YUV-Ausgang hat. Himage Electrical Appliance, Hongkong verkauft DVD-Player, die aus der gleichen Quelle wie Shenzen Super Industrial und Newland stammen dürften. Auch hier nur ein Typ, der DVD-990. Kithan, Hongkong ist nur ein Verkaufsbüro für Produkte aus China; zur Zeit wird nur der DV-515 angeboten, der dem gleichnamigen Pioneer zum Verwechseln ähnlich sieht. Die Firma wirbt aber damit, auch für JVC, Panasonic und Sony zu fertigen. Konka Group Co, China hat drei Geräte im Programm, den D-1800 mit DD-Decoder, den D-2000 und den KD-1500 für PAL und NTSC, der auch DD kann und für Karaoke tauglich ist. Malata, China stellt den DVD-N880 her, einen Kombiplayer für DVD und Super-VCD, der NTSC und PAL kann. Newland Electronic, China bietet den SV-2000 an, einen Player für den Heimmarkt mit allen Formaten (SVCD, CD-I, DVD); Ähnlichkeiten mit Shenzhen Super Ind. (China) und Himage (Hongkong). Ngai Lik Electronics, Hongkong exportiert den DVD-100E mit DD-Decoder. Qutek International, Taiwan baut den D-1000, einen Player der zweiten Generation (MPEG-Out und 10-Bit-Video/24-Bit-Audio). Sampo, Taiwan stellt in Taiwan und China verschiedene DVD-Player der DVE-Reihe her. Shenzhen Super Industrial, China bietet den D-990 an, auch für Karaoke geeignet. Thakral Electronics, Hongkong fertigt in China unter dem Markennamen Noriko die Modelle DVD-360, 380 und 390, mit einer Karaoke-Variante namens 390K. Noriko wird in Deutschland über den Pearl-Versand vertrieben.
China, Taiwan, Hongkong auf der Funkausstellung Die meisten Hersteller aus China stellen - wenn sie überhaupt vertreten sind - in Halle 26 aus, wo es auch Gemeinschaftsstände von Taiwan und Hongkong gibt; Esonic ist in Halle 17 zu finden
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