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Ulrich v. Löhneysen, Journalist

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Herzblut für Grundig

Langsam wird sichtbar, wie sich der neue Hauptaktionär Anton Kathrein die Grundig-Zukunft vorstellt, nachdem er viel Geld hinein gesteckt und "Herzblut investiert" hat. (27. 6. 2001)

Ein strategischer Partner wird gesucht
Das Multimedia Home heißt Lenaro.
Drahtlos digital auch beim Bild.
Allerlei mit MP3.

Ein Radioreporter sprach ihn versehentlich mit "Herr Grundig" an: Anton Kathrein ist der neue Herr im Hause Grundig – und einer, der keine halben Sachen macht. Er besitzt bereits 89 Prozent der Aktien, die restlichen elf Prozent kann er in zwei Jahren übernehmen. Kathrein scheint endlich wieder die Art von unternehmerischer Führung in die Firma zu bringen, die in den langen Philips-Jahren und dem Interregnum danach so schmerzlich vermisst wurde. Ab sofort ist es sein Geld, das er riskiert, wenn er Fehler macht. Er riskiert es.

Ein strategischer Partner wird noch gesucht, aber kein Finanzinvestor oder gar einer, der die Firma ganz übernehmen möchte. "Am guten Namen hätten viele ein Interesse", sagt Kathrein, aber der sei nicht zu haben. Was mit Zenith in den USA passiert ist, nachdem LG die Mehrheit übernommen hatte, hat sich wohl auch hier rumgesprochen. Wer könnte nun solch ein Partner sein? Die Koreaner sind entweder aus dem Rennen oder schon verbandelt, die beiden Europäer (Philips, Thomson) kommen nicht in Frage. Kooperationen hat Grundig bereits mit Sanyo (Videorecorder und Kameras), vor allem aber mit Toshiba, woher etwa der Rückprojektor Accoro stammt oder zahlreiche Bildröhren. Toshiba ist Kathrein aber "zu nah", weist also zu viele Überschneidungen auf. Mein Vorschlag wäre ja die Sharp-Pioneer-Allianz (siehe Meldung vom 4. 8. 2000), aber das zählt ja bekanntlich nicht. Kathrein denkt eher an einen Chip- oder Komponenten-Hersteller, und da wurde von einer Nürnberger Zeitung mal Intel ins Spiel gebracht – schwer zu sagen, ob es in deren Strategie passen würde, sich an der Nummer fünf der europäischen Unterhaltungs-Elektronik zu beteiligen. Eher ist da noch Motorola vorstellbar (siehe Meldung vom 12. 6. 2001) oder Texas Instruments, ein Partner aus PAL-plus-Tagen selig. Unter den japanischen Chip-Herstellern fällt einem NEC ein, die bereits mit Grundig zusammen anbeiten (aber die sind bereits bei Thomson eingestiegen). Oder vielleicht Mitsubishi Electric, das neben Komponenten auch ein erfolgreichen TV- und Rückpro-Geschäft in USA betreibt? Noch ist alles offen, sagt Anton Kathrein. Der muss es wissen.

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Die Multimedia Home Platform (MHP) wird eines der großen Themen auf der Funkausstellung sein. Grundig fasst den Begriff aber etwas weiter und versteht darunter auch DVD, Harddisc-Recording, Dolby Digital und MP3, alles reingepackt in einen Breitbild-Fernseher namens Lenaro. Klar, dass das Gerät auch Digital-TV empfangen kann, im MHP-Standard, sobald der bei Grundig fertig ist – was im Frühjahr 2002 der Fall sein soll. Beruhigend auch für Käufer der ersten Stunde ist aber, dass der Lenaro mit allen Features nachgerüstet werden kann, die zum Start noch nicht verfügbar sind, also etwa dem integrierten Harddisc-Modul. Welche Ausstattung genau das Flaggschiff Lenaro 92 anfangs haben wird, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall fällt es in die Kategorie "All singing, all dancing", wie man so sagt. Daneben wird es noch einen Lenaro 84 mit 4:3-Schirm (bäh!) geben, ebenso einen Lenaro 82 im 16:9-Format. Keine Formatwahl will Grundig dagegen Käufern von LCD-Schirmen gestatten: Hier wird es Anfang nächsten Jahres einen 23-Zöller geben, der Breite zu Höhe 16:9 aufweist.

Grundig Lenaro: Das neue multimediale Flaggschiff bietet"Bild und Ton in höchster Erlebnisqualität", sagt man beim Hersteller.

Grundig LCD-Fernseher: Noch Zukunftsmusik ist dieser 23-Zoll-Flachfernseher im 16:9-Format. Das Bild war auch nur aufgeklebt.

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Digital drahtlos verbinden will Grundig seine Geräte schon möglichst bald. Digitaler Ton ist schon möglich, Bild dagegen nur analog. Die Technologie der Wahl heißt deshalb bei den Nürnbergern Hiper-LAN wireless, denn nur hier hat man die Bandbreite wirklich zur Verfügung: 50 Mbit/s sind im Frequenzband von 5,6 MHz möglich, während.Bluetooth im Bereich von 2,4 MHz zurzeit auf gerade mal 1 Mbit/s kommt. Natürlich wird man diese Technologie nur dort einsetzen, wo man sie wirklich braucht, nämlich für das Bild. Dann kann man hier nämlich mit relativ milder (und billiger) Datenkompression arbeiten, also im Bereich von 30 Mbit/s, entsprechend dem, was in DV-Camcordern verwendet wird. Das hat auch den Vorteil, dass es keine großen Zeitverzögerungen auf dem Übertragungsweg gibt. "Grundig geht drahtlos" ("goes wireless") heißt der Slogan auch bei Lautsprechern, Multi-Room-Systemen und anderen Geräten. Besonders interessant ist diese Technologie natürlich für den Aufbau eines eigenen Heim-Netzwerks mit zentralem Server, auf den man aus verschiedenen Räumen und für diverse Anwendungen zugreifen kann.

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Allerlei mit MP3 umfasst bei Grundig diverse Geräte, die vor allem am Doppel-X zu erkennen sind, etwa Mpaxx.oder so ähnlich (das hilft angeblich, damit junge Leute die Dinger kaufen). Die DVD-Spieler der Marke, unter dem Namen Xenaro jetzt selbst in Wales gefertigt (siehe auch Meldung vom 2. 10. 2000) spielen selbstverständlich das Audio-Kompressionsformat, das nicht einmal 20 Kilometer entfernt in Erlangen Süd entstanden ist. Die Fernsehgeräte namens Lemaxx sind – neben der Möglichkeit, E-mails zu empfangen – auch mit einem MP3-Slot ausrüstbar; über ihn kann man die Karte des mobilen Players direkt ohne PC aufladen.
Grundig Hydros: Weil's so hübsch aussieht, hier noch das Duchradio. Ist aber wirklich nur ein Rundfunk-Empfänger.

Anton Kathrein hat alle Anwesenden auch wissen lassen, dass der Name Grundig in Singapur immer noch einen sehr guten Klang habe. Und dann hat er erählt, dass er mit seiner eigenen Marke gerade in Korea Marktführer geworden sei – nach 20 Jahren. Denn viel Glück.

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