IFA 2001
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Loewe goes west
Siegmund Loewe hat zusammen mit Manfred von Ardenne auf der Funkausstellung 1931 einen Versuchsaufbau für die TV-Übertragung vorgestellt. 70 Jahre später steht der Aufbau wieder auf dem Loewe-Stand, zusammen mit den neuesten Kreationen für Fernsehen die zu einem großen Teil US-Einflüssen zu verdanken sind. (6. 8. 2001)
Zusammen mit Bose auf neuen Wegen.
Großbildschirme auch für HDTV.
Surround-Klang mit Dolby und Circle.
Man muss nicht Marktführer sein, um sich wohlzufühlen. Andere mögen größer sein, aber mehr Profit als bei Loewe wirft die Fernseher-Produktion bei kaum einem Hersteller ab. Wie kommt's? Eine geschickte Design-Strategie, das Image des Technik-Pioniers und Konzentration auf die eigenen Stärken machen den Erfolg der Oberfranken aus, die Grundig immer einen oder zwei Schritte voraus sind auch wenn sie noch nicht so groß sind, wie die Nürnberger bald klein werden müssen.
Eine Allianz erster Güte hat Loewe gerade abgeschlossen und zwar mit Bose. Nicht ganz gleichberechtigt, darf man erwarten, denn die Amis sind nicht mehr oder weniger als die Nummer eins bei Lautsprechern rund um den Globus. Es wird also auch keine Loewe-Fernseher mit Bose-Markenschild drauf geben, genauso wenig wie Bose-Anlagen mit Loewe-Pickerl. Die Franken werden sich aber bei Bose Audio-Know-how besorgen und, noch wichtiger, Bedienkonzepte und auch DVD-Player. Bisher kaufte man die bei Philips, was aber zur Folge hatte, dass sie nicht so recht zu den eigenen Fernsehern passen wollten; vor allem in punkto Bedienung und Benutzer-Oberflächen. Deswegen hat man bisher auch auf integrierte Lösungen von TV und DVD verzichtet. Die wird es in absehbarer Zeit geben, doch zuerst kommen eigene Produkte, die teilweise Bose-Technik enthalten. Vor allem wird es so sein, dass sich die Geräte wechselseitig mit den Fernbedienungen steuern lassen; der erste Schritt wird die Angleichung mit dem Lifestyle-50-System von Bose sein. Loewe bringt damit auch ein völlig neues Bedienkonzept, realisiert erstmalig in der Premium-Linie, die auf der Funkausstellung zu sehen sein wird. Sie ist vor allem im Design eigenständig, etwa bei einer kreisrunden Fernbedienung oder bei einem DVD-Player, der aussieht wie ein Notenständer. Die entsprechenden Bildschirme wird es als LCD (aus Gemeinschaftsentwicklung mit Sharp), Röhre oder Plasma geben.

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Loewe Premium DVD-Player: im Design eigenständig und hoffentlich auch kippsicher, in der Bedienung vereinheitlicht mit den Konzepten von Bose. |
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Den größten Fernseher Europas hat Loewe nun in Form des Aconda 93102ZW im Angebot, doch der ist eigentlich ein Ami. Denn Loewe ist seit mehr als zwei Jahren in USA vertreten, wo der Vertrieb von Sensory Science besorgt wird, ehemals bekannt als Go Video, einer Firma, die sich vor allem dadurch hervor tat, dass sie die Hollywood-Studios mit Doppel-Recordern ärgerte. Später benannte man sich um, kaufte Edelschmieden wie CAL dazu und wurde kürzlich von SonicBlue, früher S3 und bekannt vor allem für Grafikkarten und die Rio-Player, geschluckt. Zusammen übrigens mit ReplayTV, einem der Erfinder des Festplatten-Videorecorders. Komplizierte Geschichte. Jedenfalls ist für den US-Markt ein 32 oder auch 36 Zoll großes Gerät noch viel zu klein, wenn man sich als High-end-Marke profilieren will. Also folgt die nächste Stufe, ein 40-Zöller (den die Amis aber korrekterweise 38 Zoll groß nennen, wegen der sichtbaren Fläche). Probleme sind nur: Solche Bildröhren werden in Europa gar nicht gebaut; und die Röhren aus Mexiko nach Kronach schaffen und das fertige Produkt zurück, wäre auch unsinnig. Daher lässt man den Monster-Aconda gleich drüben bauen, dort wo auch die Röhre herkommt: bei Thomson in Mexico. In der Euro-Version wird das 100-Hertz-Chassis verwendet, auf der Vorab-Pressekonferenz kam aber die US-Version zum Einsatz, gespeist natürlich mit HDTV-Material. Man will ja zeigen, was das Gerät kann, nicht die Beschränkungen des PAL-Systems vorführen.
Scherz am Rande: Die neuen Loewe-Fernseher können YUV-Signale verarbeiten (15 kHz, kein Progressive), also die Form, wie sie von vielen DVD-Player abgegeben wird aber nicht von den aktuellen Loewe-Modellen. Dazu muss nur die Scart-Buchse umgeschaltet werden, dann genügt ein Adapter von dreimal Cinch auf Scart. Es ist hier also genau anders herum als bei Sony, wo es die Player können, aber nicht die Fernseher.
Noch größer als 40 Zoll geht es aber mit Röhren wirklich nicht mehr, und die Plasma-Schirme sind nicht immer die perfekte Lösung. Also denkt man bei Loewe über Rückprojektoren nach, wobei es vor zwei Jahren bereits ein Chip-Projekt für ein europäisches Chassis auf Basis der LCoS-Entwicklung von IBM-Japan gab; nachdem das eingestellt wurde, schwenkt man wahrscheinlich auf DLP ein, denn auch Carl-Zeiss-Jena ist mit von der Partie (zusammen damals mit Infineon, dem Heinrich-Hertz-Institut und der TU Ilmenau). Die Thüringer Nachbarn der Oberfranken haben sich einen guten Namen als Entwickler und Produzenten von Light-engines auf DLP-Basis gemacht (siehe Meldung vom 24. 6. 2001). Ein fertiges Produkt wird aber wohl noch zwei Jahre brauchen.

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Loewe Aconda 93102ZW: Der größte Fernseher Europas ist ein Amerikaner; die Röhre ist HDTV-tauglich, das Chassis nicht. Preis rund 10.000 Mark. |
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Digital tönen wird Loewe natürlich auch. So hat der große Aconda Dolby Digital mit an Bord, auch wenn er selbst mit einem integrierten Sat-Empfangsteil den Digitalton von ProSieben und Premiere World nicht direkt verarbeiten kann. Auch kleinere Modelle lassen sich mit dem Digitalton bestücken, seit Micronas einen entsprechenden Chipsatz dafür liefert. Interessant auch, dass sich die Kronacher in punkto analogem Surround von Dolby abwenden und hin gehen zu Circle Surround der Firma Smart Devices. Hauptsache amerikanisch.
PS: Damit keine Missverständnisse aufkommen Loewe beherrscht Euro-Technologien wie DVB-T und MHP natürlich auch. Sie sind bei fast allen neuen Modellen nachrüstbar. Das gleiche gilt für ein Online-Modul und Zap2Web, einen Internet-über-TV-Dienst des ZDF. Modular aufgebaute Chassis machen es möglich.
O-Ton-Loewe: "Wir sind Spezialisten für das Bild und immer stärker auch für den Don". Ich höre es immer wieder gern, das Fränkisch.
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