IFA 2001
Zur IFA-Startseite
Philips mit der Feile
Auf seiner Pre-IFA-Präsentation in Nordwijk bei Amsterdam hatte Philips wenig Überraschungen zu bieten. Auf dem Programm stehen vielmehr Feinheiten: Man feilt mehr als dass man erfindet. Bis auf eine Ausnahme, aber die ist schon länger bekannt. (22. 6. 2001)
Der DVD-Recorder läuft vom Band.
Flache Fernseher werden kleiner.
DVD-Player sind überall.
Heimkino-Projektion heißt nun Monroe.
Musik kommt aus dem Internet oder von der Mini-CD.
Mit großen Erwartungen fahren die Philips-Manager nach Berlin. Denn die Firma hat zwar schon in den letzten Jahren immer wieder neue System und Technologien präsentiert, selten jedoch mit so viel Hoffnung verbunden wie in diesem Jahr. Denn mit der bespielbaren DVD im +RW-Standard. Und tatsächlich scheinen die Chancen gut, damit fast im Alleingang einen Industriestandard etablieren zu können auch wenn man davon ausgehen muss, dass es auf absehbare Zeit keine Vereinheitlichung geben wird.
Der DVD-Recorder DVDR 1000 läuft nun tatsächlich vom Band, wenn auch in Vorproduktion. Philips lud daher Journalisten im Anschluss an die Pre-IFA-Präsentation nach Hasselt in Belgien ein, wo derzeit rund 100 Stück des DVDR pro Woche gefertigt werden. Zur Funkausstellung soll das Gerät bereits in deutschen Läden stehen, wobei die offizielle Preisempfehlung auf 1.999 Euro lautet, also knapp unter 4.000 Mark. Der große Vorteil des Systems ist bekannt: Es schreibt immer und überall kompatible DVDs, die sich auf praktisch allen heutigen Playern ansehen lassen. Möglich ist die Aufzeichnung in vier Qualitätsstufen, wobei sich die Laufzeit entsprechend verkürzt. Im HQ-Modus passt nur eine Stunde auf die DVD+RW-Disc, weshalb diese Betreibsart vor allem für Camcorder-Aufnahmen gedacht ist, die über die i-Link-Buchse an der Vorderseite eingespielt werden können. Der Zweistunden-Modus ist der Standard und soll nahezu die Qualität vorbespielter DVDs liefern (was aber schon deswegen kaum möglich ist, als derart hochwertige Quellen wie bei der DVD-HErstellung zu Hause gar nicht zur Verfügung stehen). Will man drei oder gar vier Stunden aufnehmen, muss man LP oder EP wählen, wobei dann aber die maximale Auflösung von 720 mal 576 auf ein Viertel reduziert wird, nämlich auf 360 mal 288 Pixel. Diese Qualität, so die Philips-Verantwortlichen, sei immer noch besser als VHS. In Hasselt bestand tatsächlich die Möglichkeit, das Gerät schon mal auszuprobieren. Und es ist in der Tat beeindruckend, wie einfach und selbstverständlich das Bearbeiten von Aufnahmen auf einer solcher Scheibe ist. Ob die angepeilte Zielgruppe der Videofilmer allerdings auf den DVDR 1000 abfahren wird, muss offen bleiben. Schließlich bietet das Gerät zum Beispiel keine Möglichkeit der Nachvertonung. Für Filmsammler stellt sich vor allem ein Problem: Die Leer-Discs kosten über 50 Mark, also mehr als die meisten fertigen DVDs. Die aber haben mehrere Tonspuren, Untertitel, Mehrkanal-Digitalton, interaktive Funktionen und Zusatzfeatures alles Dinge, auf die man bei selbst bespielten DVDs verzichten muss (zum DVDR 1000 siehe Meldung vom 23. 6. 2000).

Philips DVDR 1000: Vor allem Videofilmer sollen sich für den DVD-Recorder von Philips begeistern. Sie können über den Digitaleingang vorne am Gerät direkt überspielen, während andere Aufnahmen nur analog möglich sind. Das Gerät kommt zur IFA in den Handel und kostet rund 4.000 Mark.
nach oben
Plasma-Fernseher, da ist man sich in Eindhoven sicher, blieben bisher nicht deswegen in den Läden stehen, weil sie zu teuer waren. Sondern zu groß. Also macht man sie etwas kleiner. Nach dem 42-Zoll-Modell gibt es nun auch ein 32-Zoll-Display, den 32PF9964. Zum ersten Mal bei Philips hat dieser Plasma-Fernseher ein HD-Panel, kann also wesentlich höhere Auflösungen darstellen. Das größere Modell muss bekanntlich mit 480 Zeilen, also weniger als PAL liefert, auskommen. Beim neuen Gerät dagegen sind 1.042 Zeilen aktiv, zu jeweils 852 Bildpunkten. Das Panel kommt immer noch von FHP, dem Joint Venture von Fujitsu und Hitachi (siehe Meldung vom 1. 5. 2000), auch wenn Philips nun durch die Zusammenarbeit mit LG Electronics Zugriff auf Plasma im eigenen Haus hätte. Die sollen aber erst in etwa zweieinhalb Jahren zum Einsatz kommen. Auf jeden Fall zeigte der kleinere Plasma-Schirm brillante Bilder; einzig in den Rottönen waren noch gewisse Probleme zu sehen. Zum Bildschirm gehört auch eine separate Tuner-Anschluss-Einheit mit VGA- und YUV-Eingängen. Im Design passend dazu wird es DVD-Player, AV-Receiver und mehr geben. Darf man für rund 16.000 Mark ja auch verlangen (Preis ist noch nicht offiziell).
LCD-Fernseher will Philips ab Januar 2002 anbieten und zwar in den Größen 15 und 20 Zoll. In beiden Geräte werden Displays aus dem LG.Philips-Werk zum Einsatz kommen. Die gezeigten Prototypen waren aber noch nicht funktionsfähig.

|
|
|
|
Philips 32-Zoll-Plasma: Der 32PF9964 hat ein hochauflösendes Panel und wird ein hochauflösendes Preisschild tragen, wenn er im September in die Geschäfte kommt. Neben dem Tischfuß wird es auch Wand- und Stand-Optionen geben.
|
|
nach oben
Bei DVD-Playern verbreitert Philips sein Angebot. Interessantester neuer Abspieler ist der DVD Q50, das erste Gerät für MP3-Disc. Auch äußerlich hebt es sich mit seiner Alu-Front angenehm vom sonstigen Einerlei ab, innerlich bietet es einen Digitaldecoder für Dolby und DTS, 54-MHz-Video-Processing und zahlreiche Bild-Optimierungsmöglichkeiten. An der Rückseite finden sich jetzt auch YUV-Ausgänge. Der Q50 wird im August zu kaufen sein. Ein zweiter interessanter Player kommt erst zum Jahresende und wird etwas unterhalb des SACD 1000 angesiedelt: Der DVD 962SA kann ebenfalls die Super-Audio-CDs im Mehrkanalformat abspielen, kostet aber nur rund die Hälfte des Topmodells, nämlich rund 2.000 Mark. Daneben steigt Philips nun auch in das Geschäft mit DVD-TV-Kombis ein, wo man bisher freundlicherweise der Konkurrenz den Vortritt ließ. Ein 28-Zoll- und zwei 32-Zoll-Geräte sollen ähnlich erfolgreich werden wie die Philips-Kombis von TV und VHS, wo man rund die Hälfte des Marktes für sich reklamiert.

|
|
|
Philips DVD Q50: Ein DVD-Player im neuen Look und mit neuer Technik. Er spielt als erster in der Philips-Range auch CDs mit MP3-Files ab, kann natürlich CD-R und CD-RW, Dolby Digital und DTS; Preis rund 1.500 Mark.
|
nach oben
Projektoren fürs Wohnzimmer hatte Philips nicht mehr im Programm, nachdem keiner den Fellini kaufen wollte. Nun kommt eine Variante der im Winter gestarteten cBright-Serie, optimiert für Video: der Monroe (nicht Marilyn, sondern Philips Monroe). Bei 1.000 Ansi-Lumen Nennleistung nennt Philips einen Kontrast von 350:1, was für LCDs heute nichts mehr sensationell wäre außer, man erreicht den Wert wirklich. Die verwendeten Panels gehören in die SVGA-Kategorie (800 mal 600 Pixel). Interessant macht ihn zum Beispiel die 120-Watt-Lampe, deren Lebensdauer zwischen Druck der Pressemeldung und Vorstellung von 4.000 auf 6.000 Stunden anstieg. Anschluss-seitig glänzt er mit dem "HDTV-ready"-Feature, was hoffen lässt, dass er möglichst alle heutigen und zukünftigen Videonormen akzeptiert. Mit dem "Philips Air System" kommt er auch auf bescheidene 32 dB Geräuschentwicklung. Der endgültige Preis steht noch nicht fest, könnte aber bei rund 6.000 Mark liegen.
|
|
|
|
Philips Monroe: Mit speziellem Videodecoder, Luftsystem und Anschlüssen fürs Home Cinema optimierter LCD-Projektor aus der Reihe cBright beziehungsweise cSmart.
|
|
nach oben
Musik macht Philips natürlich ebenfalls, wenn auch in etwas ungewohnter Form. So hat die Firma die CD-Single von acht Zentimetern Durchmesser wieder aus dem Papierkorb geholt, wo sie nach eigenem Eingeständnis gelandet war. Der EXP 401 aus der eXpanium-Serie von CD-Playern spielt nur die Winzlinge ab, weshalb man ihn mit Fug und Recht den kleinsten CD-Spieler der Welt nennen darf. Damit mehr als 20 Minuten Musik drauf passen, soll man die Musik im MP3-Format auf die Rohlinge brennen, die demnächst von Philips geliefert werden (etwa zum gleichen Preis wie 12-cm-Leerdiscs). Auch AAC wäre erlaubt, der interne Decoder kann es. Damit lassen sich Spielzeiten bis zu drei Stunden realisieren und man kann mehr als eine Disc mitnehmen, was bei MP3-Playern sonst schwierig ist, weil man selten mehr als einen Speicherchip besitzt. Andererseits ist das Gerät wesentlich klobiger als aktuelle MP3-Abspieler. Bleibt die Frage, ob hier die Vorzüge von CD und MP3 kombiniert wurden oder eher die Nachteile. Eine zweite ungewöhnlich Neuheit ist die Mikroanlage FW-i1000, das erste Internet-Radio in Europa. Neben Dreifach-CD-Wechsler, Dual-Kassettendeck und schrillem Design bietet es einen direkten Zugang zu allen Internet-Radiostationen, die in MP3 oder AAC senden; die werden per iM-Tuning-Service direkt von Philips eingestellt, so dass immer eine aktuelle Liste aller Sender im Gerät verfügbar ist. Funktionieren wird das Gerät ab Anfang 2002 aber in Europa nur über Breitbandzugang (DSL oder Kabelmodem).

|
|
|
|
Philips EXP 410: Ein Abspielgerät für MP3-CDs im Acht-Zentimeter-Format.
|
|

|
|
|
|
Philips FW-i1000: Internet-Radio über Breitband-Zugang, lieferbar ab Anfang nächsten Jahres.
|
|
Aber eigentlich sind das alles Peanuts. Wichtig ist für Philips nur, dass DVD+RW ein Erfolg wird.
nach oben