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Ulrich v. Löhneysen, Journalist

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Sony auf eigenen Wegen

So wie es andere Firmen machen, das ist nichts für Sony. Im Sony-Universum gelten andere Gesetze, man ist schließlich der Größte, Schönste und überhaupt. Die anderen dürfen folgen (19. 8. 2001)

Digital Wega ist MHP á la Sony.
Micro MV macht Camcorder kleiner.
Ohne MP3 geht's doch nicht.

Natürlich orientiert sich ein Weltkonzern wie Sony nicht ausschließlich am Termin einer Ausstellung fernab in Deutschland. Aber es ist doch eine gute Gelegenheit, mal zu demonstrieren, was man so alles in der Entwicklung hat. Der gemeinsame Nenner bei den meisten Neuheiten aus dem Hause Sony lautet: Internet. Hier nur eine kleine Auswahl.

Mit dem Fernseher namens Digital Wega steigt Sony nun in den DVB-Empfang ein, freilich nicht mit Set-top-Boxen oder ähnlichem. Das Digital-Empfangsteil gehört in der Fernseher, was die Bedienung erleichtert und die Qualität verbessert. Der neue Digital Wega, Typbezeichnung KD-32NS100 verwendet nicht nur die DVB-Norm, sondern bereits die MHP-Erweiterung, den Standard für interaktive Anwendungen über digitales Fernsehen. Nachdem hier in nächster Zeit nur Ausstrahlungen über Satellit zu erwarten sind, hat der Sony-Fernseher einen solchen Empfänger drin, Kabel und Terrestrik sind bei den anvisierten Publikum ohnehin out – der Digital Wega kostet rund 7.000 Mark. Natürlich könnte man den Entwicklungsaufwand für MHP besser wieder hereinholen, wenn man mit dieser Technologie auch einen separaten Empfänger bauen würde. Aber man ist schließlich Sony, man hat's nicht nötig. Der bei MHP notwendige Rückkanal wird hier per Telefonleitung realisiert, zukünftig könnte man hier auch eine Bluetooth-Lösung finden.
In Japan ist
man bei diesem Gerät allerdings schon eine Stufe weiter: Da kann der Fernseher auch schon selbst im Internet browsen und hat einen i-Link-Anschluss (Firewire, IEEE 1394) für die Verbindung zu Camcorder, Set-top-box oder externer Festplatte für Videoaufzeichnung; auch ein Memory-Stick-Adapter ist vorgesehen, so dass Fotos von Sony-Digitalkameras direkt betrachtet werden können.

Sony Digital Wega, Designer Phillip Rose: Der erste Sony mit digitalem Sat-Empfänger ist ein eleganter 32-Zöller. "Tomorrow starts" im November in Form von MHP.

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Micro-MV-Kassetten hat die Welt bis zum 18. August noch nicht gesehen; da endete die Sperrfrist. Während andere über Disc-Camcorder nachdenken, sei es mit DVD oder Harddisc, macht Sony ein neues Kassettensystem. Denn die bisherigen Geräte waren einfach immer noch viel zu groß – oder? Das neue System arbeitet mit einer Kassette in Briefmarkengröße, die völlig ausreicht, weil man weniger Daten speichern muss. MV steht nämlich für MPEG-Video, während bisher digitale Camcorder mit der wesentlich üppigeren DV-Kompression DCT arbeiten. Inzwischen hat man gelernt, wie man MPEG-Material bildgenau nachbearbeiten kann, obwohl nicht alle Einzelbilder komplett vorhanden sind. Sony und andere praktizieren das in Profi-Geräten schon länger. Sorge um die Bildqualität ist trotzdem nicht angebracht: Micro MV verwendet Datenraten von rund 12 Mbit/s, was der Qualität von DV entsprechen sollte.
Dass Sony noch ein neues Kassettensystem erfindet, muss das jemand stören? Nicht wirklich, denn es es noch nicht so lang her, dass die Firma mit Digital-8 überraschte, der Aufzeichnung im DV-Standard auf 8-mm-Kassetten. Kaum ist das System zwei Jahre auf dem Markt, findet sich mit Hitachi auch schon ein Lizenznehmer. Bei Camcorder-Systemen kommt es ohnehin nicht so sehr auf die Austauschbarkeit an, weil man davon ausgeht, dass in den meisten Fällen das Material nachbearbeitet und auf ein anderes Format überspielt wird. Micro MV eignet sich gewiss nicht für Archivierung, denn die Kassette wird nur mit 64-MB-Memory geliefert, worauf Index-Bilder und weitere Informationen zur Datenverwaltung gespeichert werden; das ist nicht zum Nulltarif zu haben. Bedenken wegen eines neuen System kränkeln Sony aber nicht an. Mit Micro MV sind Camcorder möglich, die nur halb so groß sind wie mit DV; und in diesem Segment zählen die Produktvorteile mehr als die Austauschbarkeit von Kassetten.
Das Topmodell DCR-IP7 hat freilich weitere Besonderheiten. Mittels Bluetooth-Adapter und passendem Mobilfon kann man sich direkt ins Internet einwählen und Filme in verringerter Auflösung übertragen (abgesehen davon, dass es wohl ziemlich Fehlanzeige ist mit den Händies höherer Bandbreite). Hatte die frühere Generation von Sony-Camcordern das Kürzel PC in Namen, um ihre Verbindbarkeit mit Computern zu betonen, steht IP wohl jetzt für Internet Protocol. Denn mittelfristig sollen alle Sony-Geräte mit IPv6-Kennungen ausgerüstet werden, die eine individuelle Adressierbarkeit im Internet erlauben.

Sony DCR-IP7: Der erste Camcorder mit den winzigen Micro-MV-Kassetten kann auch telefonieren. Preis rund 4.600 Mark plus 800 Mark für den Bluetooth-Adapter. Etwas billiger ist das Modell IP5 für 4.100 Mark, das keine Netzwerk-Anbindung bietet.

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MP3 hätte man bei Sony natürlich gerne vermieden. Schließlich hat man mit Atrac eine ähnliche Technologie im Programm. Hier allerdings kollidieren zwei Sony-Prinzipien, nämlich der Vorrang des Internet und das Setzen eigenen Standards. Gewonnen hat schließlich auch hier das Internet, wo MP3 der Standard für Musik ist. Nach und nach gibt Sony seinen Widerstand gegen MP3 auf, was bei MD-Geräten beginnt, die diese Norm in Atrac wandeln und bei dem neuen CD-Brennern nicht aufhört, der nun auch MP3-Dateien direkt wiedergeben kann. Bei DVD-Playern ist man nun praktisch die letzte größere Firma, die kein Gerät für MP3-Wiedergabe im Programm hat. Dafür gibt es nun Memory-Stick-Walkmänner, die MP3 direkt abspielen können – ohne vorherige Wandlung in Atrac; NW-E7 und NW-E10 im Feuerzeug-Design kosten 700 beziehungsweise 900 Mark. Noch cooler geht man mit dem NW-E8P, einem Kopfhörer, der allein spielt, denn er hat einen 64-MB-Speicher eingebaut. Hochgeladen wird die Musik in den Chip per OpenJukebox, einem Programm, das MP3, WAV oder WMA in Atrac3 wandelt. Wofür hat man schließlich eigene Standards?
Sony DVP-F21: Die neuste Ausgabe des Design-DVD-Players kann immer noch kein MP3.
Sony NW-E8P: Ein Kopfhörer, der Musik macht dank 64-MB-Speicherchip. Preis rund 900 Mark.

Weitere Neuheiten von Sony sind eigentlich keine, so etwa die Projektoren VPL-HS1 oder VPL-VW11HT; auch die diversen Super-Audio- oder DVD-Player hat man teilweise schon auf der Cebit oder der High-End sehen oder hören können.

Sony wird ganz Berlin zuplakatieren mit "Tomorrow starts today. Discover Digital TV. Sony @ IFA 2001. Hall 18 – go create. Sony". Ein Kollege meinte, Sony sollte sich mal wieder zum Gebrauch der deutschen Sprache committen.

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