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Ulrich v. Löhneysen, Journalist

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IFA 2001

Thomson kann's auch

Die deutsche Niederlassung von Thomson nennt sich mit Stolz die "am schnellsten wachsende Marke in Deutschland". Jetzt will man zeigen, dass man zu den ganz Großen gehört. (28. 6. 2001)

Plasma-Fernseher mit DVI-Eingang.
MP3 ist ein großes Thema.
Home Cinema jetzt komplett.
Bei neuen Technologien mit am Ball.

Weltweit ist der französischen Konzern Thomson Multimedia die Nummer vier der Unterhaltungelektronik. Doch zwei Drittel des Umsatzes werden in USA gemacht, wo der Konzern bei TV Marktführer ist. In Deutschland scheint der Übergang von den Marken Nordmende und Telefunken zu Thomson demnächst abgeschlossen. Auf der IFA wird es "noch" Telefunken-Fernseher geben, sagt Vertriebsleiter Jürgen Gelber. Doch ein Ende der Traditionsmarke ist absehbar.

Plasma-Fernseher heißen bei Thomson Wysius und hier steht eine interessante Neuheit ins Haus: Zwei neue Modelle mit 42 und 50 Zoll Diagonale kommen zur Funkausstellung mit dem digitalen DVI-Eingang. Der ist vor allem dafür gedacht, die hauseigene "Front-end-Box" anzuschließen, einen speziellen Empfänger mit allen Anschlüssen, so dass kein Kabelgewirr am Flachbildschirm mehr nötig ist. Diese Box lehnt sich konstruktiv an das neue TV-Chassis ICC21 an, das zusammen mit Micronas (der früheren Infineon-Sparte Video) entwickelt wurde. Sie dient gleichzeitig als Linedoubler, da die Plasma-Schirme immer Progressive-Scan-Signale brauchen; wie gut die deutschen Chips aber das heikle Thema Linedoubling beherrschen, wird noch zu beweisen sein. Die Empfangs-Box soll ins Rack mit anderen Geräten gestellt werden, wobei das DVI-Kabel bis zu fünf Meter lang sein darf. Will man nur Videosignale darüber senden, sind nach Angaben der Entwickler auch Längen bis zehn Meter unproblematisch, nur die Nutzung des VGA-Eingangs ist bei solch langen Leitungen kritisch. Das DVI-Signal entspricht exakt der Norm, so dass an die Box auch zum Beispiel Projektoren mit Digitaleingang angeschlossen werden können. Es wird sie nämlich auch ohne das Thomson-Display geben. Selbst eine Version mit eingebautem DVD-Spieler ist angedacht, wobei zu erwarten ist, dass die Kiste dann nur das eigene Plasma-Panel erkennt und sonst nichts (zur DVI-Problematik bei DVD siehe Meldung vom 16. 6. 2001). Der 42-Zoll-Plasma wird rund 20.000 Mark kosten, der 50-Zöller über 30.000 Mark. Möglicherweise wird es auf dem IFA-Stand auch einen 61-Zoll-Plasmaschirm zu sehen geben, das ist aber noch nicht sicher. Kooperationspartner bei Plasma ist NEC, Anteilseigner bei Thomson (zusammen mit Microsoft, Alcatel und DirecTV).

Thomson Wysius: Der Plasma-Schirm von 50 Zoll wird über 30.000 Mark kosten; er hat eine Auflösung von 1.365 mal 768 Pixel. Rainer Zwing vom Thomson-Labor in Villingen führte den Prototyp mit DVD und HDTV vor (die schwarze Kiste neben dem Schirm ist der HD-Decoder aus USA).

Thomson Front-end-Box: Diese Kiste (oben ein Prototyp) verbindet analoge Quellen per DVI mit einem Plasma-Panel; auch ein TV-Tuner ist eingebaut. Wann sie kommt und was sie kostet, ist noch offen.

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MP3 gehört zu den bevorzugten Themen bei Thomson, weil man selbst an der Entwicklung beteiligt war und als kommerzieller Lizenzgeber für die Technologie fungiert. Es wird ab der Funkausstellung bei den deutschen Franzosen nicht weniger als 15 Geräte geben, die MP3-Dateien wiedergeben können. Dazu gehören die Festspeicher- und die CD-Player aus der Lyra-Serie, aber auch drei neue DVD-Spieler mit Namen DTH 5000, DTH 5200 und DTH 5400 (mit Dolby-Digital-Decoder). Daneben beginnt Thomson nun mit der Vermarktung von MP3pro, einer weiterentwickelten Version, die bessere Klangqualität bei geringerem Speicherbedarf bieten soll, ähnlich wie AAC (siehe Meldung vom 30. 4. 2001). Anders als AAC ist MP3pro aber mit heutigen Abspielgeräten für Standard-MP3 kompatibel, wenn auch um den Preis einer verschlechteren Tonqualität gegenüber normalen MP3-Files. Ein Gerät, das MP3 erzeugt, gibt es dagegen bei Thomson in Deutschland noch nicht; der Media-Manager der Hausmarke RCA (siehe Bericht von der CES) bleibt jenseits des Teichs.

Thomson DTH 5400: Die neuen Player der Marke können alle auch MP3 abspielen, die Weiterentwicklung MP3pro aber noch nicht in voller Qualität.

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Home Cinema gehört ebenfalls zu den bevorzugten Thomson-Themen, wofür man die Marke Scenium ins Leben gerufen hat. Zur Funkausstellung will man zum Beispiel eine komplette Range von DVD-TV-Kombinationen anbieten, die von 14 bis 36 Zoll reicht. Zur Abrundung bietet man den Dolby-Digital-Receiver DPL-2000 sowie ein Set recht flacher Boxen plus Subwoofer, die bei Jamo zugekauft werden. Das ganze Paket mit dem 36 Zoll großem DVD-Fernseher soll dann rund 7.000 Mark kosten; Händler, die entsprechenden Umsatz machen, erhalten eine Vorführecke installiert.

TV-Portable Digital: Selbst bei 14 Zoll (34 cm) baut Thomson in tragbare Fernseher bereits DVD-Player ein. Das größte Modell dagegen hat 90 cm Diagonale.

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Neue Technologien wird es bei Thomson ebenfalls reichlich geben, so zum Beispiel den LCoS-Rückprojektor von der CES (siehe Bericht); er soll wahrscheinlich ab Januar 2002 in Deutschland zu haben sein. Bei DVD-Recordern, auch das nichts Neues, ist man ebenfalls am Ball; es wird ein DVD+RW-Modell geben, das in begrenzter Zusammenarbeit mit Philips entstand (auch der von der CES bekannt). Interaktives Fernsehen hört bei Thomson auf den Namen TAK, nachdem man auf Druck des Anteilseigners Microsoft die Kooperation mit Sun bei OpenTV aufgeben musste (schade, das ist heute der Marktführer in diesem Segment, siehe FUN-Receiver); TAK läuft in Frankreich zur Probe und wird in den nächsten Monaten auch nach Deutschland kommen – die neuen Chassis sind darauf vorbereitet. TAK war schon vor zwei Jahren ein Thema auf der IFA. LCD-Fernseher sollen in Berlin ebenfalls zu sehen sein, wie bei allen großen TV-Geräteherstellern, aktiv ist Thomson genauso beim Zukunftsthema OLED-Bildschirme, den organischen Leuchtdioden. Auf dem Rückzug, das wurde indirekt bestätigt, befindet man sich dagegen bei Bildröhren; japanische Zeitungen meldeten, dass man sich in der Endphase von Gesprächen mit Matsushita befindet, deren Ziel die Zusammenlegung der Röhrenaktivitäten ist. In Europa wären davon vor allem das Panasonic-Werk in Esslingen und Videocolor in Anagni (Thomson, Italien) betroffen.
Panasonic-Röhrenwerk in Esslingen: bald Teil eines Joint-Ventures von Thomson und Matsushita? Bei Plasma arbeitet Thomson dagegen mit NEC zusammen.
Gut gefallen hat allen Anwesenden die Ankündigung von Marketingleiter Emanuel Funk-Moreau, dass die Sportschau am 1. 9. anlässlich des "DVB-Pokals" vom Thomson-Stand auf der IFA übertragen würde. DVB steht hier ausnahmsweise nicht für Digital Video Broadcast, sondern, so Funk, für "Deutscher Vußball-Bund".

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