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Interaktives Fernsehen
der größte Quark seit Milram
Interaktives Fernsehen ist heute schon Realität. Doch es fehlt an Ideen, Inhalten wie am Interesse der Zuschauer. Und ich bezweifle, dass sich das jemals entscheidend ändern wird.
Der folgende Text entstand ursprünglich für eine Firmenzeitschrift (Q - Das Compaq-Magazin); weil es aber dazu mehr zu sagen gibt, habe ich noch einiges ergänzt vor allem meine Meinung.
Inhalt:
1: Was alles interaktives Fernsehen sein kann
2: TV und Internet: Was es gibt, was man braucht
3: Web-Adressen
4: Meine bescheidene Meinung: Quark

Prost, Andreas, halte durch: 75 Minuten allein im Internet können ganz schön lang sein.
Was alles interaktives Fernsehen sein kann: Vom Internet-Geflimmer bis zum Festplatten-Videorecorder
Andreas ist bekennender Kaffeetrinker (siehe oben) und wahrscheinlich der einsamste Moderator im deutschen Fernsehen. Zu Beginn seiner Show begrüßt er die Zuschauer einzeln und persönlich, nämlich Magoth, Joachim, Knorkeburg ("Schön, dass du wieder dabei bist") und einen gewissen Liveback. Dieses Quartett sitzt aber nicht im Studio, sondern zu Hause vor dem PC.Andreas ist allein mit einer Kamera, einem Redakteur, einem grauem Vorhang als Hintergrund und dem Schild "bobTV".
Denn dieser Berliner Sender sendet nur im Internet. Das Besondere dabei: Alle Zuschauer sind gleichzeitig auch Showteilnehmer. Der Moderator ist zu sehen in einem kleinen Fenster, das Quartett der Zuschauer findet sich in einem Chat-Raum zusammen. Kurz nach 19 Uhr, da beginnen immer die Live-Shows auf bobTV, stößt auch noch "Wasserfloh" hinzu. Moderator Andreas ist da schon fast bei seinen ersten Fragen angelangt, denn er muss die Sendezeit von 75 Minuten ganz alleine füllen. Die Spezialität von bobTV sind "Quizze", wie Sprecher Clemens Glade formuliert; Knorkeburg und Co antworten im Chat auf die Fragen und bekommen dann in einem weiteren Fenster den aktuellen Punktestand angezeigt. Am Schluss winken 140 Punkte oder Gewinne wie eine Flasche Wodka.
Das also ist das interaktive Fernsehen, das Medium, dem die Zukunft gehören soll, wenn man Technologie-Gurus wie Ossie Urchs glaubt. Niemand sitzt mehr passiv vor der Glotze, die Trennung von Zuschauer und Macher ist aufgehoben. Jeder ist Herr seines Programmes, das Internet holt die ganze Welt im Live-Bild auf den Schirm. An allen Ecken und Enden der Medienbranche sprießen in diesem Jahr die interaktiven TV-Pflanzen aus dem Boden: Da gab es am 21. Mai den ersten interaktiven "Tatort", mit Ulrike Folkerts und der interessanten Frage "Wird Zora Jeschke sterben?", die Zuschauer über einen digitalen TV-Empfänger beantworten konnten. Da gab es am 27. März in England zum ersten Mal einen interaktiven Werbespot: Die angepriesene Fertigsauce für ein Huhngericht konnte per Knopfdruck angefordert werden. Zur Fußball-Europameisterschaft konnten die Zuschauer Günter Netzer in der ARD nicht nur zu bestimmten Zeiten hören, sondern seine Kommentare auch zu jedem beliebigen Zeitpunkt herunterladen - direkt in den Fernseher, zusammen mit einer Fülle von Bildern und Text-Informationen. Die Telekom eröffnet die "Streamworld", einen eigenen Internet-Sender für Fernsehen und Video übers Netz. Bertelsmann erprobt das interaktive Fernsehen in seiner Broadband Group, die Pilotprojekte in Metropolen wie Frankfurt, Köln und Delmenhorst einrichten will.
Der erste Blick auf bobTV lässt aber an der Zukunft verzweifeln. Das Mini-Fensterchen mit dem Videostream hat die Detailqualität eines byzantinischen Mosaiks, aber zu sehen gibt's ohnehin nicht viel. Der Ton kommt völlig asynchron zum Bild von Andreas, und seine Frage ist erst einmal unverständlich. "Können Wellen stechen?" ergibt erst bei der Beantwortung Sinn. Ja, Libellen können stechen, hört man den Moderator sagen. Aber weder 56k-Modem noch ISDN sind für Fernsehen wirklich geeignet, zu knapp sind die Übertragungs-Kanäle.
Bewegte Bilder fressen im multimedialen Verbund am meisten Speicherplatz und Bandbreite. Ein Textdokument kann in 4000 Byte (4 KB) schon eine Menge Informationen enthalten, ein Musikstück kommt mit vier Millionen Byte (4 MB) auf einige Minuten Spielzeit, während vier Milliarden Byte (4 GB) erst einem abendfüllenden Kinofilm ausmachen - und das trotz höchst entwickelter Kompressionsverfahren, die das Datenaufkommen schon um den Faktor Hundert und mehr reduziert haben. Sich einen solchen Film mit heutiger Modem-Technik herunter zu laden, würde eineinhalb Tage dauern. Da fährt man in die nächste Videothek und hat den Film schon wieder zurückgegeben, bevor der Download abgeschlossen ist.
"Das Internet ist ein Sammelsurium von Autobahnen und Feldwegen", sagt Werner Lauff, Präsident der Bertelsmann Broadband Group, "und es wird noch viele Jahre lang keine Bildschirm füllenden Videos übertragen können." Zumindest nicht von jedem beliebigen Server zu jedem beliebigen Nutzer im Netz. Allein für die Hacker-Attacke, die Ende 1999 eines der weltgrößten Portale, nämlich Yahoo, lahmlegte, genügte eine Datenmenge, wie sie eine Kleinstadt-Videothek an einem guten Feierabend abwickelt.
Zwar entwickelt sich das Internet rasend schnell weiter. Die Deutsche Telekom AG etwa errichtet bis Herbst 2000 zehn so genannte Points of Presence im Bundesgebiet, also Hochleistungs-Server für Videoabruf. "Das sind die leistungsfähigsten Sendestationen im europäischen Internet", behauptet Telekom-Sprecher Martin Lichtenthäler, "ausgelegt für mehrere 10 000 Videostreams." Das gilt freilich nur, wenn die Teilnehmer über ISDN oder Modem zugreifen; kommen schnellere Verbindungen (T-DSL) dazu, schrumpft die Kapazität auf rund 200 Videostreams.
Selbst bei zehn solcher Server - und denen anderer Anbieter - ist das Internet also noch Lichtjahre davon entfernt, dass jeder der 30 Millionen TV-Haushalte in Deutschland auf ein beliebiges Video- oder TV-Programm zugreifen könnte. Pessimisten sehen dieses Stadium als unrealistisch an; die Kosten dafür seien nicht aufzubringen: "Warum sollte ein Internet-Provider den Zuschauern ein TV-Angebot zum gleichen Preis anbieten, zu dem sie es per Satellit beziehen nämlich kostenfrei?" fragt Professor Ulrich Reimers, einer der Entwickler des europäischen Digitalfernsehens DVB. "Die Nutzung des Punkt-zu-Punkt-Mediums Internet für das Überspielen eines Films verbraucht enorm große Ressourcen", meint der Braunschweiger Nachrichtentechniker im Interview mit Focus Online.
Also rückt das weltweite Web ganz nahe an den Zuschauer heran, in Gestalt von Videoservern für Straßenzüge oder Wohnblocks, für einzelne Häuser oder auch nur Haushalte. So sehen die Pläne der Bertelsmann Broadband Group Datenverteilerstellen zu Beginn der "letzten Meile" zu den Haushalten vor, also dort, wo heute Kabelkopfstationen stehen. Die Daten müssen aber nicht unbedingt über das TV-Kabel zu den Nutzern kommen, genau so gut funktioniert es über DSL-Modems oder Richtfunk-Verbindung; zukünftig könnte sogar der Mobilfunk-Standard UMTS die Verbreitung übernehmen. Auf diesen Servern liegen nicht nur Spielfilme zum Abruf bereit, sondern ebenso Internet-Funktionen wie E-Mail oder E-Commerce. TV-Sender sollen dort ihre Produktionen zur Weiterverwertung anbieten können, etwa einen Beitrag des Reisemagazins Voxtours über Mallorca (Vox gehört zur Bertelsmann-Gruppe). Der wird den Zuschauern angeboten, die sich für eine Reise auf die Insel interessieren, mitsamt Wetterkanal, Flugbuchung und Blick auf die verfügbaren Hotels. Über den Server bestellt der Reisende noch einen Reiseführer bei BN.com (gehört auch zu Bertelsmann) und absolviert einen Schnell-Sprachkurs für Anfänger. "Mui bien", sagt dazu Werner Lauff von der Broadband Group.
Weniger gut wird das die Landbevölkerung finden, die bleibt von solcher Versorgung abgeschnitten. Über Satellit lässt sich diese Verteilung nicht organisieren, zumindest nicht direkt. Statt dessen müssten Server in den einzelnen Häusern diese Funktion übernehmen. Ansätze dazu existieren in Form der Festplatten-Videorecorder, wie sie in den USA von TiVo oder Replay angeboten werden. Noch ist deren Speicherkapazität zu gering, aber mittelfristig ließe sich dort ebenfalls der breitbandige Inhalt zwischenspeichern, der beim Bertelsmann-Projekt in den Servern ruht. Heruntergeladen per Satellit etwa in wenig betriebsamen Nachtzeiten, liefert er dann das volle Programm auf Abruf. Damit der Kunde nicht vorher entscheiden muss, was er sehen will, hat der französische Konzern Thomson Multimedia eine Verschlüsselung entwickelt. Erst wenn der Film oder das Musikstück bezahlt ist, wird es von der Festplatte freigegeben.
Am Geld wird sich letztlich auch entscheiden, wie und wo Internet und Fernsehen zusammen wachsen. In punkto Technologie besteht daran kein Zweifel, wie Louise Kehoe, Silicon-Valley-Korrespondentin der Financial Times, feststellt. "Aber das gleiche", schreibt sie, "gilt auch für praktisch jede andere Branche, etwa Elektrizität und Verkehrstechnik." Dass man sich künftig zum Anschauen von Sportübertragungen oder Spielfilmen vor den Computer setzen wird gilt als genauso unwahrscheinlich wie die Vorstellung, seine Steuererklärung am Fernseher zu machen. Seit Warner sein Pilotprojekt für interaktives Fernsehen in Orlando Anfang der 90er Jahre nach Millionenverlusten einstellte, weiß man in der Medienbranche, dass nicht alles, was technisch machbar ist, von den Zuschauern auch gewollt und bezahlt wird.
Im Internet wie über Satellit ist Interaktiv-TV heute schon Realität. Wofür die Zuschauer es brauchen, das wissen die Macher aber selbst noch nicht genau, wie Lothar Kerestedjian, einer der Initiatoren des deutschen FUN-Projekts zugibt: "Wir werden sehen, welche Ideen die Zuschauer ansprechen." Das Problem ist nur: Wenn zum Beispiel bobTV Erfolg hat, wird Andreas seine Teilnehmer nicht mehr persönlich begrüßen können. "Hallo Solari, freut mich, dass du auch dabei bist."

Andreas von bobTV: Jetzt sind wir schon fünf.
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TV und Internet: Was es gibt, was man braucht
Web-TV: Die US-Firma startete 1997 mit Set-top-Boxen, die das Internet auf den TV-Schirm bringen - in einer redaktionell bearbeiteten Auswahl. Im Jahr darauf übernahm Microsoft die Firma, es kamen Versionen der Box mit Tuner und mit Festplatte hinzu. Damit können nun auch interaktive TV-Sendungen realisiert werden, indem bei bestimmten Inhalten ein Internet-Fenster das Fernsehprogramm ergänzt. Dank Festplatte (siehe Stichwort TV-Server) lässt sich das Ganze jetzt auch zeitversetzt nutzen. Die Firma WebTV ist in Europa noch nicht aktiv, ähnliche Boxen für Internet auf dem Fernsehschirm bieten hier Grundig, Metabox, Loewe, Daewoo und andere an.
Open TV: Ein Betriebssystem für Digitales Fernsehen, das die Integration interaktiver Elemente erlaubt, entwickelt von Sun Microsystems. Es wird benutzt für die Digitalausstrahlung von ARD, ZDF, RTL und anderen über Satellit, ebenso von der britischen BSkyB-Gruppe. In diesem Standard wurden interaktive Sendungen wie "Verstehen Sie Spaß?" und der "Tatort: Der schwarze Ritter" ausgestrahlt, ebenso Werbespots mit Bestell-Möglichkeit in England. Der Empfang ist nur über Satellit und digitale Set-top-Box im FUN-Standard ("Free Universe Network") möglich, bei BSkyB nur über speziellen Decoder.

Szene aus dem interaktiven "Tatort": Wird Zora
Jeschke sterben? Wir wissen es nicht.
MHP: Die Multimedia-Home-Platform basiert auf dem europäischen Standard für digitales Fernsehen DVB und der Programmiersprache Java; mit ihnen können interaktive Anwendungen für Fernsehen über alle Verbreitungsformen entwickelt werden, für Satellit, Kabel oder terrestrische Ausstrahlung ebenso wie für Internet oder Richtfunk. FUN-Decoder sollen MHP-Programme empfangen können, wenn nächstes Jahr mit der Ausstrahlung begonnen wird.
Internet-TV-Sender: Als Streaming Video, also kontinuierlich gesendete Datenströme, oder zum Download von Dateien bieten zahlreiche Internet-Sites bewegte Bilder und Töne an, teilweise verbunden mit interaktiven Funktionen (wie bei bobTV). Europäische Internet-Sender liefern meist nur Daten für 28k- oder 56k-/ISDN-Modems, US-Sites meist auch für höhere Übertragungsraten. Aufgrund des Internet-Protokolls (IP) können aber bei Live-Übertragungen Aussetzer auftreten, da Datenpakete bei Engpässen im Netz warten müssen. Die populärsten Software-Programme für Internet-TV sind der Real-Player und der Windows Media Player. Beide können aus dem Internet heruntergeladen werden.
TV-Server: Das Internet als Übertragungsmedium für TV-Sendepläne und Programminhalte nutzen die beiden US-Firmen TiVo und Replay, die Festplatten-Videorecorder anbieten. Sie funktionieren wie kleine Server, die dem Nutzer beim Einschalten eine Fülle von Programmen anbieten. Diese wählt das Gerät nach den vorher eingegebenen Vorlieben oder den bisherigen Sehgewohnheiten aus. Weil die Festplatte beim Fernsehen immer mitläuft, erlauben die Server auch das Stoppen von Live-Übertragungen während der Sendung; so kann zum Beispiel nach einem kurzen Telefonat das Programm dort fortgesetzt werden, wo es angehalten wurde. Werbepausen lassen sich dann per Skip-Funktion überspringen. Der erste derartige TV-Server in Deutschland kommt von Fast, er kostet rund 5000 Mark. Auch andere Firmen wie Axcent, Micronik, Grundig oder Philips wollen ähnliche Geräte in Deutschland anbieten, zu deutlich günstigeren Preisen.
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Web-Adressen:
www.streamworld.de - Internet-TV-Seite der Deutschen Telekom AG
www.it-tv.de - Internet-Portal für Videoübertragungen
www.tv66.de - Internet-Fernsehen mit Show, Musik, Wirtschaftsforum
www.presse-tv.de - Pressekonferenzen live im Internet
www.bobtv.com - interaktive Gameshows über das Internet
www.fun-tv.de - Homepage des interaktiven TV-Projekts Free Universe Network (ARD, ZDF, RTL und andere)
www.windowsmedia.com - Homepage für Inhalte im Windows-Media-Player-Format von Microsoft; mit Möglichkeit, das Programm herunter zu laden
www.real.com, www.film.com - Seiten für den Real-Player von Real Networks; mit Möglichkeit, das Programm herunter zu laden
www.tvtv.de - Leitseite für den Programm-Guide des TV-Servers der Firma Fast
Meine bescheidene Meinung: Interaktives Fernsehen ist Quark
Wir können die Technik-Diskussion gerne beenden: Es ist ziemlich egal, ob das Internet irgendwann auf die tausendfache Kapazität des heutigen Netzes ausgebaut werden wird, nur damit jeder Zuschauer an jedem Ort dieser Erde jeden Videobeitrag, der irgendwo je gefertigt wurde oder gerade gefilmt wird, sehen kann. Nein: Entscheidend ist die Frage, ob interaktives Fernsehen jemals funktionieren kann.
Es kann im Rahmen von Zuschauerbeteiligung funktionieren, so wie schon beim "Goldenen Schuss", als Prominente mit verbundenen Augen per Telefon dirigiert wurden. Oder man kann über bestimmte Dinge abstimmen lassen, per TED oder per Klospülung (das Wasserwerk misst den Verbrauch - hat es schon gegeben!). Das Internet ändert an diesen Möglichkeiten kaum etwas. Manches geht einfacher, manches ist weniger zufällig.
Oder mit interaktivem Fernsehen ist gemeint, dass man mehr Informationen bekommen kann als heute über Videotext. Auch akzeptiert. Das sind dann sozusagen Video-Daten, eben nicht nur Text, sondern auch Töne, Bilder und mehr, wie es von der ARD bei Olympia aus Sydney gemacht wird. Auch eine Art automatischer Verknüpfung von Bildschirminhalten mit dem Internet erscheint mir sinnvoll. Web-TV macht es vor.
Quark wird die Vorstellung vom interaktiven Fernsehen aber dann, wenn ich die Idee höre, man könne dem CNN-Moderator seinen Kommentar zur gerade gehörten Meldung ins Studio schicken. Das kann ich ja jetzt schon, indem ich zum schnurlosen Telefon greife und den Sender anrufe. Ob ich ihm den Kommentar so oder so schicke, es wird den Moderator herzlich wenig interessieren. Denn der ist gerade im Stress und will gar nicht wissen, was irgendwelche 20.000 Zuschauer davon halten. Wenn er es wissen will, dann kann ich auch jetzt schon anrufen. Daran wird sich auch zukünftig nichts ändern - denn ein zugeschalteter Ton ist immer TV-gerechter als ein mitlaufender Text aus einer E-mail.
Fernsehen ist nun mal ein Massenmedium, und das wird auch dadurch nicht anders, dass theoretisch die Möglichkeit für Jedermann besteht, selbst im Internet zu senden. Auch Zeitungen können heute auf jedem billigen Rechner hergestellt werden (ich spreche hier aus Erfahrung), aber macht es derwegen Jedermann? Das Entscheidende ist doch die Professionalität. Amateuren beim Dilettieren zuschauen, konnte man schon in den Offenen Kanälen der 80er Jahre. Aber niemand hat es getan, deswegen wurde sie abgeschaltet.
Noch grotesker wird die Vorstellung, auch Spielfilme sollten interaktiv werden. Schon die ersten Versuche, über die Handlung abstimmen zu lassen, waren ein Fiasko: Was soll schon überraschend und spannend an einer Geschichte sein, deren Fortgang ich gerade bestimmt habe? Es gibt nur eine konsequente Weiterentwicklung, und das sind die Videospiele von heute. Wenn sie wirklich einmal Filme zum Mitspielen werden, dann ist hier ein neues Medium entstanden, das es so noch nicht gegeben hat. Ich denke sogar, dass das die Kunstform des 21. Jahrhunderts werden wird, wenn man den Film als die Kunst des 20. Jahrhunderts ansieht. Aber Videospiele sind eine neue Form, nicht das Kino, nicht das Fernsehen von heute.
Das Fernsehen von heute wird in seiner Form weiter bestehen, egal, wie die technische Entwicklung im Internet oder sonstwo weitergeht. Wobei ich nichts dagegen hätte, es besser zu machen - doch das ist eine andere Geschichte.
Und sorry wegen der Überschrift, liebe Firma Milram. Aber Ihr macht doch den größten Quark im Lande, oder?
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