Das wird die Freunde des besten Bildes schmerzen: Pioneer wird den Progressive-Scan-Ausgang an seinen DVD-Spielern nicht PAL-tauglich machen. Weil es keinen brauchbaren Standard dafür gebe, so die Begründung, werde auch an den europäischen Modellen Progressive Scan nur bei NTSC-Discs aktiv sein - auch eine Lösung des Problems (siehe mein Spezial), aber eine sehr unelegante. Da tröstet auch nicht, dass schon die obere Mittelklasse in Form des zukünftigen DV 737 Progressive Scan haben wird (Preis rund 2.200 Mark). Der DV 939 wird in Europa der erste DVD-Audio-Spieler von Pioneer sein, er soll rund 3.500 Mark kosten, wenn er Ende des Jahres zu haben ist. Früher will Pioneer das Gerät nicht starten, weil noch zu wenig Software zur Verfügung steht. Es wird aber der erste DVD-Player sein, der VRF lesen kann, also das Video Recording Format, in dem die Pioneer-DVD-Recorder Discs beschreiben. Eine Kuriosität am Rande: Während Pioneer bei CD-Wiedergabe an allen Geräten, also auch den DVD-Playern inklusive DV 939, die Bits von 16 auf 20 hochrechnet (genannt "High Bit Legato Link"), stehen bei DVD-Audio-Wiedergabe am Digitalausgang nur 16 Bit parat, obwohl die Disc mit 24 Bit arbeitet - aber das verlangt die Kopierschutz-Vorgabe des DVD-Audio-Standards.
Und damit elegant weiter zu den Verstärkern: Hier ist der VSA-E08 anzukündigen, das erste THX-EX-Gerät für die 6.1-Norm von Lucasfilm und Dolby (siehe Meldung vom 26. 9. 1999). Auf die zusätzlichen Endstufen für den hinteren Mittenkanal hat man aber verzichtet, weil man nicht alle Kunden mit Kosten belasten will, auch wenn sie keine Zusatz-Zusatz-Speaker montieren möchten. Der VSA-E08 ist mit 5.000 bis 5.500 Mark teuer genug. Für 6.1-Nutzer gibt's dann passend die Zweikanal-Endstufe M10X, die unter 1.000 Mark liegen soll (sucht mal schön). Um bei allen kommenden Normen auf der sicheren Seite zu sein, hat man dem Gerät einen 7.1-Eingang und einen entsprechenden Vorverstärker-Ausgang mit acht Kanälen gegönnt. Wofür das sei, wollten wir natürlich gern wissen. Die Japaner, die beide Geräte in München vorbeibrachten, sagten da nur: Man weiß nie. Wirklich? (28. 6. 2000)
Pioneer DV 939: DVD-Audio- und VRF-tauglich, aber Progressive-Signale nur bei NTSC-DVDs.
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Dolby Laboratories: Vom Erfinder zum Geldeintreiber. Heute kam auch die deutsche Version der Meldung über Dolby ProLogic 2. Diese Norm soll alles vorhandene Zweikanal-Material so aufbereiten, dass es über 5.1-Anlagen harmonisch wiedergegeben werden kann. Das gilt gleichermaßen für Stereo- wie Surround-Quellen. Eine spezielle Codierung in der neuen Norm gibt es also nicht. Seit mehr als zwei Jahren wurde bei Dolby daran gearbeitet, ich habe Anfang 1998 erstmals darüber geschrieben. Was ich aber nicht erwartet hätte: Dolby hat die Arbeiten daran mehr oder weniger eingestellt und eine Fremdentwicklung übernommen. Was jetzt ProLogic 2 heißt, wurde von Jim Fosgate, dem Chef der Car-Hifi-Firma Rockford-Fosgate ausgetüftelt - Experten bescheinigen ihm gute Arbeit. Dolby gibt nun seinen Segen dazu und sammelt Lizenzgebühren ein. Und das ist nicht das erste Mal:
MLP, die Datenreduktion bei DVD-Audio, wurde von Meridian in England entwickelt. Und wer geht mit dem Klingelbeutel rum? Die Herren von Dolby.
AAC entstand als MPEG-2 Audio NBC und wird nun vor allem fürs Internet verbreitet; wesentlich beigetragen haben dazu das Fraunhofer-Institut in Erlangen, AT&T und Sony, das Inkasso macht Dolby.
Dolby Headphone für Kopfhörer stammt von Lake DSP aus Australien; nur der Name kommt daher, wo das Geld hin muss: San Francisco, 100 Potrero Avenue, Dolby Laboratories.
Es macht halt jeder das, was er am besten kann. (27. 6. 2000)
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DVD-Spezialitäten von Philips: Potz 1000! Mit drei neuen Oberklasse-Geräten wird Philips im nächsten halben Jahr aufwarten, die allesamt seit der IFA einigermaßen bekannt waren. Doch nun nehmen sie endlich Gestalt an - und tragen auch schon Preisschilder. Die Themen sind Super-Audio, Recordable und Progressive, wobei alle drei der gleichen Design-Linie folgen.
Der Super-Audio-Player SACD 1000 stand im Mittelpunkt einer Präsentation in Amsterdam am 21. Juni. Logisch, denn die Konkurrenz trommelt gerade für DVD-Audio. Eigentlich sollte das Gerät auch diese Norm beherrschen, doch diesen Plan haben die Holländer nach dem Kopierschutz-Debakel wieder aufgegeben. Offensichtlich sieht man die Chancen für das Sony-Philips-Format SA-CD wieder besser als noch vor einem halben Jahr, denn DVD-Audio könne man bringen, heißt es. Doch der Markt müsse es schon verlangen - was bekanntermaßen fraglich ist. Das Besondere am SACD 1000 ist, dass er auch ein vollwertiger DVD-Player mit integriertem 5.1-Decoder ist und dass er daher auch SA-Discs multichannel-mäßig ausgeben kann. Fast alle anderen Player dieser Gattung sind bisher nur für Stereo ausgelegt. Mangels fertiger Scheiben im Mehrkanalformat kamen die meisten Demo-Stücke von der Festplatte, da sie noch im Studio-Stadium waren, darunter auch ein Stück der Guano Apes, die aggressiv mit den Multichannel-Funktionen spielen. Weil Künstler und Produzenten von den Fähigkeiten der SA-CD so begeistert seien, erklärten die Philips-Manager, bestünden Hoffnungen, auch andere große Firmen außer Sony Music für das Format zu gewinnen. Man spreche mit allen . . .
Der DVD-Recorder DVDR 1000 teilt mit dem anderen 1000er das Design und auch den Starttermin: Ende des Jahres wird es die ersten funktionsfähigen Exemplare aus Serienfertigung geben, im Laufe des ersten Quartals soll die Produktion dann in Schwung kommen. Etwas höher als bei der Funkausstellung erwartet der Preis: Das Dreifache eines hochwertigen DVD-Players heißt es jetzt, also etwa 4.000 Mark - auch hier. Nichts Neues beim Thema Plusminus-Kompatibilität (siehe Bericht vom 20. 3. 2000). Die Vorteile des +RW-System müssten gewahrt bleiben, sagt Frank Pauli, Verantwortlicher für das Disc-Business bei Philips.
Der Progressive-Player DVD 1000 dürfte aber die meiste Begeisterung auslösen, denn Philips macht es richtig: Statt YUV über Komponenten wird das Gerät einen VGA-Ausgang haben, was den Anschluss fast aller Datenprojektoren sehr einfach macht (siehe mein Spezial). Und deren Bild mit Sicherheit wesentlich besser. Auch der dritte 1000er wird im gleichen Design gehalten, es gab von ihm in Amsterdam aber noch kein Muster. Dafür kommt er als erster des Trios (im Oktober), und er ist der Billigste: rund 2.500 Mark sind vorgesehen.
Jetzt wünsche ich mir noch das Modell 3000: Einen DVD-Recorder mit Progressive-Scan und SA-CD-Wiedergabe. (23. 6. 2000)
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Philips SACD 1000: der Super-Audio-Player beherrscht Sechskanal-Wiedergabe. Ab Jahresende für 4.000 Mark. |
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Philips DVDR 1000: Recorder im +RW-System mit neuem Design. Ab Anfang 2001 für 4.000 Mark.
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DTS 6.1 discrete bei Denon: Wunder der Digitaltechnik. Unsereins ist ja immer über alles informiert und glaubt, schon alles gesehen zu haben. Dass aber irgend jemand auf diesem Globus auf die Idee käme DTS ES 6.1 discrete zu erfinden, konnte ich mir bis vor kurzen nicht vorstellen - also ein Surround-System mit Center-Kanal hinten gleich in doppelter Ausführung, nämlich analog und digital. Und ein System, das DTS endlich einen konkreten Vorteil gegenüber Dolby Digital gibt.
Schaut man sich einmal die "Discrete"-Details an, scheint es schon wieder so logisch, dass man sich fragt, warum niemand früher darauf gekommen ist. Beginnen wir mit dem Bekannten: Seit "The Phantom Menace" (ich zitiere aus audiovision: "Kapitel 15, 02:35, Pod-Rennen - 360-Grad-Raumklang inklusive EX-Kanal; Panning Effekte") gehört im gehobenen Heimkino ein sechster Kanal zur Pflichtausstattung, und zwar ein dritter Surround hinten in der Mitte (siehe auch Meldung vom 26. 9. 1999). Dieser Kanal wird per Matrixschaltung aus den beiden anderen Surrounds herausgefiltert, bei Dolby Digital EX genauso wie dem entsprechenden DTS-ES. Doch diese Technik der Matrixcodierung hat den Nachteil, dass keine hundertprozentige Trennung zwischen den Kanälen möglich ist - etwas, was man immer als den besonderen Vorteil der digitalen Surroundsysteme Dolby Digital und DTS angesehen hatte. Der Rückfall in Matrix-Zeiten ist nun vorbei, es kommt der diskrete Charme von DTS. Bei diesem System hat man nämlich von vorne herein an mehr als sechs Kanäle gedacht; bis zu zwölf sind möglich, aber bis jetzt nicht genutzt. Einen davon hat man nun als Center Surround definiert. Das Schöne an der Digitaltechnik ist schließlich ihre Flexibilität. Kommen Daten zu einer Einheit, die damit nichts anfangen kann, lässt sie die einfach aus. So macht es auch jeder aktuelle DTS-Decoder mit den Daten für den neuen, diskreten Center-Surround - so wie viele DVD-Player früher einfach die DTS-Daten ignorierten.
Doch ganz so einfach ist die Welt nicht, weglassen allein genügt nicht. Die neue Norm muss mit den alten 6.1-Decodern kompatibel sein, weshalb in den Surroundkanälen für links und rechts immer die Center-Anteile enthalten sind. Diese Anteile gilt es zu neutralisieren, wenn man eine perfekte Kanaltrennung hinkriegen will. Deswegen mischt der Discrete-Decoder den seitlichen Surrounds die Center-Informationen wieder bei, allerdings phasenverschoben, so dass sie die Center-Anteile in den anderen Kanälen neutralisieren. Das erinnert ein wenig an die MPEG-2-Codierung, wo auch die Matrixcodierung in den Frontkanälen wieder aufgehoben werden musste. Nur dass es bei den Surrounds mit Sicherheit weniger problematisch ist.
Software für das neue System gibt es noch nicht, bei der Präsentation wurden Ausschnitte aus "The Haunting" benutzt, einem Film, den es schon in normalem 6.1-DTS-ES gibt. Nach Aussagen von Ohrenzeugen, etwa Brent Butterworth von E-Town, konnte man in zwei Szenen einen echten Unterschied hören. Insider gehen davon aus, dass relativ bald alle 6.1-Filme bei DTS im neuen System codiert werden, denn der Mehraufwand ist sehr gering. Vielleicht werden auch die DTS-Freunde Steven Spielberg und George Lucas, die bekanntlich beide gerade ihre Vorbehalte gegen DVD aufgegeben haben, den einen oder anderen Discrete-Film bringen. Mit der Hardware sieht es fürs erste recht knapp aus: Denon kann in den neuen Flagschiffen DTS discrete verarbeiten, dank eines Bausteins von Analog Devices. Bis der allgemein verfügbar ist, wird es etwas dauern. So lange hat Denon das Monopol mit dem AVR-5700, wie die US-Version heißt, beziehungsweise dem AVC-A1SE, dem Vollverstärker für Europa. Er wird ab Herbst in Deutschland lieferbar sein und 7.500 Mark kosten. (23. 6. 2000)
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Denon AVC-A1SE: der Koloss von Denon (sorry, reimt sich nicht). Die Firma hat vorerst das Monopol auf die Discrete-Decodierung. |
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Große Schritte, große Bilder: DLP für Imax. Größenwahnsinn oder was ist es sonst, wenn Texas Instruments (TI) ankündigt, DLP-Projektoren für Imax-Kinos entwickeln zu wollen? Für Pixelzähler rechnen wir mal nach:
Traditionellen 35-mm-Film will TI mit Chips projezieren, die 1.280 mal 1.024 Kippspiegel haben. Das geht ganz ordentlich, aber eigentlich wird man 35-mm-Film nur gerecht, wenn man ihn mit 2.000 Zeilen, also fast der vierfachen Pixelmenge abtastet. 1,3 Millionen Pixel sind trotzdem in Ordnung, weil der Film beim mehrfachen Umkopieren viel Schärfe verliert. Aber weniger sollten es nicht sein. Ein 35-mm-Filmbild hat 396 Quadrat-Millimeter (22 mal 18 mm), macht rund 3.282 Pixel pro Quadratmillimeter.
Imax-Film hat dagegen 4.685 Quadratmillimeter pro Bild, bräuchte also 15.376.498 Pixel. 15 Millionen, das sind fast zwölf SXGA-Chips, mit deren Herstellung TI heute noch jede Menge Probleme hat.
Wir fragen uns, wie das gehen soll, doch eine Antwort gibt es nicht. Nur ein lapidares Statement von Richard L. Gelfond, Vizepräsident von Imax: Es gelte eine beträchtliche Anzahl technologischer Hürden zu überwinden. Das will ich wohl meinen. Es beantwortet aber immerhin die Frage, welche "big steps" die Amerikaner planen, wie erst kürzlich (Meldung vom 25. 5. 2000) berichtet. Und nun weiß man auch, warum die offizielle Bestätigung über die DLP-Cinema-Kooperation zwischen TI und Imax so lange gedauert hat (Meldung vom 11. 3. 2000). Wahrscheinlich musste man ein wenig feilschen, um festzulegen, wieviel Rabatt TI diesmal bekommt, rein pixelmäßig gesehen. (13. 6. 2000)
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Die Chinesen kommen ins Heimkino. Mit Produkten fürs Kino zu Hause will der Hersteller Xiamen Xiaxin Electronics Co. Ltd den deutschen Markt aufrollen. DVD-Spieler, AV-Vollverstärker und mehr sollen das Angebot bilden, wenn im August die Amoisonic Electronics Germany GmbH in Hamburg ihre Arbeit aufnimmt. Den Markennamen Amoisonic nutzen die Chinesen aus der Provinz Xiamen für die eigene Vertriebsschiene; daneben fertigen sie - wie praktiscch alle Elektronik-Firmen in der Volksrepublik - auch für andere Marken. So werden die Vollverstärker auch an Marantz ausgeliefert, Philips kauft in Xiamen Produkte für den Vertrieb in Asien. Darunter ist auch der VDR-2000, der erste Recorder für Video-CDs und Super-Video-CDs (siehe CES-Berichte). Die Chips für die Codierung des Videosignals kommen von Stream Machine Co., einer jungen Elektronikfirma aus San Jose. Dort arbeiten zahlreiche Amerikaner chinesischer Abstammung, denen der Kontakt in die alte Heimat immer noch leicht fällt - so viel zum Thema Green Card. Auch der VDR-2000 soll im Laufe des Jahres in Deutschland angeboten werden; der Preis wird auf jeden Fall unter 1.000 Mark liegen. Wobei fraglich bleibt, wer einen Videorecorder braucht, der maximal 74 Minuten aufnimmt. Ich tippe mal auf Filmfans, die nur Pro7 schauen. Die können dann in den Werbepausen die CDs wechseln. (12. 6. 2000)
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Amoisonic VDR-2000: Videorecorder für Pro7-Liebhaber. |