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IFA-News: Philips-Spezial

Eine Firma räumt auf 

Philips erfindet die Branche neu

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Samstag, 28. August 1999 

Weil es bei Philips so viel Interessantes gibt, das auch Bilder verdient, spendiere ich dieser Firma eine eigene Seite - nein zwei.
 
  Yoeri Geutskens demonstriert den ersten DVD-Videorecorder, der echte DVDs macht. Neben dem Prototyp vier normale DVD-Player der Konkurrenz, in denen die Aufnahmen abgespielt wurden.
 
 

Mehr Bilder vom Philips DVD-Recorder gibts hier.

Während andere eher ermüden, ist Philips aktiv und selbstbewusst wie nie. Mit einer ganzen Latte an Innovationen stehlen die Holländer den anderen die Schau. Im Einzelnen:
- Der DVD-Recorder funktioniert - und er brennt echte DVDs
- Die D-Box wird es auch mit Festplatten-Videorecorder geben
- D-VHS kommt noch in diesem Jahr
- DVD-Video, DVD-Audio und Super-Audio-CD kommen in Einem
- LCD-Fernseher gibts innerhalb der nächsten 24 Monate

Der DVD-Recorder, das ist der ganz große Hammer, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist. Bei der Ankündigung Anfang dieses Jahres auf der CES durfte man noch skeptisch sein. Jetzt nicht mehr. Denn ich habe den Prototyp gesehen, er funktioniert und er ist voll kompatibel: Yoeri Geutskens von Philips Disc Systems demonstrierte ihn in einem Hinterstübchen des Händlerteils, und er nahm die bespielt Scheibe aus dem Player, legte ihn in einen der Konkurrenz-Player (wir wählten den Pioneer) - der spielt die DVD ab. Zum Beweis, dass nicht getürkt war, nahm Geutskens Bilder von einem Camcorder, mit dem er die Journalisten fünf Minuten vorher beim Hereinkommen gefilmt hatte.
Das ist also der DVD-Recorder, wie er sein muss. Denn alle konkurrierenden Systeme können keine Discs erzeugen, die auf normalen DVD-Video- oder DVD-Rom-Playern funktionieren, egal ob es DVD-RAM, DVD-RW (Pioneer) oder DOD/MVD von Thomson/NEC sind. Zur Technik: Der Philips-DVD-Recorder basiert auf dem DVD+RW-System, das Sony und Philips zusammen mit Hewlett-Packard entwickelt haben. Es kommt in diesem Herbst auf den Markt, allerdings vorerst nur in einer PC-Variante mit 3,0 GB Speicher; diese Version ist nicht rückwärts kompatibel. Philips hat nun bereits die zweite DVD+RW-Generation entwickelt, die wie jede DVD-Video 4,7 GB fasst. Aufgezeichnet wird natürlich in MPEG-2, das können viele andere auch schon. Philips hat aber sogar MPEG-2 mit variabler Datenrate in Echtzeit, das ist noch selten (naja, NEC kann es auch). Die freilich wichtigste Technologie für die Rückwärtskompatibilität mit DVD-Video-Player ist das sogenannte Lossless Linking, ein Verfahren, das die Schnittstellen zwischen den Datenblöcken so klein hält, dass normale Player dadurch nicht aus dem Takt gebracht werden. Sie müssen dafür, fanden die Philips-Techniker heraus, kleiner als ein Micron (ein Millionstel Meter) sein. Je nach Qualitätanforderung zeichnet der Philips-DVD-Recorder zwei bis vier Stunden auf.
Aber da ist ja noch Hollywood. Werden Kopierschutz-Probleme den Start des Gerätes nicht verzögern? Nein, sagt Geutskens. Der Recorder hat natürlich einen Analog-Eingang, so dass jede beliebige Videoquelle aufgezeichnet werden kann - aber Vorsicht, Leute: Werft Eure Kopierschutzkiller nicht zusammen mit den VHS-Recordern weg, denn auch darauf reagiert der DVD-Recorder und verweigert die Aufnahme. Dann hat er eine Digitalschnittstelle im IEEE-1394-Standard (i-Link, Firewire). Damit kann man auf jeden Fall Material von DV-Camcordern schneiden oder Material von anderen Quellen überspielen. DVD-Videos wird er über diese Buchse nicht ausgeben, es sein denn, das 1394-Protokollist bis dahin endlich fertig. Nach Philips-Einschätzung wird das aber noch länger dauern. Deshalb bleibt der Firewire kalt, wenn es um DVD-Video geht.

In der zweiten Hälfte des nächsten Jahres kommt der DVD-Recorder, und er wird nicht so teuer wie das NEC-Gerät, das rund 5.500 Mark kosten wird. Geutskens ließ sich die Aussage entlocken, man müsste mit einer Preisklasse wie bei den ersten High-End-DVD-Playern rechnen - das wären also weniger als 2.000 Mark. Und die Lerr-Scheiben hätten einen gewissen Aufpreis, etwa in der Größenordnung wie bei CD-RWs. Hört sich also alles sehr gut an, aber es drängt sich natürlich auch die Frage auf, ob man dann nicht mit dem Kauf heute noch warten sollte. Da kann ich nur meine persönliche Meinung zum Besten geben: nein. Denn wir haben schon so viele Ankündigungen gehört und gesehen. Wirklich glauben wirde ich es erst, wenn das Gerät im Laden steht.Fragen Sie mich dann nochmal.
Weitere DVD-Recorder auf der IFA: bei Pioneer, bei Thomson, bei Samsung, bei Hitachi

D-Box mit Festplatte: Eigentlich war es schon letzte Woche angekündigt worden, der Deal wurde aber erst am Dienstag unterzeichnet: Philips wird D-Boxen für Premiere World nach der Kirch-Spezifikation bauen, die einen Festplatten-Recorder enthalten. Verwendet wird die Software von Philips-Partner TiVo und die Hardware von Festplatten-Spezialist Quantum; von den anderen TiVo-Boxen unterscheidet sich die Neukonstruktion, die irgendwann im Laufe des nächsten Jahres zu haben sein wird, durch das Fehlen des MPEG-Encoder. Der wird nicht gebraucht, denn aufgezeichnet wird nur, was digital abgestrahlt wird. Die Steuerung der Aufzeichnung übernimmt dann "Toni", die für DF-1 entwickelte Programmführung der Kirch-Gruppe. Auch der bisherige Kirch-Partner Nokia würde gern eine solche Recorder-D-Box bauen. Doch die Entescheidung darüber liegt allein bei der Kirch-Tochter Beta Research. Bei Philips gibt man dem Festplatten-Thema eine große Zukunft: "Mittelfristig erwarten wir", sagte Adri Baan, Chef der CE-Sparte, "dass alle Videoaufzeichnungen, die nur de m zeitversetzten Fernsehen gelten, auf Festplatte erfolgen." In diesem Szenario übernimmt dann die DVD die Aufgabe, für Archivierung zu sorgen, also das Anlegen von Filmsammlungen zu ermöglichen.

D-VHS-Recorder: VR20D soll der erste D-VHS-Recorder von Philips heißen, der noch in diesem Jahr auf den Markt kommen wird, wenn man Adri Baan glauben will. Er ähnelt stark dem JVC-Recorder, hat also einen MPEG-2-Encoder eingebaut. Die Schnittstelle im i-Link-Standard (IEEE 1394) ist ausschließlich nützlich für Camcorder-Überspielungen, andere digitale Quellen gibt es noch nicht. Falls sie überhaupt jemals kommen ...

Super-Audio: Die Super-Audio-CD hat Philips zusammen mit Sony erfunden, doch bislang nicht auf den Markt gebracht. Das liegt ganz einfach daran, dass Philips kein Name für High-End-Audio ist. Deswegen darf hier die Konzernmarke Marantz voranmarschieren und im Herbst den Japanern einen SA-CD-Player offerieren. In Europa wird er irgendwann nächstes Jahr eingeführt. Die eigentliche Überraschung war aber die Ankündigung der Philips-Manager, dereinst einen Player für Super-Audio-CDs, DVD-Audio und DVD-Video bauen zu wollen, "sobald die Technologie günstiger geworden ist". Das könnte in zwei Jahren soweit sein, tippe ich.

LCD-Fernseher: Cor Boonstra, der Philips-Boss, hat es elegant umschrieben: "We have built a strong cash position", zu deutsch: Die Kriegskasse ist voll. Das liegt nicht daran, dass Philips plötzlich zuviel Geld mit Fernsehern oder Glühlampen verdient, sondern am Verkauf der Musik- und Filmsparte Polygram an Universal. Einen Großteil des Geldes hat man freilich schon wieder ausgegeben, nämlich für die 50-prozentige Beteiligung an der LCD-Fertigung von LG Electronics in Korea. Damit rückt Philips bei den Flachbildschirmen in eine ähnliche Position wie bei Bildröhren, nämlich an die erste Stelle bei größeren und hochwertigen Schirmen. Und diese LCDs sollen nicht allein im PC-Sektor eingesetzt werden, Ende des nächsten oder Anfang des übernächsten Jahres soll es von Philips auch einen LCD-Fernseher geben. Diese unterscheiden sich von LCD-Monitoren meistens durch etwas geringere Auflösung, aber auch durch höheren Kontrast und schnellere Reaktion auf Veränderungen. Ganz wesentlich: ein niedrigerer Preis. LCD-Fernseher zeigen übrigens auch Sharp, Samsung und Akai.
 

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