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Ulrich v. Löhneysen, Journalist

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Progressive Scan

Viel Verwirrung, und einige kleine Beiträge dazu

Weiter unten:
Was man braucht, für wen sich Progressive Scan lohnt
Film in PAL und NTSC
Und eine persönliche Meinung

Verwirrung um Progressive Scan: Heute erreichte mich ein Leserbrief zu meinem Beitrag über DVD-Spieler mit Vollbild-Ausgang (Progressive Scan) in audiovision 6/99. Weil das Problem kein Einzelfall zu sein scheint, hier der Brief und meine Antwort. Im Anhang außerdem ein Text, den ich für das nächste DVD-Magazin geschrieben habe, bei dem es um das gleiche Thema geht. Ich hoffe, damit sind die gröbsten Unklarheiten auszuräumen.

Hallo Ulrich, dein Artikel bezüglich Vollbild-Signal neuer DVD-Player trifft mich (und betrachtet man die User-Foren anscheinend auch genügend Andere) mitten in einer Kaufentscheidung. Kannst Du mir bitte auf diesem Weg (oder behandelt Ihr dieses Thema in einer zukünftigen Ausgabe?) nur eine kurze Orientierungshilfe zu diesem Thema geben? Bringt es wirklich SICHTBARE Qualitätsunterschiede, oder ist es nur eine Abzocke?
Jürgen Stöberl

Hallo auch!
Wie viel Progressive Scan bringt, hängt im Wesentlichen vom jeweiligen Display ab. Handelt es sich zum Beispiel um einen DLP-Projektor mit schlechter Video-Darstellung, kann das Ergebniss hervorragend sein. Denn der Projektor bekommt dann ein Signal, auf das er eingerichtet ist, das er nicht mehr wandeln muss. Bei guten Fernsehern mit 100 Hertz (nur da ist es überhaupt möglich) bringt Progressive Scan wenig, da diese Geräte ausschließlich für Videosignale optimiert sind. Einige Geräte mit VGA-Input (den braucht man für Progressive) sind sogar über VGA schlechter als über RGB-Scart oder YC. Ohne VGA geht nichts mit Vollbildern bei Fernsehern hierzulande, zudem muss der DVD-Player das Progressive-Signal in RGB ausgeben (US-Player meist YUV), und es muss der Sync noch gestrippt werden, also auf separate Pins gelegt werden, damit VGA das Signal überhaupt annimmt. Das macht ein Sync-Stripper, den es im Zubehörhandel gelegentlich gibt.
Wer einen sehr guten Linedoubler (etwa der Faroudja-Kategorie) besitzt, wird wenig Unterschied merken - allerdings liegen die eher zu Ungunsten von Progressive-Signalen, weil die Bildbearbeitung in solchen Geräten weit über die Herstellung von Vollbildern hinausgeht. Es wird zum Beispiel auch die Schärfe angehoben, ohne neue Störungen zu erzeugen, die Farbauflösung verbessert und etliches mehr. Das alles findet bei Progressiv Scan nicht statt. Auf der anderen Seite macht selbst der beste Linedoubler immer noch winzige Fehler bei der Zusammensetzung der Halbbilder; die fallen weg, wenn das Bild nicht zuerst zerlegt und dann wieder rückgewandelt werden muss.

Extra: Was man braucht, für wen sich Progressive Scan lohnt

Um Vollbilder (Progressive Scan) von der DVD genießen zu können, sind verschiedene Punkte notwendig:

  • Die DVD muss nicht im Video-, sondern im Vollbildmodus aufgenommen sein. Leider sind die Scheiben nicht entsprechend gekennzeichnet. Bei vielen DVDs der großen Studios ist das der Fall, vor allem bei NTSC-Scheiben. Kleinere Anbieter müssen häufig mit einen Videomaster arbeiten, das schon aus Halbbildern besteht.
  • Der DVD-Spieler muss über die YUV-Buchsen Vollbilder ausgeben können, oder es muss ein DVD-Laufwerk im PC über die VGA-Buchse mit einem Monitor oder Projektor verbunden sein.
  • Der Fernseher oder Projektor muss einen YUV-Eingang, einen RGB-Eingang für 32 Kilo-Hertz Ablenkfrequenz (Cinch, BNC) oder eine VGA-Buchse besitzen. Die Signalart von Player und Bildschirm muss dabei übereinstimmen.

Die Anschaffung eines Players mit Vollbild-Ausgang lohnt sich vor allem für Besitzer von Projektoren, egal ob bei Röhren. LCD oder DLP. Denn bei Röhrenprojektoren ist die Zeilenstruktur von Halbbildern besonders auffällig. Bei LCD- und DLP-Projektoren verbessert sich das Filmbild durch Progressive-Scan deshalb meist dramatisch, weil die Videowandlung der Geräte unzureichend ist. Die Vollbild-Signale müssen dagegen nicht mehr gewandelt werden. Für 100-Hertz-Fernsehgeräte bis 36 Zoll bringt Progressive Scan erfahrungsgemäß wenig, da Fernseher mit Videosignalen viel besser umgehen als Projektoren. Bei Rückprojektoren sieht es anders aus, dort lohnt sich das bessere Signal fast immer, wenn die Voraussetzungen gegeben sind (VGA-Input).

Extra: Film in PAL und NTSC

Kinofilme werden immer mit 24 Bildern in der Sekunde aufgenommen. Um daraus 60 Bilder bei NTSC und 50 Bilder bei PAL-Norm zu erzeugen, sind einige Kunstgriffe nötig.

  • Bei PAL wird wie im Kino die Wiedergabe-Frequenz einfach verdoppelt; weil die daraus entstehenden 48 Hertz etwas zu wenig sind, wird die Filmwiedergabe um vier Prozent beschleunigt. Das ergibt 50 Bilder pro Sekunde. Damit werden die Filme entsprechend kürzer. Weil die leichte Beschleunigung nicht sichtbar, aber unter Umständen hörbar ist, werden die Frequenzen von Musik und Stimmen für die TV-, Video- und DVD-Fassung leicht abgesenkt. Bei Konzertvideos werden manchmal auch zwei Extrabilder pro Sekunde eingefügt, damit der Ton unverfälscht bliebt.
  • Bei NTSC werden die Filmbild er im Rhythmus 3:2 abgetastet. Das heißt, das erste Filmbild wird dreimal wiederholt, das folgende nur zweimal und so weiter (Fachausdruck "3:2-Pulldown"). Damit entsteht die 2,5-fache Frequenz von 24, also 60. Weil aber die Wiedergabe nicht synchron zur Aufnahme ist, entsteht ein leichtes Ruckeln.
Eine zukünftige Fernseher-Generation dürfte, wie heute schon PC-Monitore oder Projektoren, multisync-fähig sein. Schon heute können fast alle Geräte 50 und 60 Hertz darstellen, auch wenn sie nicht multinorm-tauglich sind. Aber auch 72, 75, 100 und 120 Hertz dürften bald möglich werden, weil sich damit die unterschiedlichsten Quellen ruckelfrei darstellen lassen. 72 Hertz etwa ist das dreifache von 24, also die ideale Bildwiederholrate für flackerfreie Wiedergabe von Spielfilmen.

Abschließend noch eine persönliche Meinung: Ich halte die Adaption des YUV-Standards für Vollbilder für ziemlichen Nonsens - auch wenn diese Norm einige Vorteile hat. Denn für YUV gibt es so gut wie keine Displays. Unbedingt sinnvoll dagegen wäre es, einen DVD-Player mit VGA-Ausgang zu bestücken. Das können haufenweise Projektoren entgegennehmen, und sogar etliche Fernseher der Oberklasse. In den USA wählt man YUV, weil das der Standard für HDTV- und Digital-TV-Signale ist. Settop-Boxen etwa geben das Signal in dieser Form an die Fernseher weiter, die jetzt auf den Markt kommen. Interessanterweise vertrauen aber alle drei Anbieter von PC-DVD-Lösungen (RKR Video, Princeton Graphics und NetTV) auf RGB. Man muss hoffen, das die Hersteller, die nun Progressive-Player ankündigen, die Ausgänge wenigsten auf RGB umschaltbar machen.

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